Bhutto trotzt Versammlungsverbot in Pakistan
Aktualisiert

Bhutto trotzt Versammlungsverbot in Pakistan

Die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto ist auf direkten Konfrontationskurs zur Regierung von Staatschef Pervez Musharraf gegangen.

Bhutto rief die Anhänger ihrer Pakistanischen Volkspartei (PPP) trotz des von Musharraf verhängten Versammlungsverbots für Freitag zu einer Demonstration auf. Dazu sollten die Menschen nach Rawalpindi kommen, «koste es, was es wolle».

Der Bürgermeister der südlich von Islamabad gelegenen Stadt, Javed Akhlas, kündigte jedoch an, die Polizei werde das Versammlungsverbot durchsetzen und die Kundgebung verhindern, auf der Bhutto eine Rede halten will. Zugleich warnte er, dass es Hinweise auf Pläne für einen weiteren Selbstmordanschlag gegen Bhutto gebe. Die ehemalige Ministerpräsidentin entging am 18. Oktober bei ihrer Rückkehr aus dem Exil nur knapp einem schweren Bombenanschlag, bei dem mehr als 140 Menschen getötet wurden.

Für Anfang kommender Woche kündigte Bhutto einen Marsch von PPP-Anhängern von der ostpakistanischen Stadt Lahore ins 300 Kilometer entfernte Islamabad an. Inzwischen seien mehr als 400 Mitglieder der Partei festgenommen worden, sagte die Politikerin. Am Mittwoch versuchten hunderte Anhänger Bhuttos, in der Nähe des Parlamentsgebäudes eine Blockade von Sondereinsatzkräften der Polizei zu durchbrechen. Die Polizisten gingen mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Menge vor, die sich später wieder zurückzog.

Vor der Rückkehr Bhuttos hatte Musharraf mit der prominenten Politikerin über ein mögliches Bündnis verhandelt, um seine geschwächte Position zu stärken. Bhutto verurteilte die Verhängung des Ausnahmezustands am Samstag als Vertrauensbruch und erklärte die Gespräche mit Musharraf zumindest vorerst für beendet.

Dennoch schlug die Pakistanische Moslemliga des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif am Mittwoch eine Einladung Bhuttos zu einem Treffen aller Oppositionsparteien aus, bei der eine gemeinsame Strategie gegen den Ausnahmezustand erörtert werden sollte. Ein Parteisprecher sagte, Bhutto gehöre wegen ihrer Verhandlungen mit Musharraf nicht mehr zum Oppositionslager. Sharif rief den Westen auf, sich von Musharraf abzuwenden. Dieser habe Pakistan als Geisel genommen und führe das Land ins Chaos. Davon profitierten lediglich Radikale und Extremisten, sagte Sharif der Nachrichtenagentur AP.

Unterdessen hielten die Demonstranten von Anwälten gegen die Verhängung des Ausnahmezustands und die Entmachtung des Obersten Gerichts den dritten Tag in Folge an. In Islamabad zogen etwa 200 Anwälte durch die Strassen und forderten den Rücktritt Musharrafs. In Rawalpindi kam es wieder zu Zusammenstössen mit der Polizei. Dort kamen etwa 80 Anwälte vor dem Bezirksgericht zu einer Kundgebung zusammen.^

(dapd)

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