Moralische Bedenken: Bibel-App macht Atheist zum reichen Mann
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Moralische BedenkenBibel-App macht Atheist zum reichen Mann

Ein junger Amerikaner verdient Hunderttausende Dollar mit einer Bibel-App. Und das bringt ihn in ein moralisches Dilemma.

von
laf
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La Biblia: Mit seiner App verdient Trevor McKendrick über 100'000 Dollar pro Jahr.

La Biblia: Mit seiner App verdient Trevor McKendrick über 100'000 Dollar pro Jahr.

Er selbst hält die Bibel für ein Märchenbuch: McKendrick ist Atheist.

Er selbst hält die Bibel für ein Märchenbuch: McKendrick ist Atheist.

«Alter, ich arbeite vielleicht eine Stunde im Monat daran», sagt Trevor McKendrick einem Reporter über seine Goldgrube. Das bedeutet für den jungen Amerikaner einen Stundenlohn von mehr als 8000 Dollar. Denn mit seiner spanischsprachigen Bibel-Audio-App verdient McKendrick mehr als 100'000 Dollar im Jahr. Doch deswegen hat er auch ein schlechtes Gewissen, denn: McKendrick ist Atheist. Für ihn ist die Bibel nicht mehr als ein Märchenbuch, wie er im Interview mit dem Podcast-Journalisten Alex Blumberg zugibt.

Sein Dilemma: «Was, wenn man Kindern ‹Harry Potter›-Bücher verkaufen würde und argumentieren würde, dass es reale Geschichten sind? Was, wenn man sagt, sie können sich mit Magie einfach heilen, wenn sie krank sind? Ich glaube, dass die Bibel genauso Fiktion ist wie ‹Harry Potter› oder ‹Der Herr der Ringe›.» Doch seine Kunden wissen das nicht. Er bekomme häufig E-Mails, in denen er um Rat gefragt werde, oder in denen man ihn bitte, für jemanden zu beten. «Sie denken, ich bin ein Pastor», so McKendrick. Wenn man dem App-Entwickler eine Mail schreibe, damit er für einen bete, gehe es einem wahrscheinlich nicht besonders gut. «Daraus Geld zu machen, tut mir schon ein bisschen weh.»

«Heilige Scheisse, Schatz, guck dir das ganze Geld an!»

Doch aufgeben will er die App nicht. Immerhin startete er das Projekt nur, weil er noch vor zwei Jahren selbst kein Geld hatte, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu bezahlen. Seine Strategie: «Ich suchte nach einer App, die gutes Geld verdiente, aber schrecklich gemacht war.» Spanische Bibel-Apps erfüllten diese Ansprüche. Also machte er es besser – und bot sogar noch eine Audio-Version an.

Der Erfolg haute ihn um: Ursprünglich hatte McKendrick auf etwa 600 Dollar im Monat gehofft. Doch dann merkte er, dass es viel mehr war. Seine Reaktion in dem Moment, in dem er realisierte, was für eine Geldmaschine er geschaffen hatte, ist zumindest verbal die eines wahren Atheisten. Er drehte sich zu seiner Frau um und sagte: «Heilige Scheisse, Schatz, guck dir das ganze Geld an!»

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