Biber erobern Nordwestschweiz
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Biber erobern Nordwestschweiz

Die Biber sind auf dem Rückweg in die Nordwestschweiz. Der Verein Pro Natura Baselland zieht nach Halbzeitbilanz der Aktion «Hallo Biber» positive Bilanz.

Mit der Aktion «Hallo Biber» will ihnen Pro Natura Baselland den Weg ebnen. Am Dienstag zogen Verantwortliche nach fünf Jahren eine positive Halbzeitbilanz. Bei Liestal wurde ein Biberbau entdeckt.

Der Biber sei ein «wunderbarer Türöffner» für Verbesserungen des Lebensraums an den Gewässern, sagte «Hallo Biber»-Geschäftsführer Urs Leugger vor den Medien. Das plattschwanzige Pelztier eigne sich als Sympathieträger - besser als etwa der Aal. Behörden, Bauern und Gewässernutzer seien offener geworden für konkrete Massnahmen.

Als Paradebeispiel für das Ziehen aller an einem Strick nennt Leugger die Revitalisierung der Birs bei Birsfelden: Da habe man anstehende Projekte bei der ARA mit Aufwertungen am Ufer und im Fluss verbunden. Heute ist die Birs für den Biber bis Dornachbrugg passierbar, wo diesen Winter bauliche Anpassungen folgen sollen.

Vor Liestal niedergelassen

Leugger bekommt nach eigenen Angaben auch immer mehr Meldungen über Biber-Sichtungen. Vieles sei unsicher, könnten auch Nutria und Bisam (mit rundem Schwanz) gewesen sein. Glaubwürdige Zeugen gebe es hingegen für den Rhein zwischen Augst und Birsfelden; da hätten Ruderer mehrmals eindeutig Biber schwimmen gesehen.

Schon Realität ist die Biberzuwanderung in der Ergolz: Begonnen hatte es mit Frassspuren an Baumstämmen bei der Mündung, die man Bibern auf der deutschen Rheinseite des Staus zuschrieb. Dann fanden sich solche Spuren der Ergolz entlang aufwärts, bis über die Hülftenschanz hinaus.

Inzwischen hat sich laut Leugger ein Biberpaar vor der Liestaler Stadtgrenze niedergelassen. Solange genügend tiefes Wasser und ein geeignetes Ufer vorhanden ist, baut der Biber keinen Damm, sondern gräbt sich eine Höhle mit Unterwasserzugang. Wenn dann im Winter Grünzeug rar wird, sollen Baumspuren zeigen, ob Nachwuchs da ist.

Ziel 50 Regio-Biber

«Hallo Biber» hatte im August 2000 begonnen und soll - mit einem Jahresbudget von 70 000 Franken - bis 2010 weiter laufen. Ziel ist geeigneter Lebensraum für rund 50 Biber in der Nordwestschweiz. Im laufenden Jahr wird zusätzliches Geld für eine Biber-Ausstellung aufgeworfen, die im Herbst per Bus durch Schulen der Region tourt.

Zu tun bleibt genug; so ist etwa das Birs-Wehr bei Grellingen heute eine Barriere. Biber-Umwege sind in Planung; Leugger ist dazu im Kontakt mit der Papierfabrik Ziegler, welche den dortigen Stau nutzt. Und bis zur Fussball-WM 2008 sähe er den Birsabschnitt vom St. Jakob-Stadion bis zum Wehr Münchenstein gerne revitalisiert.

Die seit Beginn von den Lotteriefonds beider Basel unterstützte Aktion hat auch erstmals ein Unternehmen als Hauptsponsor gewonnen: Elektra Baselland (EBL) will 2005/06 für «Hallo Biber» einen Teil der Ökostrom-Zuschläge auf ihr Produkt «Rheinstrom» einsetzen.

Am kommenden Wochenende wird die positive Halbzeitbilanz von «Hallo Biber» mit einem öffentlichen Fest auf der Kraftwerkinsel Birsfelden gefeiert. Pro Natura Schweiz will ferner 2006 mit ihrer landesweiten Aktion «Lebendige Gewässer» Biberanliegen aufnehmen, damit Lebensräume am Wasser aufgewertet und besser vernetzt werden.

(sda)

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