28.01.2015 04:57

Zürich

Bibliothek schliesst – Seebach hofft auf Stadtrat

Die Pestalozzi-Bibliothek in Zürich-Seebach schliesst am 6. Februar definitiv ihre Pforten. Lehrer und Schüler sind enttäuscht. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber noch.

von
wed
Blick in die Pestalozzi-Bibliothek in Zürich-Seebach.

Blick in die Pestalozzi-Bibliothek in Zürich-Seebach.

«Ich finde es völlig daneben, dass in einem Quartier an Bildung gespart wird, wo es sehr viel Ausländer gibt», sagt Monika Kunze, Lehrerin am Schulhaus Kolbenacker in Zürich-Seebach. Grund für ihren Frust ist die Schliessung der Pestalozzi-Bibliothek (PBZ) per 6. Februar dieses Jahres. «Die Pestalozzi-Bibliotheken hätten doch die Aufgabe oder sie böten die Möglichkeit, den Kindern Bildung zur Verfügung zu stellen», sagt Kunz.

Viele Eltern und Schüler seien traurig über diese Entscheidung, da es auch ein Treffpunkt im Quartier war: «Das Elternforum hatte bereits eine Petition mit über 1500 Unterschriften eingereicht», so Kunz. Man habe von der Stadt aber nie eine klare Stellungnahme erhalten. Der Gemeinderat hat den Antrag abgelehnt, nun liegt das Postulat beim Stadtrat. «Schüler wären gar bereit, sich finanziell zu beteiligen mit einem symbolischen Betrag von 50 Rappen pro Buch», sagt Kunz.

Kinder sollen mit den ÖV nach Oerlikon

Geht es nach der PBZ, sollen die Kinder künftig in der Bibliothek beim nahe gelegenen Bahnhof Oerlikon ihre Bücher beziehen. Für Kunz ist dies keine gute Alternative: «Das Angebot konzentriert sich auf Erwachsene und für Kinder ist es am Abend nicht ungefährlich, allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Oerlikon zu fahren.»

PBZ-Direktorin Josephine Siegrist sieht das anders: «Mit dem Bus sind es nur wenige Haltestellen von Zürich-Seebach aus und die Bibliothek befindet sich gleich neben der Bushaltestelle am Bahnhof.» Die Schliessung begründet Siegrist mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der langjährigen PBZ-Strategie: «Wir haben uns entschieden, uns auf grosse Standorte zu fokussieren und diese zu modernisieren. In diesem Zusammenhang wurde Bibliothek in Oerlikon bei der Renovation auch massiv vergrössert.»

Hoffnung auf eine Sonderregelung

Die PBZ-Seebach sei im Vergleich nur 140 Quadratmeter gross und man sei daher limitiert im Dienstleistungsangebot – in Oerlikon sei die Kinderabteilung so gross wie die ganze Fläche in Seebach. «Zudem hat die Bibliothek in Seebach nur zehn Stunden pro Woche geöffnet – in Oerlikon sind es 44 Stunden.»

Eine letzte Hoffnung für die Kinder in Seebach bleibt aber. 2007 gab es einen ähnlichen Fall im Quartier Heuried. Dort wurde die Bibliothek dank einer Sonderregelung von Stadtrat Gerold Lauber als Schul- und Kinderbibliothek weitergeführt. «Bereits bei der Übergabe der Petition hatte Stadtrat Lauber allerdings gesagt, dass in Seebach eine Lösung wie im Heuried sehr unwahrscheinlich ist», so Siegrist. Im Seebach gebe es gleich mehrere Schulhäuser mit Schulbibliotheken – im Heuried sei dies nicht der Fall gewesen. «Zudem war die finanzielle Situation der Stadt im Jahr 2007 auch eine andere.»

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