Liga-Qualifikation: Biel - der beste Absteiger aller Zeiten?
Aktualisiert

Liga-QualifikationBiel - der beste Absteiger aller Zeiten?

Im Frühjahr 1978 gewinnt der EHC Biel mit 41 Punkten die Schweizer Meisterschaft. 31 Jahre später beenden die Bieler die Meisterschaft mit 44 Punkten auf dem letzten Platz und in der Liga-Qualifikation droht dem Liga-Neuling ab heute gegen Lausanne der sofortige Wiederabstieg in die NLB.

von
Klaus Zaugg

Die Zeiten haben sich geändert. 1978 wurden nur 22 Partien gespielt und pro Sieg gab es bloss zwei Zähler.

2009 sind es 50 Spiele und drei Punkte pro Sieg. Trotzdem: Sollte der EHC Biel in der Liga-Qualifikation gegen Lausanne scheitern, dann wäre es der beste Absteiger aller Zeiten. Noch nie seit der Gründung der Nationalliga (1938) ist der Tabellenletzte auf mehr als 38 Punkte gekommen. Die 44 Zähler der Bieler sind also ein Rekord.

Brisante Ausgangslage

Die Ausgangslage ist deshalb brisant, weil Lausanne unbedingt nach oben will und die wirtschaftliche Substanz für die NLA hat. «Wir würden nächste Saison in der NLA mit einem Budget von 8,5 Millionen operieren», sagt Manager Gérard Scheidegger. Das ist mehr Geld als beispielsweise diese Saison die Bieler (6,0 Mio), die Langnauer (7,5 Mio) oder Ambri (5,7 Mio) offiziell zur Verfügung hatten. Und Scheidegger legt nach: «Wir können in einer Frist von drei Jahren das Budget auf zehn Millionen hochfahren.»

Lausanne steht im dritten Jahr eines Fünfjahresprojektes, das den Aufstieg in die NLA zum Ziel hat. «Wir haben Vorsprung auf die Marschtabelle», sagt Scheidegger. «Aber wir wollen jetzt alles tun, um aufzusteigen.»

«Für das NLA-Team ist der Druck immer grösser»

In Biel ist sich Sportchef Kevin Schläpfer bewusst, wie schwierig es wird. Vor einem Jahr hat er mit Biel «von unten heraus» wie jetzt Lausanne gegen den NLA-Letzten Basel die Liga-Qualifikation gewonnen. Er weiss: «Für das NLA-Team ist der Druck immer grösser.» Einen Plan, was im Falle eines Abstieges passieren würde, hat Schläpfer nicht und er verschweigt, welche Spieler für den Falle eines Scheiterns eine Ausstiegsklausel im Vertrag haben. «Damit würde ich nur die Konkurrenz mobilisieren und Unruhe auslösen.» Er ist trotz allem guter Dinge: «Unsere Mannschaft ist in den Playouts intankt geblieben. Wir leben noch.»

Nur zwei Ausländer erlaubt

Für die Liga-Qualifikation muss der NLA-Klub von vier auf zwei Ausländer abrüsten, behält dafür den Heimvorteil. Biel will heute mit den ausländischen Stürmern Rico Fata und Jiri Bicek antreten. Ein sicheres Zeichen, dass Trainer Heinz Ehlers das Heil in der Flucht nach vorne sucht.

Das ist auch die einzige Chance für die Bieler.

Vorwärts, also wenn der Puck in den eigenen Reihen zirkuliert, ist der EHC Biel ein gutes NLA-Team - sie haben sogar Qualifikationssieger Bern zweimal mit 6:1 vom Eis gefegt.

Rückwärts, also wenn der Gegner den Puck hat, ist der EHC Biel NLB-Mittelmass.

In den beiden letzten entscheidenden Playoutpartien reichte ein 3:1 und ein 3:0 nicht zum Sieg.

Schwache Defensive garantiert Spektakel

Biel kann mit seiner Operetten-Defensive, dem Porzellan-Goalie und dem verwundeten Verteidigungsminister Martin Steinegger gar nicht anders als die Flucht nach vorne versuchen. Das garantiert in jedem Fall Spektakel.

Aber Lausanne spielt mit vier Linien, hatte die zweitbeste NLB-Abwehr, die Verteidiger lassen sich nicht einfach herumschubsen und die Mannschaft könnte sich als erstaunlich tempofest erweisen.

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