Den Puls gefühlt: Biel fällt hart, muss sich aufrappeln – das Pre-Playoff verspricht Spannung
Publiziert

Den Puls gefühltBiel fällt hart, muss sich aufrappeln – das Pre-Playoff verspricht Spannung

Biel, Davos, Bern und Rapperswil müssen durchs Pre-Playoff. Wir haben den Teams vor dem Startschuss auf den Zahn gefühlt.

von
Adrian Hunziker
1 / 8
Damien Brunner und der EHC Biel mussten im letzten Saisonspiel einen Dämpfer hinnehmen: Die Seeländer müssen den Umweg übers Pre-Playoff nehmen.

Damien Brunner und der EHC Biel mussten im letzten Saisonspiel einen Dämpfer hinnehmen: Die Seeländer müssen den Umweg übers Pre-Playoff nehmen.

Urs Lindt/freshfocus
Der Bieler Stürmer sagt zu Gegner Rapperswil: «Es kommt ein guter Gegner, sie sind gut eingestellt, hartnäckig. Wir müssen bereit sein.»

Der Bieler Stürmer sagt zu Gegner Rapperswil: «Es kommt ein guter Gegner, sie sind gut eingestellt, hartnäckig. Wir müssen bereit sein.»

freshfocus
Der Davoser Sven Jung trifft mit den Bündnern auf den SCB. Der 26-Jährige geht von einer ausgeglichenen Serie aus. 

Der Davoser Sven Jung trifft mit den Bündnern auf den SCB. Der 26-Jährige geht von einer ausgeglichenen Serie aus.

freshfocus

Darum gehts

  • Biel musste als letztes Team den Gang in das Pre-Playoff auf sich nehmen.

  • Dort treffen die Seeländer auf Rapperswil.

  • Im anderen Vergleich duellieren sich Davos und Bern.

  • Alle Teams sind vor Pre-Playoff-Beginn äusserst motiviert.

Der SC Bern bereitete sich in Quarantäne auf das Pre-Playoff vor. Biel wurde nach einem 1:3 in Zug am letzten Spieltag vom direkten Playoff-Platz noch verdrängt. Es waren spezielle Wochen, die zum Ende der Regular Season führten.

Am Mittwoch beginnt das Pre-Playoff mit den Best-of-3-Serien Biel gegen Rapperswil und Davos gegen Bern. Das Team, das zuerst zwei Siege auf dem Konto hat, darf am Playoff teilnehmen, das am Dienstag, 13. April, startet. Wir haben den Puls der vier involvierten Mannschaften gefühlt.

EHC Biel: Nach Sensationssieg folgte bittere Pille

Was war das für ein Endspurt für die Bieler?! Am zweitletzten Spieltag in Genf gegen den direkten Konkurrenten Servette lagen die Seeländer bis zur 57. Minute 0:1 zurück, dann schossen sie fünf Treffer in 2,5 Minuten. Vor dem letzten Spieltag am Ostermontag lag der EHC dadurch über dem Strich, Servette darunter. Doch die Niederlage in Zug schickte die Bieler ins Pre-Playoff, da Servette gegen Lugano gewann – eine bittere Pille. Das sieht Stürmer Damien Brunner nicht so drastisch: «Kurz nach dem Spiel in der Garderobe gingen die Emotionen hoch.» Aber eine Stunde später habe man sich mit der Situation abgefunden und schaue voraus. Der 35-jährige Routinier sagt am Tag danach: «Nun ist das bereits weit weg, dafür, dass erst gerade gestern Abend war.»

Jetzt spielt der EHC gegen den vermeintlich schwächsten Gegner im Pre-Playoff, die Rapperswil-Jona Lakers. Brunner aber warnt: «Es kommt ein guter Gegner, sie sind gut eingestellt, hartnäckig. Wir müssen bereit sein.» Speziell aufpassen müssen die Bieler auf Roman Cervenka. Ex-NHL-Söldner Brunner – er spielte für die Detroit Red Wings und die New Jersey Devils – hat nur lobende Worte für den Tschechen übrig: «Er ist einer der besten Spieler der Liga – im Powerplay wohl sogar der beste. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viele Strafen kassieren und müssen ihn neutralisieren.»

Dass Biel nun nicht vor dem Playoff-Start pausieren kann, sondern weiterspielt, hat weder Vor- noch Nachteile. Brunner hat im Playoff beides erlebt: «Ob man eine längere Pause machen darf oder den Spielrhythmus beibehält, das spielt keine Rolle, das wird überbewertet.»

HC Davos: Die zweitbeste Offensive der Liga

Vorne hui, hinten pfui – so könnte man die Tore-Bilanz der Bündner lapidar zusammenfassen. Der HCD hat hinter Quali-Sieger EV Zug (197 Tore) am zweitmeisten Treffer (174) erzielt. Die Davoser kassierten aber auch die drittmeisten Gegentreffer (177) – nur die Defensive der SCL Tigers (198) und der Lakers (180) war noch löchriger. «Wir müssen im Pre-Playoff viel disziplinierter werden, damit wir nicht ständig in Konter hineinlaufen», sagt HCD-Verteidiger Sven Jung, dem die offensive Power und die defensive Nachlässigkeit bewusst sind.

Für den 26-Jährigen, der seit 2013 beim HC Davos unter Vertrag steht, ist das Duell gegen den SCB eines auf Augenhöhe. Jung geht von einer ausgeglichenen Serie aus. «Bern hat ein gutes Team mit viel Erfahrung. Wenn es darauf ankommt, sind sie stark, weil sie eben diese viele Erfahrung mitbringen», ist er überzeugt. Jung weiss, dass der SCB wegen vieler Quarantäne-Situationen – es waren insgesamt fünf! – in keinen Rhythmus gekommen ist. «Aber sie haben viele Spieler, ältere Spieler wie Moser oder Scherwey. Wenn diese in einen Flow kommen, macht es sie gefährlich – gefährlicher als noch anfangs Saison.»

SC Bern: Das Ruder noch herumgerissen

Es war lange Zeit eine Saison zum Vergessen. Viel Spott und Hohn mussten die Berner über sich ergehen lassen. Doch sie bäumten sich auf, kämpften sich zurück und schafften letztlich den Sprung ins Pre-Playoff. «Wir haben harte Phasen durchgemacht, waren auch Letzter, der Druck war gross, auch von den Medien. Aber wenn man das durchsteht, hilft einem das», schaut SCB-Routinier Simon Moser zurück.

Die Mutzen mussten ganze fünfmal in Quarantäne – zuletzt vergangene Woche. So bekam der SCB vor dem Duell gegen Davos noch einmal eine Pause. War das nun ein Vorteil oder etwa ein Nachteil? «Das wird sich zeigen am Mittwoch. Mich hätte es nicht gestört, wenn wir im Zwei-Tages-Rhythmus hätten weiterfahren können», sagt Moser, der seit 2014 für die Stadtberner aufs Eis läuft. Der 32-Jährige empfand die letzte Quarantäne als mühsam, es sei ein Schock gewesen. «Es gab aber schnell Licht am Ende des Tunnels: Die, die als immun galten, durften wieder raus. Ich war nur zwei Tage in Quarantäne.» Neun Spieler trainierten also wieder auf dem Eis: «Das ist zwar nicht dasselbe, aber immerhin.»

Moser ist vor dem Duell mit dem HCD selber gespannt, wie die Playoff-Spiele ohne Zuschauer sein werden. «Ich habe das Gefühl, die Spiele in der Regular Season wurden nicht mit derselben Intensität geführt wie noch mit Fans. Ob sich das im Pre-Playoff ändern wird, wird sich zeigen.»

SC Rapperswil-Jona Lakers: Immerhin nicht Letzter

Vor der Saison meinten es die meisten Eishockey-Experten gut mit den Lakers. Die Ostschweizer seien konkurrenzfähig geworden, hiess es. Trotzdem traute kaum einer Rappi einen Exploit zu. Die Lakers wurden in den Saison-Prognosen oft auf die Plätze neun, zehn oder elf gesetzt. Darum ist der zehnte Schlussrang nun keine Überraschung. Die Lakers müssen mit dieser Platzierung zufrieden sein, denn der Vorsprung auf Ambri, das letzte Team, das das Pre-Playoff verpasste, ist nur gering. Immerhin wurden die St. Galler in ihrer dritten Saison seit dem Wiederaufstieg nicht Letzter wie nach den vergangenen beiden Spielzeiten. «Wir haben mit dem Pre-Playoff unser Minimalziel erreicht», sagt Lakers-Verteidiger Dominik Egli.

Der 22-jährige Ostschweizer sieht in Biel einen Gegner, der eine schwierige Phase hinter sich hat. «Sie sind in den letzten zwei Spielen jedoch stark aufgetreten. Es wird eine spannende Serie. Unsere Spiele gegen sie waren immer knapp. Wir hoffen auf ein besseres Ende für uns», sagt Egli. Der Frauenfelder weiss, dass sich sein Team in der Saison defensiv stetig verbessert hat. Sie hätten sich mit der Umstellung des Systems besser gefunden, seien aber noch nicht nicht dort, wo sie hinwollten. Konkret auf die Serie gegen die Bieler angesprochen, sagt Egli: «In der Offensive müssen wir unsere Chancen nutzen, es wird wohl nicht viele geben. Box- und Powerplay werden eine tragende Rolle spielen.»

Für den 22-Jährigen geht es im Pre-Playoff und im möglichen Playoff auch um seine Karriere bei den Lakers – sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Diese Situation ist für ihn jedoch nicht doppelt belastend: «Ich probiere, alles zu geben fürs Team, bis zur letzten Sekunde. Ich möchte so weit kommen, wie es geht. Dann sehen wir weiter.»

Deine Meinung

9 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Herr. Bünli Live der echtere

07.04.2021, 08:08

Bier sollte das schon lange machen da.

kabuk

07.04.2021, 07:52

Für Biel wird es schwierig!

Der Inhalt darf nicht leer sein

07.04.2021, 07:24

Und was sagt Hazel Brugger dazu?