Aktualisiert 27.09.2018 16:17

Anwohner klagen

«Biel ist eine Schande, was den Abfall betrifft»

Anwohner beklagen sich über illegal entsorgten Kehricht auf Biels Strassen. Die Stadt relativiert: Eine Häufung finde nur an bestimmten Hot-Spots statt.

von
bho
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«Biel ist eine Schande, was den Abfall betrifft», erklärt eine Anwohnerin. Die Frau habe sich bereits mehrmals bei entsprechenden Hausverwaltungungen gemeldet und Abfallsünder fotografiert. «Leider dauert es zwei Jahre, bis diese endlich reagieren.»

«Biel ist eine Schande, was den Abfall betrifft», erklärt eine Anwohnerin. Die Frau habe sich bereits mehrmals bei entsprechenden Hausverwaltungungen gemeldet und Abfallsünder fotografiert. «Leider dauert es zwei Jahre, bis diese endlich reagieren.»

ZVG
Die Bilder der Anwohnerin zeigen die unterschiedlichsten Fälle von falscher Abfallentsorgung: Hier wurde beispielsweise ein Bettgestell entsorgt.

Die Bilder der Anwohnerin zeigen die unterschiedlichsten Fälle von falscher Abfallentsorgung: Hier wurde beispielsweise ein Bettgestell entsorgt.

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Oder hier eine Couch.

Oder hier eine Couch.

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Am Mittwoch hatte 20 Minuten berichtet, dass ein 33-jähriger Bieler Abfallsünder zwei Tage ins Gefängnis muss. Weil er keine Vignette auf den Müllsack klebte und diesen am falschen Tag rausstellte, büsste ihn die Stadt mit 150 Franken. Weil er sich jedoch weigerte, die Strafe zu bezahlen, muss er nun eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen absitzen.

Im Internet kommentierten zahlreiche User die Geschichte. Eine Anwohnerin meldete sich per E-Mail bei 20 Minuten und liess ihrem Ärger freien Lauf: «Biel ist eine Schande, was den Abfall betrifft.» Die Frau habe sich bereits mehrmals bei entsprechenden Hausverwaltungungen gemeldet und Abfallsünder fotografiert. «Leider dauert es zwei Jahre, bis diese endlich reagieren.»

Mobiliar eines der Hauptprobleme

Die Bilder der Anwohnerin zeigen die unterschiedlichsten Fälle von falscher Abfallentsorgung: Ein Staubsauger im normalen Abfall, Bettgestelle und Tische auf dem Trottoir, eine Tragtasche mit PET-Flaschen auf dem Rasen, ein riesiges Kinderspielzeug neben der Strasse und Karton über die Strasse verteilt. Die Frau erklärt, dass die Bilder zum Teil vor wenigen Wochen aufgenommen worden seien und das Problem hochaktuell sei. «Aufgenommen wurden die Bilder meist an den gleichen Stellen, an sogenannten Hot-Spots.» Hat Biel ein Abfallproblem?

Nein, sagt Strasseninspektor Silvan Kocher. Illegale Abfallentsorgung komme in Biel zwar vor – gehäuft allerdings nur an manchen Stellen. Die Abfallproblematik finde man aber an vielen Orten der Schweiz: «Diese Häufung von falscher Abfallentsorgung ist nicht nur in der Stadt Biel ein Problem.»

Eine Zunahme an Abfall finde vor allem beim Mobiliar statt: «Heutzutage sind solche Gegenstände viel billiger. Die Leute kaufen sich schneller etwas Neues und alte Dinge wie etwa eine Couch landen ohne Vignette auf der Strasse.» Die Problematik bei Möbeln sei zudem, dass die Verursacher der Entsorgung nur schwer zu ermitteln seien und die Gegenstände meist als herrenlose Abfälle entsorgt werden müssten.

Abfallsünder bekommen eine zweite Chance

Generell befinde sich die Kehrichtabfuhr der Stadt Biel in einem Zielkonflikt, so Kocher: «Für eine saubere Stadt müsste sie jeweils allen Abfall entsorgen, auch den illegalen. Das wiederum wäre aber ungerecht gegenüber anderen, die ihren Müll richtig entsorgen.» Den Abfallsündern möchte man aber eine Chance geben: «Indem wir zuerst einen gelben Kleber als Mahnung draufkleben, geben wir ihnen die Möglichkeit zu handeln.»

Illegale Abfallentsorgung nahm nicht zu

Auf Anfrage von 20 Minuten äussern sich auch die Städte Bern und Thun zur Problematik der illegalen Müllentsorgung. Walter Matter von Entsorgung + Recycling erklärt, dass auch die Stadt Bern das Problem kenne. «Der Einzelfall ist auch für uns ärgerlich, aber im Gesamten ist die Situation mit den Vorjahren vergleichbar.»

Auch in der Stadt Thun teilt man mit, dass die Abfallentsorgung insgesamt gut verlaufe. «Bei uns herrscht eine hohe Disziplin im Umgang mit dem Anbringen von Sperrgutmarken», erklärt Abfallberaterin Rachel Neuenschwander. Auch in Thun hätten die Fälle von illegaler Abfallentsorgung nicht zugenommen.

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