Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen : Bieler Synagoge rüstet auf – auch wegen Halle

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Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen Bieler Synagoge rüstet auf – auch wegen Halle

Die jüdische Gemeinde Biel erhöht die Sicherheitsvorkehrungen in ihrer Synagoge. Zu diesem Entscheid trug nicht zuletzt der Anschlag in Halle (D) bei.

von
sul
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Die jüdische Gemeinde Biel will die Sicherheit ihrer Synagoge verbessern.

Die jüdische Gemeinde Biel will die Sicherheit ihrer Synagoge verbessern.

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Welche baulichen Massnahmen konkret ergriffen werden, will die Gemeinde nicht verraten.

Welche baulichen Massnahmen konkret ergriffen werden, will die Gemeinde nicht verraten.

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Haim Madjar (84) vom Vorstand lässt zumindest durchblicken, welcher Gebäudeteil mitunter wohl sicherer gemacht wird: «Beim letztjährigen Anschlag in Halle spielte die Eingangstür eine sehr grosse Rolle.»

Haim Madjar (84) vom Vorstand lässt zumindest durchblicken, welcher Gebäudeteil mitunter wohl sicherer gemacht wird: «Beim letztjährigen Anschlag in Halle spielte die Eingangstür eine sehr grosse Rolle.»

epa/Filip Singer

In der Bieler Synagoge wird aufgerüstet: Mit baulichen Vorkehrungen für insgesamt 80'000 Franken soll die Sicherheit der Besucher erhöht werden. Maximal die Hälfte der Kosten übernehmen Bund und Kanton, die Stadt steuert 4000 Franken bei, den Rest übernimmt die jüdische Gemeinde Biel.

«Wir wollen keinen Bunker»

Ob Poller, Panzerglas oder Überwachungskameras installiert werden, verrät die jüdische Gemeinde nicht – man will möglichen Attentätern nicht unnötig in die Hände spielen. Haim Madjar (84) vom Vorstand lässt zumindest durchblicken, welcher Gebäudeteil mitunter wohl sicherer gemacht wird: «Beim letztjährigen Anschlag in Halle spielte die Eingangstür eine sehr grosse Rolle.» Diese verhinderte, dass der Attentäter in das jüdische Gotteshaus eindringen konnte, und rettete damit wohl dutzenden Menschen das Leben.

Überhaupt hatten die jüngsten rechtsextremistischen Anschläge in Pittsburgh, Christchurch, Poway und Halle keinen geringen Anteil am Entscheid der jüdischen Gemeinde, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. «Man hört, was alles passiert und wie man gewisse Dinge vermeiden kann», sagt Madjar, der in Bulgarien geboren wurde und 1961 über Israel in die Schweiz kam. Man sehe sich daher veranlasst, auch die eigenen Leute besser zu schützen. Allerdings sollten sich die Vorkehrungen in einem gesunden Rahmen bewegen: «Wir wollen aus der Synagoge keinen Bunker machen.»

«Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste»

Insgesamt 523 antisemitische Vorfälle registrierte der jährliche Antisemitismusbericht für das Jahr 2019 in der Deutschschweiz, die meisten davon im Online-Bereich (485). Tätlichkeiten an Juden oder Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen wurden im Berichtsjahr keine gemeldet. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund spricht von einer «stabilen Entwicklung der Zahl physischer und verbaler antisemitischer Vorfälle».

In Biel, sagt Madjar, gebe es glücklicherweise kaum Vorfälle. Von Schmierereien oder sonstigen Vandalenakten sei die Synagoge in der Vergangenheit verschont geblieben. Das habe nicht zuletzt mit der Unsichtbarkeit der Religion zu tun, glaubt der gelernte Elektro-Ingenieur: «Wir sind keine orthodoxe Gemeinde, man sieht in Biel keine Kippas oder schwarzen Kleider auf der Strasse.» Dennoch hält er die erhöhten Sicherheitsmassnahmen nicht für verkehrt. Man könne schliesslich nicht wissen, was in der Zukunft passiere. Madjar: «Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.»

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