Neue Nische: Bienen mieten: Das Geschäft brummt
Aktualisiert

Neue NischeBienen mieten: Das Geschäft brummt

Weil es immer weniger Imker und Bienen gibt, können diese nun gemietet werden. Die Nachfrage ist riesig und übersteigt jetzt erstmals das Angebot.

von
Felix Burch

In der Schweiz können seit neuestem Bienen gemietet werden. Was sich im ersten Moment wie ein Scherz anhört, ist für einige Imker bereits ein lukratives Geschäft.

Berufsimker Jakob Künzle von der carnicaimkerei.ch aus Oberhelfenschwil ist diesen Frühling bereits ausgebucht. «Die Nachfrage ist riesig, wir können nicht alle Anfragen berücksichtigen», sagt Künzle. Der grösste Bienen-Vermieter weit und breit stieg vor knapp zwei Jahren ins Geschäft ein, das wie geschmiert läuft.

Die Obstbauern sind die Kunden

Die Gründe für den Erfolg von Künzle sind relativ einfach: Auch in der Schweiz gibt es immer weniger Bienen. Zum einen, weil die Insekten an seltsamen Krankheiten zu Grunde gehen (diesen Winter dürften nach ersten Schätzungen wieder um die 30 Prozent der Völker eingegangen sein). Zum anderen, weil immer mehr Imker altershalber aufhören und der Nachwuchs fehlt. Dadurch nimmt die Bienendichte ab und die Blütenbestäubung ist laut verschiedenen Imkern nicht mehr überall gewährleistet. Dies macht vor allem den Obstbauern zu schaffen. Sie sind dann auch die Kunden der Bienen-Vermieter.

80 bis 150 Franken pro Einsatz

Und die Obstbauern, darunter viele Bio-Obstbauern, machen regen Gebrauch vom Bestäubungsservice. Die knapp 300 Bienenvölker von Jakob Künzle sind ab dem 19. April alle bei Obst- und Beerenbauern für knapp zwei Monate im Einsatz. Die Imker fahren mit ihren mit Bienen gefüllten Magazinen zum gewünschten Standort des Bauern und öffnen dort die Fluglöcher. «Die Bienen können sich sehr rasch an einem neuen Ort orientieren, der Wechsel ist kein Problem», sagt Künzle. Die Arbeit der Insekten dauert rund 14 Tage. Während dieser Zeit versorgt der Imker das Volk. Ist der Auftrag abgeschlossen, werden die Fluglöcher der Magazine nach dem Eindunkeln verschlossen und wieder nach Hause gebracht. Für die Dienstleistung verrechnet Künzle 80 bis 150 Franken pro Auftrag. Das entspricht einem branchenüblichen Preis. Auch Silvio Hitz von der Imkerhof Imkerei GmbH verlangt so viel und auch er ist dieses Jahr bereits ausgebucht.

In den USA sind Massenbestäubungen an der Tagesordnung

Im Ausland ist die Vermietung von Bienen schon seit längerem ein grosses Geschäft. In Süddeutschland kostet der Bestäubungsservice um 450 Franken pro Auftrag. In den USA gibt es kommerzielle Bienen-Vermieter, die ganze Monokulturen, etwa von Melonen, bestäuben. Dies ist laut Experten allerdings Massentierhaltung und habe nichts mit Imkerei zu tun. Dazu wird es in der Schweiz aber nicht kommen. Bei uns herrscht trotz des Bienensterbens immer noch eine der besten Bienendichten der Welt.

Hummel-Box für private Bestäubung

Nebst der Bienenvermietung für die Obstbauern gibt es eine Hummelbox für den Heimgebrauch. Bei der Firma Andermatt Biocontrol AG kann ein so genannter Triple-Kasten online bestellt werden. Dieser enthält drei Hummel-Völker und ist wasserdicht. Laut der Firma helfen die Hummeln in Gewächshäusern, Tunnels und auch im Freien Gemüse und Früchte zu bestäuben.

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