Aktualisiert 22.04.2014 09:34

Cupsieger-SauseBier, Balkon und eine «Kack-Karriere»

Auch feiern muss gelernt sein. Dem FCZ geht auf der Rückfahrt aus Bern das Bier aus. Die Anzüge bleiben im Schrank und Präsident Canepa hat schon einen neuen Auftrag.

von
Eva Tedesco

Der FC Zürich feiert den ersten Cupsieg seit neun Jahren mit seinen Fans auf dem Helvetiaplatz. (Video: 20 Minuten)

«Holemer de Siech!», haben die FCZ-Fans vor dem Cupfinal gegen den FC Basel gefordert. Um 20.45 Uhr war es dann so weit: Captain Philippe Koch stemmte den Kübel auf dem Balkon des Volkshauses in den Zürcher Nachthimmel und präsentierte den «Siech» mehreren Tausend Fans am Helvetiaplatz.

«Fantastisch». «Mega». «Super». Die Zürcher Cuphelden genossen den Jubel oberhalb der Menge und wurden nicht müde, sämtliche Superlative zu bemühen, die ihnen einfielen. Aber auch feiern muss gelernt sein: Eigentlich wollten sich die FCZ-Spieler im Klubanzug auf dem Balkon zeigen. Der dafür eingeplante Zwischenhalt in der Brunau auf der Fahrt von Bern nach Zürich fiel aber einem anderen Boxenstopp zum Opfer.

Kein Alkohol auf Autobahnen

Auf dem Rückweg ist den Zürchern nämlich das Bier ausgegangen. Da an Schweizer Autobahnen aber kein Alkohol verkauft wird, musste der Chauffeur von der Autobahn runter. An einer Tankstelle im Kanton Aargau gab es Nachschub. Um den Zeitplan nicht noch mehr zu strapazieren, verzichteten die Zürcher auf den Kleiderwechsel und traten im Trainingsanzug auf dem Balkon auf. Den Fans war dies egal: Sie feierten ihre Helden dermassen heftig, indem sie unzählige Pyros und Petarden zündeten, dass man die Spieler hoch über dem Helvetiaplatz sowieso kaum ausmachen konnte.

«Es war mein Bubentraum einmal auf dem Balkon zu stehen», sagte David Da Costa. Nur mit Mühe konnte der FCZ-Goalie die Tränen zurückhalten: «All die harte Arbeit, ich musste durch die halbe Schweiz tingeln – ich kann es kaum fassen.» Sehr gut drauf war auch Davide Chiumiento. Vergessen war der Ärger darüber, dass sein Schuss in der 82. Minute lediglich an die Latte geknallt war. «Was für eine Kack-Karriere – 29 Jahre für einen Pokal», sagte der Mittelfeldspieler und kriegt sich fast nicht ein vor Lachen. Von einer «Uuslumpete» in der Meisterschaft wollte Chiumiento aber nichts wissen: «Jetzt wollen wir noch Dritter in der Tabelle werden.»

Reden sind Chefsache

Präsident Ancillo Canepa sah sich das Treiben gelassen aus dem Hintergrund an. Seinen Auftritt hatte der Präsident im Ristorante da Cono, wohin sich der FCZ später mit seinen Supportern zum Nachtessen zurückgezogen hatte. «Ich habe am Ostersonntag zu den Spielern gesagt, dass sie sich vorstellen sollen, wie das wäre: Pokal, Balkon und der Helvetiaplatz – und gopfertelli – genau so ist es gekommen», sagte der FCZ-Boss in seiner Rede vor rund 220 Personen.

«Es ist jetzt ziemlich genau neun Jahre her, als der FCZ nach einer Durststrecke von zwanzig Jahren ohne Titel den Cup geholt hat und anschliessend 2006, 2007 und 2009 Meister geworden ist. Mit dem Cupsieg 2014 fangen wir an und 2015, 2016 und 2017 kann es so weitergehen.»

Ein Ehrengast mit blau-weissem Herz

Es war fast 23 Uhr als Canepa das Buffet eröffnete. Prosciutto, Melanzane, Peperoni und Meeresfrüchte, danach Tris di Pasta und Süsses zum Schluss – wobei sich der FCZ mit dem achten Cupsieg in der Klubgeschichte den Tag selbst schon versüsst hat. Glücklich lächelnd sass einer der treusten FCZler mit dem grössten aller blau-weissen Herzen an seinem Tisch und genoss still die Freude.

Köbi Kuhn kennt das Gefühl der Sieger, hat aber auch ein Herz für die Verlierer. «Für Murat Yakin ist es sicher hart, dreimal in Folge mit leeren Händen dazustehen. Das tut weh», sagte der ehemalige Nati-Trainer. «Aber der FCZ ist eine Herzensangelegenheit und ich freue mich sehr – auch für Urs Meier, der es in dieser Saison nicht immer einfach hatte –, dass der Cup in Zürich gelandet ist.»

Aber das war ja der Auftrag: «Holemer de Siech!»

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