Aktualisiert 22.07.2019 10:28

Basler Kult-Wirt hört auf«Bier hat mich eigentlich gar nicht interessiert»

6000 Exponate rund ums Bier umfasst die Sammlung des Basler Wirts Mario Nanni. Weil er sich in den Ruhestand verabschiedet, drohte die Kollektion zu verschwinden.

von
lha
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Die Bierkarte füllt einen Bundesordner: Mario Nannis «Bierhuus zem Pinguin» schliesst Ende August. Der 69-Jährige geht in den Ruhestand.

Die Bierkarte füllt einen Bundesordner: Mario Nannis «Bierhuus zem Pinguin» schliesst Ende August. Der 69-Jährige geht in den Ruhestand.

20 Minuten/rwe
Seit 1980 pflegte Nanni in seinem Lokal die gehoben Bierkultur mit Spezialität aus aller Welt. Dazu kam eine beeindruckende Sammlung von Bier-Devotionalien, die über die Jahre stetig wuchs.

Seit 1980 pflegte Nanni in seinem Lokal die gehoben Bierkultur mit Spezialität aus aller Welt. Dazu kam eine beeindruckende Sammlung von Bier-Devotionalien, die über die Jahre stetig wuchs.

20 Minuten/rwe
Über 6000 Exponate umfasst sie. Die meisten Bierhumpen fanden den Weg von allein in Nannis Beiz. Gäste brachten sie von Reisen mit oder reisten gar extra an, um ihm ein besonderes Stück zu überbringen.

Über 6000 Exponate umfasst sie. Die meisten Bierhumpen fanden den Weg von allein in Nannis Beiz. Gäste brachten sie von Reisen mit oder reisten gar extra an, um ihm ein besonderes Stück zu überbringen.

20 Minuten/rwe

Seine Sammlung ist Mario Nanni sprichwörtlich über den Kopf gewachsen. Sogar an der Decken hängen in der etwas versteckten Bierstube zum Pinguin die Bierkrüge aus aller Welt. «Sein Lokal ist für jeden Bierliebhaber ein Muss», schrieb ein Besucher auf Tripadvisor. Hunderte Flaschenbiere aus aller Welt hat er im Sortiment und jedes wird im dazu passenden Glas serviert. «Die Auswahl ist absoluter Wahnsinn», schreib der gleiche Gast.

Ende August schliesst die vermutlich einzige Bierstube ohne Offenausschank für immer. Nanni verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit ihm droht auch seine beeindruckende Sammlung von Bier-Utensilien zu verschwinden. Etwa 6000 Krüge, Fässer, Spiegel, Pins und andere Bier-Devotionalien umfasst sie.

Sammlung wurde zum Selbstläufer

«Eigentlich hat mich Bier gar nicht interessiert», sagt Nanni. Der 69-Jährige ist bis heute kein Bierliebhaber und meidet bittere Sorten. Trotzdem setzte er 1980 voll auf die Karte Bier, als er im Pinguin zu wirten begann. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Über Jahrzehnte hatte er damit ein Alleinstellungsmerkmal, das ihm Bekanntheit bis über die Landesgrenzen hinaus brachte. Für seine Verdienste als Bier-Botschafter hat Nanni 2007 den Ehrenorden des schweizerischen Brauereiverbands erhalten.

Dabei fand Nanni eher zufällig zum Bier, als er eine leere Vitrine mit ein paar Bierkrügen bestückte. «Meine Gäste haben dann angefangen, weitere Gläser und Biergegenstände zu bringen.» Die Sammlung hat sich gewissermassen verselbständigt. Kaufen musste Nanni nur das wenigste.

Gäste brachten ihm passende Souvenirs von Reisen mit. So bekam er zum Beispiel auch immer wieder Gegenstände mit einem Pinguin-Motiv drauf. Andere reisten sogar extra zu ihm, um ihm ein Sammlerstück zu überbringen. So auch der Chef der mongolischen Brauerei Chinggis, der ihm persönlich einen gewidmeten Porzellankrug überreichte, worauf Nanni besonders stolz ist.

Reif fürs Museum

Nanni, der sich auch als Beizen-Historiker verdient machte, träumte jahrelang davon, aus seiner Sammlung ein Museum zu machen. Daraus wurde aber nichts. Jetzt könnte sein Wunsch unverhofft Wirklichkeit werden. Der frisch gegründete Verein Bier Kabinett Basel möchte die Sammlung übernehmen. «Wir suchen nun Mitglieder, Gönner und Sponsoren und vor allem eine geeignete Lokalität in Basel», erklärt Präsident Michel Wiederkehr.

Im Kabinett sollen dereinst themenbezogene Ausstellungen, Führungen, Degustationen, Vorträge oder andere bier-kulturelle Aktivitäten stattfinden.

Der Verein wurde quasi in letzter Minute gegründet. Hätte sich niemand gefunden, der die Sammlung übernimmt, wäre sie in ein Archiv nach Vevey verschwunden. Die künftigen Pächter des Pinguin hatten nämlich kein Interesse daran: sie machen aus dem Lokal eine Fasnachtsbeiz.

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