FCB auf Schalke: Bier-Pipeline, Kapelle und rollender Rollrasen
Aktualisiert

FCB auf SchalkeBier-Pipeline, Kapelle und rollender Rollrasen

Schalkes Veltins-Arena in Gelsenkirchen ist eine der modernsten Spielstätten der Welt. Der FCB ist nach 2004 zum zweiten Mal im Prachtsstadion.

von
Eva Tedesco
Gelsenkirchen

Für ehemalige Bundesliga-Spieler wie Marco Streller, der mit Stuttgart etliche Spiele in der fantastischen Spielstätte in Gelsenkirchen ausgetragen hat, aber auch für die Degen-Zwillinge oder Matías Delgado, der beim 1:1 auf Schalke am 21. Oktober 2004 sogar schon ein Tor erzielt hat, ist ein Auftritt in der Veltins-Arena etwas Vertrautes. Die meisten FCB-Spieler und auch FCB-Anhänger, die nach Gelsenkirchen gereist sind, werden die multifunktionale Arena jedoch erstmals bestaunen können. Sie ist einen Besuch wert.

Die Arena, die im August 2001 das alte Parkstadion abgelöst hat, ist ein technisches Wunderwerk. «So ein Stadion hat die Welt noch nicht gesehen», schwärmte Fifa-Boss Sepp Blatter 2001 bei der Eröffnung. Hightech von Weltrang mit ausfahrbarem Rasen, schliessbarem Dach und Bier-Pipeline. Denn auf Schalke werden keine Bierfässer mehr geschleppt. Ein Leitungssystem pumpt den Gerstensaft zu allen Zapfhähnen an den Catering-Ständen im ganzen Stadion.

Aus 52 Tanks à 1000 Liter fliesst das Bier durch eine 10 Kilometer lange Pipeline direkt zum Ausschank. Kurios: Während der Spiele läuft der Verkauf am besten. Die Erklärung dafür: Im Rundlauf sind überall Monitore installiert, auf denen der durstige Fan keine Sekunde des Spiels verpasst. Die Bezahlung im Stadion basiert auf einer Chiptechnologie. Die «Knappenkarte», denjenigen in St. Gallen und in der Allianz Area in München ähnlich, ist das einzige Zahlungsmittel im Stadion. Bargeld wird nicht akzeptiert.

Rollrasen und Bibel

Der ganze Stolz der Schalker ist aber der ausfahrbare Rasen. Wie ein Teppich liegt er an spielfreien Tagen vor dem Stadion, um sich von den Stollen der Fussballschuhe, die ihn malträtieren, zu erholen. Vier Kompressoren schieben auf geölten Gleitbahnen eine Betonwanne mit dem Rasen in jeweils 1,5-Meter-Schritten vorwärts ins Stadion. Bis die 11'000 Tonnen schwere Konstruktion die 200 Meter in die Arena zurückgelegt hat, dauert es rund zehn Stunden. Ganz wichtig ist, dass die Gleitbahnen ganz sauber sind. Der kleinste Krümel kann die Fortbewegung gefährden.

Wer will, kann sich auch gleich in der Nähe der Spieler-Kabinen in der hauseigenen Kapelle trauen lassen. Der FC Schalke 04 ist einer der wenigen Fussballklubs, der über einen eigenen Gottesdienstraum verfügt – auch wenn betont wird, dass Fussball keine Religion ist und die Kapelle als Kontrastraum gedacht ist. Ausgebucht ist das Kirchlein vor allem jedes Jahr im Mai – am Gründungstag von Schalke 04. Zur Einweihung 2001 hat sogar Papst Johannes Paul II seinen Segen übermittelt. Der damalige Pontifex war Schalke-Ehrenmitglied.

David und Goliath

Die Zeichnungen an den Wänden im Eingangsbereich haben den «Zweikampf» zum Thema. Biblische Duelle zwischen Kain und Abel, Jakob und Gott und David und Goliath. Ganz so extrem wie der ungleiche Kampf zwischen David und Goliath wird das Aufeinandertreffen zwischen Schalke und dem FCB am Mittwoch nicht mehr sein, zumal Rotblau international aufgeholt und zuletzt mehrmals von sich reden gemacht hat.

Zum Beispiel in der aktuellen Gruppenphase mit zwei Siegen gegen den englischen Topklub Chelsea. Dennoch geht der Schweizer Meister nicht als Favorit in das Spiel gegen Schalke. «Etwas anderes lasse ich mir nicht einreden», sagt Fabian Frei vehement. Warum nicht? Ganz einfach: Immer wenn der FCB als Aussenseiter in ein internationales Duell stieg, schaute am Ende ein positives Resultat heraus.

Ein Remis reicht auf Schalke

Dem FCB reicht am Mittwoch ein Remis. «Schalke muss kommen. Sie müssen gewinnen und etwas riskieren», sagt FCB-Trainer Murat Yakin. «Ich denke, dass sie sich zu Hause auch nicht verstecken wollen, aber wir sind mit dem nötigen Selbstvertrauen hierhergekommen und versuchen, ein Mittel gegen Schalke zu finden.»

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