Prosit Bayern!: Bier und Schnaps – nur noch für Autofahrer
Aktualisiert

Prosit Bayern!Bier und Schnaps – nur noch für Autofahrer

Bayern meints ernst: Nach 20 Uhr dürfen Tankstellen Alkohol und andere Genussmittel nur noch an Motorisierte verkaufen. Fussgänger und Velofahrer müssen trocken bleiben.

von
phi

Die Tankstelle war bisher der Joker derjenigen Deutschen, die wenig weit vorausplanen: Wenn bei der samstäglichen Party der Bierfluss schon um 22 Uhr versiegte, floss an der Tanke nicht nur Benzin aus der Zapfsäule sondern auch Gerstensaft über die Theke. Doch diese Zeiten sind nun für Fussgänger oder Velofahrer zumindest in Bayern vorbei: Alkohol darf dort nur noch an Auto- und Motorradfahrer abgegeben werden.

Der Grund: Seit Juni diesen Jahres dürfen die 2400 Tankstellen des Freistaates «kleinere Mengen an Lebens- und Genussmitteln» nach 20 Uhr nur noch an Reisende verkaufen, berichtet die «Süddeutsche Zeitung». Und zu denen zählen Fussgänger und Velofahrer eben nicht. Sie bekommen weder Bier, noch Cola, noch Zigaretten. «Die Leute sind sehr verärgert», sagte ein Pächter dem Blatt.

Nur noch vier Dosen Bier, eine Flasche Wein oder ein Flachmann

Eigentlich gelten diese Vorschriften schon seit 1996, doch erst im Februar 2011 legte das Bundesverfassungsgericht fest, was unter dem Begriff «kleinere Mengen» zu verstehen ist. Seither greifen die Behörden durch: Es sei den Tankstellen-Betreibern durchaus zuzumuten, ihre Gästen danach zu fragen, ob sie auch wirklich mit Bike oder BMW angereist sind, liess das Sozialministerium die «Süddeutsche» wissen.

Auch die Motoristen können übrigens nicht frank und frei kaufen, was ihnen die Leber diktiert. Unter eine «kleinere Menge» fallen zwei Liter Alkohol mit weniger als acht Prozent, ein Liter Getränke, die zwischen acht und 14 Prozent haben oder ein Zehntel Liter härteren Stoffs. Sprich: Nach 20 Uhr dürfen pro Person nur noch vier Halbliter-Dosen Bier, eine Flasche Wein oder ein «Flachmann» gegen Geld getauscht werden.

Gilt auch für Cola & Co.

Wer nun aber gerne Panaché trinkt und zu seinen vier Bierdosen noch eine Flasche Citro erstehen will, macht an der Kasse eine langes Gesicht. Die Begrenzung auf zwei Liter gilt für alle Getränke bis zu einem Alkoholgehalt von acht Prozent – also auch für Cola und Co. Das einzige Hintertürchen, das der Freistaat seinen Fahrer offen lässt, ist die Definition von «Reisenden». Zu denen gehören nämlich auch Mitfahrer, die das Kontingent erhöhen können. Na dann Prost, Bayern!

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