Oktoberfest-Stimmung: Biergelage – Basler Ratssitzung artet aus
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Oktoberfest-StimmungBiergelage – Basler Ratssitzung artet aus

An der letzten Abendsitzung des Basler Grossen Rats wähnten sich einige Parlamentarier am Oktoberfest. Der Ratspräsident musste einschreiten.

von
lha
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Die Abendsitzung des Grossen Rats vom vergangenen Donnerstag war eine feucht-fröhliche Angelegenheit.

Die Abendsitzung des Grossen Rats vom vergangenen Donnerstag war eine feucht-fröhliche Angelegenheit.

Juri Weiss/bs.ch
Grossratspräsident Joë Thüring musste seine Ratskollegen ermahnen, sich anständig zu benehmen und das Vorzimmer des Parlaments wieder aufzuräumen.

Grossratspräsident Joë Thüring musste seine Ratskollegen ermahnen, sich anständig zu benehmen und das Vorzimmer des Parlaments wieder aufzuräumen.

Juri Weiss/bs.ch
Das Vorzimmer wurde nämlich Schauplatz eines Trinkgelages. Bierbüchsen seien herumgestanden und gelegen, erzählt ein anoymes Ratsmitglied. Auch mit dem Lichtschalter sei Schabernack getrieben worden.

Das Vorzimmer wurde nämlich Schauplatz eines Trinkgelages. Bierbüchsen seien herumgestanden und gelegen, erzählt ein anoymes Ratsmitglied. Auch mit dem Lichtschalter sei Schabernack getrieben worden.

Juri Weiss/bs.ch

Apéros gehören zum Politikerdasein dazu. Beim Cüpli werden gerne auch politische Differenzen überwunden und Links gesellt sich mit Rechts für die Fotografen. Politik und Promille ist ein gängiges Stereotyp. Diesem machte der Basler Grosse Rat am vergangenen Donnerstagabend alle Ehre. Sehr zum Verdruss des Grossratspräsidenten Joël Thüring (SVP) und einiger Ratsmitglieder. Denn im Vorzimmer des Parlaments soll es zu und her gegangen sein wie in einem Festzelt auf der Wiesn.

Zu einer Abstimmung sei die feuchtfröhliche Runde in kollegialer Umarmung in den Ratsaal gekommen, berichtet die «BZ Basel». Ein Grossrat musste mit Bierbüchse in der Hand gar postwendend wieder hinauskomplimentiert werden. Im Vorzimmer sei gegrölt worden und angeheiterte Politiker sollen Schabernack mit dem Lichtschalter getrieben haben. Daran störten sich offenbar einige Ratsmitglieder.

Präsident musste zwei mal intervenieren

Kurz vor 21 Uhr, vor der Abstimmung der Motion Thomas Grossenbacher und Konsorten «betreffend Klärung offener Fragen im Bereich der Führung und Kontrolle der Beteiligungen des Kantons», sah sich Präsident Thüring gezwungen, auf den Tisch zu klopfen: «Meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass auch das Vorzimmer Teil des Parlaments ist. Sie geben damit eine Visitenkarte für dieses hohe Haus ab.» Die Intervention Thürings mit Appell an die Festgemeinschaft, das Vorzimmer auch wieder aufzuräumen, ging selbstredend in das Ratsprotokoll ein.

Grossratssitzung artet in Trinkgelage aus

Die Abendsitzung des Grossen Rats vom 19. Oktober artete in ein Trinkgelage aus. Ratspräsident Joël Thüring sah sich gezwungen einzugreifen. (Video: 20 Minuten)

Es war bereits der zweite Appell des Abends. Die erste Intervention blieb offenbar wirkungslos. «Das Vorzimmer war in keinem vorzeigbaren Zustand. Bierbüchsen standen und lagen herum», wird ein anonymes Ratsmitglied in der «BZ Basel» zitiert. Das Biergelage soll ein Einzelfall bleiben. Die meisten hätten eingesehen, dass es zu viel des Guten war, gab Thüring der Zeitung zu Protokoll.

Keine Flaschen im Rat

Die Eskapade vom Donnerstag ist selbst für altgediente Ratsmitglieder ein Novum. Nachtsitzungen hatten schon früher eine gewisse Eigendynamik, sagt Jörg Vitelli (SP), der schon 1984 bis 1994 im Grossen Rat sass. Insbesondere Bürgerliche seien gut essen gegangen und kamen danach in guter Stimmung zurück ins Rathaus. «Aber mit einer Weinflasche ist niemand einmarschiert.»

Wer die Trinkfreudigen am Donnerstag im Einzelnen waren, ist übrigens nicht öffentlich bekannt. Die Mitwisser hüllen sich in Schweigen. «Es war eine sehr gemischte Truppe», sagt Thüring. Es wurde also über Parteigrenzen hinweg angestossen. Einen konkreten Grund für die gesellige Runde gab es offenbar nicht, wie mehrere Ratsmitglieder gegenüber 20 Minuten erklärten.

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