Wahlen in Lugano: «Bignascas Tod hat die Menschen mobilisiert»
Aktualisiert

Wahlen in Lugano«Bignascas Tod hat die Menschen mobilisiert»

Giuliano Bignasca ist tot, doch seine Lega in Lugano so erfolgreich wie noch nie. Politologe Louis Perron zum Einfluss, den die Lega jetzt im Tessin hat.

von
Désirée Pomper
Laut Politologe Louis Perron (links) hatte der Tod Bignascas (rechts) einen direkten Einfluss auf das Wahlergbnis in Lugano.

Laut Politologe Louis Perron (links) hatte der Tod Bignascas (rechts) einen direkten Einfluss auf das Wahlergbnis in Lugano.

Nach dem Tod des Lega-Gründers Giuliano Bignasca hiess es, die Lega dürfte zersplittern und untergehen. «Bignasca war die Lega, die Lega war Bignasca.» Wie erklären Sie sich den Erfolg der Lega in Lugano?

Louis Perron*: Bei den Wahlen in die Stadtregierung von Lugano handelt es sich um Proporzwahlen, es sind in erster Linie also Parteiwahlen. Der Tod von Guiliano Bignasca hat viele Emotionen ausgelöst und viele Leute dazu motiviert, die Legaliste einzuwerfen, zumal sein Name auch auf der Liste war. Die Lega hat sieben Prozent vorwärts gemacht. Das hat knapp gereicht, um der FDP den Sitz wegzunehmen.

Die FDP kann also nichts für ihre Niederlage?

Der Tod Bignascas hat einen riesigen Mobilisierungsschub ausgelöst und die Wahl auf den Kopf gestellt. Da kann die FDP nichts dafür. Allerdings muss sie sich überlegen, ob sie langfristig die richtige Strategie im Umgang mit der Lega gewählt und sich genügend von der Lega abgegrenzt hat.

Mit einem nachhaltigen Erfolg der Lega dürfte aber nicht zu rechnen sein, oder?

Die Lega wurde schon oft totgesagt und hat immer wieder Wahlerfolge eingefahren. Konkret muss man jetzt schauen, was die drei Gewählten aus ihren Sitzen machen und ob es der Lega gelingt, ein neues Aushängeschild zu finden. Grundsätzlich ist es aber so, dass wer per Zufall an die Macht gelangt, diese auch schnell wieder verliert.

Für viele Deutschschweizer steht die Lega für eine Klamaukpartei und ist schwer zu fassen. Was ist die Lega für eine Partei?

Die Lega di Ticinesi ist eine Protestbewegung – am ehesten vergleichbar mit dem Mouvement Citoyens Genevois. Sie protestiert gegen etablierte Parteien und gegen Ausländer, die in der Schweiz arbeiten, und ist poltrig im Stil und Ton. Bignasca hat zwar viel Klamauk gemacht, aber die Lega ist mittlerweile selber eine institutionalisierte Partei.

Dennoch – in der Stadtregierung von Lugano sitzen jetzt drei Lega-Politiker. Kann das gut gehen?

Das kommt auf die Politiker drauf an. Sie müssen sich entscheiden, ob sie weiterhin Wahlkampf betreiben oder regieren wollen. Sie dürften jetzt wohl selbst von ihrem Erfolg überrascht sein. Man darf diese Wahl aber nicht überschätzen. Eine kommunale Wahl alleine wird den Kanton Tessin nicht verändern.

*Louis Perron ist Politologe und Politberater

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