Velostadt: Bikesharing-Daten können Städte sicherer machen
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VelostadtBikesharing-Daten können Städte sicherer machen

In den USA hilft Limebike Städten, die Veloinfrastruktur zu verbessern. Hierzulande dagegen setzt man bisher auf eigene Erhebungsmethoden.

von
vhu
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Die Heat-Map des Bikesharing-Unternehmens Limebike zeigt, wo ihre Velos unterwegs sind. Strassen in kräftigem Rot sind besonders oft befahren. Je blässer eine Strasse, desto weniger wird sie von Limebike-Kunden genutzt.

Die Heat-Map des Bikesharing-Unternehmens Limebike zeigt, wo ihre Velos unterwegs sind. Strassen in kräftigem Rot sind besonders oft befahren. Je blässer eine Strasse, desto weniger wird sie von Limebike-Kunden genutzt.

LimeBike
Im Unterschied dazu sind die Velozählstellen der Stadt Zürich an fixen Orten platziert und registrieren die Anzahl Velofahrten mittels im Boden eingelassener Induktionsschlaufen. Die Daten werden täglich per Funkverbindung an einen Server geschickt. Diese Daten können Online abgerufen werden.

Im Unterschied dazu sind die Velozählstellen der Stadt Zürich an fixen Orten platziert und registrieren die Anzahl Velofahrten mittels im Boden eingelassener Induktionsschlaufen. Die Daten werden täglich per Funkverbindung an einen Server geschickt. Diese Daten können Online abgerufen werden.

Stadt Zürich
Publibike dagegen kann keine Daten liefern, welche Wege von den Velos der eigenen Flotte besonders oft genutzt werden. Da es ein stationäres System ist, existieren lediglich Angaben über Anfangsstation und Endstation, nicht aber über den zurückgelegten Weg.

Publibike dagegen kann keine Daten liefern, welche Wege von den Velos der eigenen Flotte besonders oft genutzt werden. Da es ein stationäres System ist, existieren lediglich Angaben über Anfangsstation und Endstation, nicht aber über den zurückgelegten Weg.

Publibike.ch/Google

Viele Bikesharing-Unternehmen sammeln mithilfe von Ortungsdiensten Streckendaten. Das kommt nicht bei allen gut an. Das Ganze hat aber auch eine positive Seite: Diese Daten könnten Städte dazu verwenden, um ihre Strassen, deren Sicherheit sowie ihre Infrastruktur zu verbessern.

Ein erfolgreiches Beispiel ist die Stadt South Bend im US-Bundesstaat Indiana. Die Stadtplanung benutzt solche Bikesharing-Daten, um zu erkennen, wo sie bestehende Velowege besser schützen und wo sie neue bauen lassen soll. Im Fall von South Bend stammen die Daten von Limebike, einem Start-up aus dem Silicon Valley.

Mit GPS-Daten zu besserer Infrastruktur und Sicherheit

Seit Dezember 2017 ist Limebike auch in Zürich aktiv. Das Bikesharing-System, das seit Juni 2018 auch Elektro-Trottinetts anbietet, funktioniert ohne fixe Station. Mithilfe einer App können Nutzer sehen, wo sich freie Velos befinden, sie ausleihen und wieder abstellen, wo sie wollen. Möglich macht dies die Standortbestimmung mittels GPS. Aufgezeichnet werden neben den Standorten auch Daten zur zurückgelegten Strecke.

Diese Daten hat Limebike der Stadtplanung der Stadt Zürich im Januar 2018 angeboten, mit dem Ziel, die städtische Fahrradinfrastruktur und Verkehrssicherheit zu erhöhen. «Bislang haben wir aber noch keine Antwort von der Stadt erhalten», sagt Estuardo Escobar, Schweiz-Chef von Limebike.

«Die Bedeutung von räumlichen Daten wird zunehmen»

Bei der Stadt Zürich heisst es, das Angebot von Limebike sei zur Kenntnis genommen, aber nicht vertieft worden. Evelyne Richiger, Leiterin Kommunikation des Tiefbauamts, sagt: «Wie zurzeit auch mit anderen Veloverleih-Anbietern müssen wir mit Limebike konkretisieren, um welche Daten es sich handelt und wie wir diese nutzen könnten.» Zurzeit setze man auf die Daten aus der automatischen Velozählung. Dieses städtische System zählt an 24 fixen Standorten die vorbeifahrenden Velos. So werden an der Langstrasse pro Tag durchschnittlich 8000 Velofahrten aufgezeichnet.

Diese Daten würden dem Controlling von Stadtverkehr 2025 und dem Masterplan Velo dienen. Aber «die Bedeutung von räumlichen Daten und gesamtverkehrlichen Erhebungen in der Verkehrsplanung wird weiter zunehmen», sagt Richiger. Mit räumlichen Daten sind beispielsweise Start- und Zielorte sowie gewählte Routen gemeint. Also genau solche Daten, die Limebike sammelt.

Publibike will umrüsten

Neben Limebike gibt es noch ein weiteres Bikesharing-Unternehmen in der Stadt Zürich: Publibike. Im Gegensatz zum amerikanischen Start-up sammelt das Schweizer Unternehmen aber keine Daten via GPS. «Man kann nur erfassen, wer wo ein Velo ausgeliehen und zurückgegeben hat; die Fahrt kann man nicht aufzeichnen», erklärt Katharina Merkle von der Medienstelle Postauto/Publibike.

Da die Leihvelos nur an Stationen ausgeliehen und abgestellt werden können, sei das Tracking der Flotte nicht prioritär gewesen. Eine Ortungsfunktion für sämtliche Velos befinde sich gemäss Merkle aber im Moment in Entwicklung. Darüber ist auch die Stadt Zürich informiert. «Das Trackingsystem wird Publibike und dem Partner vor Ort einzig dazu dienen, die Velos aufzufinden, die nicht ausgeliehen sind und nicht in einer Station stehen», erklärt Richiger. Publibike wird der Stadt Zürich ebenfalls anonymisierte Daten aus den Ausleihen zur Verfügung stellen. Welche das genau sein werden, klären die Stadt und Publibike zurzeit noch ab.

Datenschutz

Limebike erhebt sowohl personenbezogene als auch nicht-personenbezogene Daten. Erstere werden jedoch nicht an Dritte weitergegeben. Nicht-Personenbezogene-Daten beinhalten Analyse- und Nutzungsinformationen über die Nutzung der App, einschliesslich GPS-Routen und Status von GPS-Chips. Zusätzlich kann die App Standortinformationen speichern, diese stellt man der App jedoch freiwillig zur Verfügung.

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