Steuerfahnder-Affäre: «Bild» zeigt Bundesrätin Sommaruga an
Aktualisiert

Steuerfahnder-Affäre«Bild» zeigt Bundesrätin Sommaruga an

Neuerliche Provokation aus Deutschland: Die deutsche Boulevard-Zeitung «Bild» reicht gegen die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga Strafanzeige ein.

von
fum
So titelt die «Bild» heute auf ihrem Online-Auftritt. Rechts die Strafanzeige. (Montage: 20 Minuten Online)

So titelt die «Bild» heute auf ihrem Online-Auftritt. Rechts die Strafanzeige. (Montage: 20 Minuten Online)

Im Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland gehen die Wogen hoch. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie sich demnächst glätten könnten - im Gegenteil. Das neuste Kapitel schreibt die deutsche Boulevardzeitung «Bild»: Wie sie in ihrer heutigen Ausgabe vermeldet, hat sie gegen die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga Strafanzeige eingereicht - wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Hintergrund der Strafanzeige ist ein Haftbefehl der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen drei Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen. Diese sollen mit geheimdienstähnlichen Methoden die Grossbank Credit Suisse ausspioniert haben.

Für die «Bild» ist der Haftbefehl ein «unglaublicher, einmaliger Vorgang»: Man lasse sich dies «ausgerechnet von der Schweiz nicht länger gefallen» und wolle nun «den Spiess umdrehen». Die der Beihilfe zur Wirtschaftsspionage bezichtigten deutschen Beamten werden als «fleissige Steuerfahnder» bezeichnet.

Klar ist: Die Zeitung hat auch in der Vergangenheit bereits mit ähnlich spektakulären Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt - und damit die Auflage gesteigert.

2010 Nordrhein-Westfalen kauft für 2,5 Millionen Euro die Daten-CD eines Credit-Suisse-Bankers, der im Dezember 2011 zu zwei Jahren bedingt und einer Geldstrafe verurteilt wurde.

2009 Die britische HSBC-Bank muss einräumen, dass ein ehemaliger IT-Mitarbeiter Hervé Falciani Daten von Schweizer Kunden entwendet und der französischen Regierung zum Kauf angeboten hat.

2004 Rudolf Elmar, ein Manager der Privatbank Julius Bär, gibt Kundendaten einer Tochterfirma auf den Cayman Inseln an Medien und Steuerbehörden weiter. Aufsehen erregt er 2008 und 2011 aber vor allem mit der Weitergabe von Informationen an die Whistleblower-Plattform WikiLeaks

2002 Heinrich Kieber, der bei der Liechtensteiner LGT-Bank für die Digitalisierung des Papier-Archivs zuständig war, versucht seinen Arbeitgeber mit gestohlenen Daten deutscher Kunden zu erpressen. 2006 soll er die Informationen dem deutschen Bundesnachrichtendienst verkauft haben: Die «Liechtensteiner Steueraffäre» belastet das Verhältnis der beiden Staaten erheblich. Nach Kieber, der sich abgesetzt hat, wird bis heute gefahndet.

Deine Meinung