Neues Reglement: Bilden die Charts nun endlich die Realität ab?
Aktualisiert

Neues ReglementBilden die Charts nun endlich die Realität ab?

Vor allem Junge streamen vermehrt einzelne Songs statt ganze Alben. Um ihr Hörverhalten trotzdem in der Album-Hitparade abzubilden, wurde das Charts-Reglement angepasst.

von
fim/shy
1 / 12
Das Reglement für die Erhebung der Album-Charts wurde auf 2018 angepasst: Ab sofort zählen auch einzeln gestreamte Songs zu einem gewissen Faktor zu den Verkäufen von Alben dazu. Davon womöglich schon profitiert hat die Las-Vegas-Rockband Imagine Dragons, deren aktuelle Platte «Evolve» 16 Plätze gut gemacht hat und sich neu auf Rang 10 befindet. Die drei Single-Auskopplungen sind nämlich alle in der Hitparade nach oben geklettert.

Das Reglement für die Erhebung der Album-Charts wurde auf 2018 angepasst: Ab sofort zählen auch einzeln gestreamte Songs zu einem gewissen Faktor zu den Verkäufen von Alben dazu. Davon womöglich schon profitiert hat die Las-Vegas-Rockband Imagine Dragons, deren aktuelle Platte «Evolve» 16 Plätze gut gemacht hat und sich neu auf Rang 10 befindet. Die drei Single-Auskopplungen sind nämlich alle in der Hitparade nach oben geklettert.

Instagram/imaginedragons
Vergangene Woche wurden die offiziellen Schweizer Single- und Album-Charts des Jahres 2017 (noch ohne neue Regelung) veröffentlicht. Wenig überraschend belegen Ed Sheerans (26) «Shape Of You» und das zugehörige Album «÷» jeweils Platz eins der beiden Tabellen. Auf den folgenden Slides präsentieren wir fünf Erkenntnisse aus der 2017er-Hitparade-Auswertung, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Vergangene Woche wurden die offiziellen Schweizer Single- und Album-Charts des Jahres 2017 (noch ohne neue Regelung) veröffentlicht. Wenig überraschend belegen Ed Sheerans (26) «Shape Of You» und das zugehörige Album «÷» jeweils Platz eins der beiden Tabellen. Auf den folgenden Slides präsentieren wir fünf Erkenntnisse aus der 2017er-Hitparade-Auswertung, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

AP/Richard Shotwell
1. Schweizer Musik ist bei Schweizern unbeliebtWas bei den Singlecharts auffällt: Nur zwei der 100 meistverkauften Songs des Jahres sind Schweizer Produktionen – und beide kommen von Nemo (18). Anders sieht es ...

1. Schweizer Musik ist bei Schweizern unbeliebtWas bei den Singlecharts auffällt: Nur zwei der 100 meistverkauften Songs des Jahres sind Schweizer Produktionen – und beide kommen von Nemo (18). Anders sieht es ...

Instagram/nemomusic.ch

Die amerikanischen Billboard-Charts machen es schon seit drei Jahren so, viele westeuropäische Länder tun es ebenfalls – und nun folgt die Schweizer Hitparade nach: Gestreamte Songs (zum Beispiel bei Spotify, Apple Music oder Deezer) fliessen ab sofort auch in die Album-Charts mit ein. Bis anhin hatten die Streams nur Einfluss auf die Single-Hitparade.

Was ist neu?

Die Premium-Streams (wer beispielsweise das kostenlose Spotify-Angebot mit Werbung nutzt, wird nicht berücksichtigt) von Album-Tracks werden zusammengezählt und durch zehn geteilt (die angenommene durchschnittliche Track-Anzahl eines Albums). Die drei bestgestreamten Tracks eines Albums werden allerdings auf die Durchschnittswerte der restlichen Tracks heruntergewichtet, damit durch die Decke gehende Tracks (beispielsweise Ed Sheerans «Shape Of You») die Album-Hitparade nicht verfälschen.

Das Resultat wird nochmals durch 127 geteilt. Und dieses Ergebnis entspricht dann einem als Download gekauften Album-Track und wird den Album-Verkäufen angerechnet. Bei den Singles wird diese Formel bereits seit 2014 angewendet: 127 Song-Streams (nur Premium) entsprechen einem Song-Download.

Warum ist das nötig?

«Die Neuerung war schon länger geplant, um die Charts an die aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen», begründet Andy Renggli vom Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment, das die Hitparade im Auftrag der Ifpi (Verband der Schweizer Musiklabels) erhebt.

Konkret: Speziell wegen der vielen kuratierten Playlists bei Spotify und Apple Music hören die Leute vermehrt einzelne Songs statt ganze Alben eines Acts. Dieser Song-Konsum soll in den Album-Charts wiedergespiegelt werden.

Warum braucht es die Album-Charts überhaupt noch?

«Die Single-Hitparade bildet das Konsumverhalten der Jungen ab, die Album-Hitparade dasjenige der älteren Musikkonsumenten», weiss Produzent Roman Camenzind. «Auf die Album-Charts zu verzichten, würde also bedeuten, dass der Markt verzerrt dargestellt wird.»

Wie beeinflusst die neue Regelung die Album-Charts?

«Tests haben ergeben, dass nur moderate Veränderungen zu erwarten sind», so Renggli. Martin Geisser, Chef des Labels Bakara, bei dem unter anderem Lo & Leduc und Nemo zu Hause sind, rechnet damit, dass dadurch Acts mit einer jungen Zielgruppe – wie The Weeknd oder Drake – länger und höher in der Album-Hitparade vertreten sein werden. Und: «Am Ende wird es wohl noch mehr Ed Sheeran in den Album-Charts geben.»

Welche Chancen bietet die neue Regelung?

Künstler erhalten mehr Flexibilität bei der Art, wie sie ihre Musik releasen, findet Geisser: «Eine ausschliessliche Veröffentlichung auf Streaming-Portalen kann somit zu einer Platzierung in den Album-Charts führen.»

Wo muss noch nachgebessert werden?

«Track-Streams auf Youtube müssen auch noch mit in die Rechnung einfliessen», fordert der Bakara-Chef. Wichtiger als die Anpassung im Charts-Reglement ist für ihn jedoch der weitere Ausbau der Präsenz von Schweizer Musik und Playlists bei den grossen Streaming-Portalen, damit diese mit der internationalen Konkurrenz mithalten können. Ende Sommer 2017 hatten Spotify und Apple Music kuratierte Schweizer Playlists eingeführt.

People-Push

Wenn du den People-Push abonnierst, verpasst du nichts mehr aus der Welt der Reichen, Schönen und Menschen, bei denen nicht ganz klar ist, warum sie eigentlich berühmt sind.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe auf dem Startbildschirm rechts oben auf die drei Streifen, dann auf das Zahnrad. Unten bei «Themen» schiebst du den Riegel bei «People» nach rechts – schon läufts.

Auf Instagram ist das 20-Minuten-People-Team übrigens auch unterwegs.

Deine Meinung