Welt-Aids-Konferenz: Bill Clinton sagt Aids den Kampf an
Aktualisiert

Welt-Aids-KonferenzBill Clinton sagt Aids den Kampf an

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat bei der Welt-Aids-Konferenz in Wien einen besseren Einsatz der finanziellen Hilfen für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit angemahnt.

Bill Clinton in Wien ermahnt die Welt, mehr Geld für den Kampf gegen Aids auszugeben.

Bill Clinton in Wien ermahnt die Welt, mehr Geld für den Kampf gegen Aids auszugeben.

In punkto HIV-Bekämpfung gab es am Montag bei der Welt-Aids-Konferenz Gutes und Schlechtes zu berichten: In nur einem Jahr stieg die Anzahl der Infizierten, die eine lebensrettende Behandlung erhalten, beachtlich. Zu wünschen übrig lässt aber die Effizienz der bestehenden Aids-Programme.

Eine neue Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass die Zahl der HIV-Infizierten, die eine lebensrettende Behandlung erhalten, in nur einem Jahr drastisch angestiegen ist. Hatten Ende 2008 noch 4 Millionen Menschen Zugang zu Medikamenten, so waren es Ende 2009 bereits 5,2 Millionen.

Sorge herrschte an der mehrtägigen Konferenz in Wien hingegen vor allem, was die Effizienz der bestehenden Aids-Programme betrifft. So monierte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, Organisationen würden zu viel Geld für Expertenreisen in die betroffenen Länder und für die Erstellung von Berichten ausgeben.

Auch Microsoft-Gründer Bill Gates, der sich mit seiner eigenen Stiftung vor allem in der Forschung nach Impfstoffen engagiert, rief dazu auf, die Aids-Investitionen kosteneffizienter einzusetzen. So könnte die Zahl neuer HIV-Infektionen bis 2031 - dem 50. Jahrestag des Beginns der Aids-Pandemie - drastisch eingedämmt werden.

Düstere finanzielle Aussichten

Der globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF) zeigte sich aber besorgt darüber, dass bei der nächsten Geber-Konferenz im Oktober zahlreiche Länder voraussichtlich ihre Beiträge kürzen werden.

«Ohne ausreichende Mittel werden wir die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen nicht erreichen und können weder unsere bereits bestehenden Programme noch nötige neue Programme ausreichend finanzieren», sagte Michel Kazatchkine, der Direktor des «Global Fund».

Die UNO-nahe Organisation bezahlt derzeit die Behandlung von 2,8 HIV-Infizierten. Sie wurde im Jahr 2000 bei einem G8-Treffen gegründet. Ihr Haushalt setzt sich aus freiwilligen Beiträgen der Geberländer und des privaten Sektors zusammen.

Osteuropa und Zentralasien stark betroffen

Schlechte Nachrichten verkündete auch das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF: Während dem UNO-Aids-Programm UNAIDS zufolge die Zahl weltweiter Neuinfektionen von 2001 bis 2008 um 17 Prozent gesunken ist, breitet sich das Virus in Osteuropa und Zentralasien rasant aus.

Betroffen seien dabei vor allem Kinder und Jugendliche, hiess es in einem Bericht. Nirgendwo auf der Welt steige die Rate der HIV- Infektionen so dramatisch wie in dieser Region.

Die UNO schätzte die Zahl der HIV-Infizierten dort auf 1,5 Millionen - 2001 waren es 900'000. «Die Gesundheits- und Kinderschutzsysteme in den 27 Ländern der Region haben im Kampf gegen Aids weitgehend systematisch versagt.»

Bereits am Sonntag hatte Konferenz-Organisator Julio Montaner von der Internationalen Aids-Gesellschaft IAS kritisiert, dass die Politiker der Region eine «totale Gleichgültigkeit» gegenüber der Aids-Konferenz gezeigt hatten.

Zu dem noch bis Freitag andauernden Treffen sind in Wien mehr als 20'000 Forscher, Ärzte, Politiker und Vertreter von Organisationen zusammengekommen. Die Schweiz ist vertreten durch zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Bundesamtes für Gesundheit. Die Fachleute wollen unter anderem über einen besseren Einsatz von Virenhemmern beraten. (sda)

Neues Vaginalgel soll vor Infektion mit HIV schützen

Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids hoffen Forscher auf künftige Erfolge durch den Einsatz eines neuen Gels, mit dem Frauen besser vor HIV geschützt werden sollen.

Testreihen mit dem Vaginalgel in Südafrika hätten ergeben, dass das Risiko einer Infektion mit dem HI-Virus um 39 Prozent gesenkt werden könne, teilten die Forscher am Montag im Rahmen der Welt-Aids- Konferenz in Wien mit. Bei den Frauen, die das Gel am regelmässigsten angewendet hätten, habe das Risiko sogar um 54 Prozent vermindert werden können.

Vor allem in Afrika sind Frauen die Hauptleidtragenden der Epidemie. Etwa 60 Prozent aller Neuinfektionen mit HIV betreffen dort Frauen und Mädchen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist dabei einer der häufigsten Übertragungswege für das Virus.

Das Gel enthält ein antiretrovirales Medikament, das eine Vermehrung der HI-Viren im Körper blockieren soll. Bislang wurde es über einen Zeitraum von drei Jahren getestet. 445 HIV-negative Frauen in Südafrika erhielten dabei das Gel, eine etwa gleichgrosse Kontrollgruppe ein Placebo-Präparat.

«Wenn sich ohne dieses Gel zehn Frauen pro Jahr infizieren, könnten es mit dem Gel nur sechs sein», sagte Salim Abdool Karim, einer der beiden Leiter des Forschungsprojekts in einer Telefonkonferenz. Die Wirksamkeit des Gels muss nun allerdings noch in einer weiteren Testreihe betätigt werden.

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