Komiker: US-Jury spricht Bill Cosby des sexuellen Missbrauchs schuldig
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KomikerUS-Jury spricht Bill Cosby des sexuellen Missbrauchs schuldig

In einem zivilen Verfahren wurde der frühere Comedian Bill Cosby schuldig gesprochen, sich 1975 an einem 16-jährigen Mädchen vergangen zu haben.

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Schuldig: Bill Cosby muss der Klägerin 500’000 Dollar zahlen. (Archivbild)

Schuldig: Bill Cosby muss der Klägerin 500’000 Dollar zahlen. (Archivbild)

AFP/Brendan Smialowski
Die US-Jury sieht es als erwiesen an, dass es 1975 zu einem sexuellen Missbrauch gekommen ist.

Die US-Jury sieht es als erwiesen an, dass es 1975 zu einem sexuellen Missbrauch gekommen ist.

AFP/Brendan Smialowski
Die Entscheidung der Jury ist eine herbe Niederlage für den 84 Jahre alten Ex-Komiker.

Die Entscheidung der Jury ist eine herbe Niederlage für den 84 Jahre alten Ex-Komiker.

AFP/Brendan Smialowski

Darum gehts

Ex-Comedian Bill Cosby ist im Zivilverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von der Jury schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen im kalifornischen Santa Monica sähen es als erwiesen an, dass Cosby sich 1975 in der Playboy Mansion an einem 16-jährigen Mädchen vergangen habe, hiess es im Urteil vom Dienstag. Der heute 64 Jahre alten Klägerin Judy H. sprach das Gericht 500’000 Dollar zu.

Die Entscheidung der Jury ist eine herbe Niederlage für den 84 Jahre alten Ex-Komiker, der als Star der «Cosby Show» einst als Vaterfigur Amerikas galt. Vor fast einem Jahr ordnete das Oberste Gericht von Pennsylvania Cosbys Freilassung an, nachdem er in dem US-Staat rund drei Jahre wegen sexueller Nötigung in Haft gesessen hatte. Viele andere Klagen haben seine Versicherer gegen seinen Willen bereits aussergerichtlich beigelegt.

Das Zivilverfahren in Kalifornien war eines der letzten juristischen Klagen gegen Cosby.

Klägerin klagte bereits 2014

Auch sein Anwaltsteam räumte ein, dass ihr Mandant H. und deren Highschool-Freundin Donna S. im April 1975 am Rande eines Filmdrehs in Südkalifornien kennenlernte. Schon ein paar Tage später habe er die Teenagerinnen zu Hugh Hefners Playboy Mansion mitgenommen. S., die Kronzeugin im Fall, schoss damals Fotos, die H. und Cosby in dem Anwesen zeigten. Die Bilder galten als ein wichtiges Beweismittel im Verfahren.

H. sagte aus, dass Cosby in einem Schlafzimmer neben einem Spielraum, in dem das Trio sich zuvor aufgehalten habe, übergriffig geworden sei. Er habe sie zunächst aufgefordert, sich neben ihn auf ein Bett zu setzen. Dann habe er sie begrapscht, sich vor ihr entblösst und sie gezwungen, ihn sexuell zu berühren.

Judy H. hatte bereits 2014 gegen Cosby geklagt. Dass sie erst spät an die Öffentlichkeit ging, begründete sie unter anderem damit, dass die Welle von Klagen anderer Frauen gegen den Ex-Star ihr als Jugendliche erlittenes Trauma wieder habe aufbrechen lassen. Ein weiterer Grund sei der 15. Geburtstag ihres Sohnes gewesen – ursprünglich hatte H. erklärt, dass sie in diesem Alter von Cosby missbraucht worden sei.

Cosby erschien nicht zum Verfahren

Ihr Anwalt Nathan Goldberg sagte der Jury aus neun Frauen und drei Männern in seinem Schlussplädoyer, dass seine Mandantin es verdient habe, dass «Herr Cosby für das, was er tat, zur Rechenschaft gezogen wird». Cosby erschien nicht zum Verfahren und sagte auch nicht aus. Doch es wurden den Geschworenen kurze Videoclips mit Stellungnahmen des Ex-Komikers aus dem Jahr 2015 vorgespielt, in denen er jeglichen sexuellen Kontakt mit H. abstritt. Die Vorwürfe weist er weiterhin über seine Anwältin und seinen Manager zurück.

Im Verfahren selbst legte seine Verteidigerin Jennifer Bonjean den Fokus auf Unstimmigkeiten in den Schilderungen von Judy H. und Donna S. Die Jury kam jedoch zum Schluss, dass Cosby gewusst haben müsse, dass H. unter 18 Jahre alt gewesen sei. Sein Verhalten sei von unnatürlichem und abnormalem sexuellen Interesse an einer Minderjährigen getrieben gewesen, hiess es.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

(DPA/chk)

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