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BernBillag-Petition mischt SRG auf

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli will mit ihrer Petition die Rundfunkgebühren halbieren. Laut Experten muss sich
SRG-Generaldirektor Roger de Weck jetzt warm anziehen.

von
Désirée Pomper/Marcel Amrein
SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bringt SRG-Generaldirektor Roger de Weck in die Bredouille.(Foto: keystone)

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bringt SRG-Generaldirektor Roger de Weck in die Bredouille.(Foto: keystone)

Heute wird eine der grössten Petitionen eingereicht, die es in der Schweiz je gab.

Über 143 000 Personen konnten Natalie Rickli und Francisca Brechbühler im Kampf gegen das so bezeichnete «Gebührenmonster» SRG hinter sich scharen. Ihre Forderung: Die Fernseh- und Radiogebühren sollen von 463 Franken pro Jahr auf 200 gesenkt werden. SRG-Generaldirektor Roger de Weck hat für die Widerstandsbewegung wenig übrig: «Eine Internetpetition, die SBB-Tarife zu senken, fände ebenfalls viele Unterzeichner, sagte er zur «Zürichsee-Zeitung». Auch Politologe Georg Lutz bezweifelt, dass die «populistische Anti-SRG-Petition der SVP» grossen Rückhalt finden wird. Zwar fänden es alle toll, weniger Gebühren zu bezahlen: «Aber spätestens wenn es darum geht, konkret auf Sendungen zu verzichten, wird es Widerstand geben.»

Konsumentenschützerin Sara Stalder und Kommunikationsberater Marcus Knill dagegen warnen davor, die Petition zu unterschätzen. Indem De Weck die Anliegen der Petitionäre ignoriere, könne die geplante Billag-Volksinitiative Auftrieb erhalten, vermuten beide. Auch PR-Experte Klaus Stöhlker sagt: «De Weck sieht die Welle nicht, die auf ihn zurollt.»

Doch laut einem Insider brodelt es innerhalb der SRG. An einer kürzlichen GV habe De Weck die Trägerschaft persönlich dazu aufgerufen, nicht auf die Forderungen einzugehen: «Ich merkte, es geht ans Lebendige bei der SRG.»

«Gebührenzahler haben Recht auf Transparenz»

Frau Stalder*, welche Bedeutung hat die Petition zur Kürzung der Fernsehgebühren?

Die Petition ist ein wichtiges Zeichen und sollte die SRG wachrütteln. Die vorgeschlagene Gebührenreduktion finden wir vom Konsumentenschutz zwar zu massiv und wir ziehen eine moderatere Lösung vor. Die Richtung aber stimmt. SRG-Chef Roger de Weck täte gut daran, sich der Sache früh genug anzunehmen, die Gebührenzahler ernst zu nehmen und ihnen entgegenzukommen. Indem er das Anliegen ignoriert und die Bedeutung der Petition herunterspielt, verleiht er der geplanten Billag-Volksinitiative Aufwind.

Wütend macht viele Bürger auch, dass sie nicht wissen dürfen, was einzelne Sender und Sparten kosten. Sehen Sie Handlungsbedarf?

Absolut. Die Gebührenzahler haben das Recht zu erfahren, wo ihre Gelder hinfliessen.

Warum wehrt sich die SRG dagegen, die Kosten offenzulegen?

Sie fürchtet wohl öffentliche Debatten über die Kosten für einzelne Sendungen und davor, dass sie Ausgaben einzeln rechtfertigen muss. Es ist klar, dass sie das nicht will.

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