Aktualisiert 13.02.2009 14:29

Kleider vom DiscounterBillig-Klamotten gibts nur gegen Hungerlohn

Aldi und Co. verkaufen Kleider zu Spottpreisen. Hergestellt werden sie in Entwicklungsländern, von Leuten, die wöchentlich bis zu 90 Stunden arbeiten und davon nicht einmal leben können. In Indien gibts für den Verschleissjob gerade mal 65 Franken – im Monat.

von
Sandro Spaeth

Spezialangebote über Spezialangebote: Zweimal wöchentlich präsentiert der Discounter Aldi Schweiz eine ganze Seite voller Aktionswaren: Diese Woche gibts beispielsweise die 3er-Packung T-Shirt für 9.99 Franken, die Damenhose für weniger als 13 Franken. Nächste Woche ist bei Aldi eine Herrenlederjacke für 129 Franken erhältlich.

An Discounter ausgeliefert

Aktionswaren sind der Schlüssel im Konkurrenzkampf der Discounter. Sie locken Kunden in die Geschäfte. Laut einer Studie des deutschen Südwind-Instituts werden mehr als 40 Prozent der Aldi-Aktionswaren im Billiglohnland China hergestellt. Im Einkauf herrsche das Prinzip: «Kostensenkung um jeden Preis». Die Discounter seien meist die grössten Abnehmer einer Fabrik, und diese seien damit Aldi, Lidl oder Wal-Mart ausgeliefert.

Massive Missstände

Sven Bradke, Sprecher von Aldi Schweiz, ist die Studie bekannt: «Wir werden die Studie näher prüfen.» Bradke betont, dass Aldi der BSCI angehöre, einer Organisation, die sich zur Einhaltung sozialer Standards verpflichte. «Aus den kritisierten Ländern importiert Aldi aber nicht selber, wir kaufen zu», so Bradke.

Neben China werden die Billigtextilien in Indien, Thailand, Sri Lanka und Bangladesh hergestellt. Die Recherchen des Südwind-Instituts belegen massive Missstände: Wer in Entwicklungsländern Kleider für Discounter schneidert, muss 60 bis 90 Stunden wöchentlich arbeiten und bekommt dafür einen Lohn, der nicht mal zum Leben reicht.

So verdiente ein indischer Arbeiter angeblich einen Monatslohn von umgerechnet 65 Franken. Das ist lediglich rund die Hälfte des Existenzminimums, das für eine fünfköpfige Familie bei rund 120 Franken liegt. Zudem müssten ständig unbezahlte Überstunden geleistet werden, da die Arbeiter ihre Produktionsziele in der vorgesehenen Arbeitszeit nicht schaffen könnten.

Frage nach der Moral

Der bevorstehende Markteintritt des Discounters Lidl, der in der Schweiz im März mit 15 Filialen startet, wird den Preiskampf weiter anheizen. Damit dürfte sich auch die Frage nach der Moral beim Kleiderkauf verstärken: Zwar ist in der Schweiz eine Lederjacke für 129 Franken erhältlich, dafür haben aber am anderen Ende der Lieferkette Näherinnen zu Hungerlöhnen geschuftet.

Umfrage: Hauptsache billig?

Wie halten Sie es mit Waren, die unter unhaltbaren Bedingungen in Dritte-Welt-Ländern hergestellt wurden? Klicken Sie sich jetzt zur Umfrage.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.