Aktualisiert 05.10.2006 14:18

Billigairline Ryanair will Konkurrenten Aer Lingus schlucken

So könnte sich Ryanair als erster europäischer Billigflieger direkten Zugriff auf Transatlantikrouten verschaffen.

Nur wenige Tage nach dem Börsendebüt von Aer Lingus kündigte Ryanair am Donnerstag überraschend ein Kaufangebot über knapp 1,5 Mrd. Euro an, wie Unternehmenschef Michael O'Leary am Donnerstag mitteilte. 16 Prozent an dem ehemaligen Staatsunternehmen befänden sich bereits in Besitz des ebenfalls in Dublin ansässigen Marktführers.

Konkurrenz für «Grosse»

Mit Aer Lingus bekäme Ryanair als erste europäische Billigfluggesellschaft direkten Zugriff auf Transatlantikrouten zwischen Europa und Amerika. Ryanair steuert bislang nur Flugziele in Europa und Marokko an, Aer Lingus neun Ziele in den USA.

O'Leary sagte, das Bündnis biete die Chance, den deutschen, britischen und französischen Fluggesellschaften verstärkt Konkurrenz zu machen. Er kündigte an, die Preise von Aer Lingus nach einer Übernahme weiter reduzieren zu wollen.

Aer Lingus befördert auf seinen insgesamt 78 Routen jährlich etwa 15 Millionen Passagiere. Ryanair hat auf 419 Routen etwa 35 Millionen Fluggäste im Jahr.

Aer Lingus war nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 nur knapp der Pleite entronnen und senkte schon seither im Rahmen eines erfolgreichen Sanierungsprogramms die Preise deutlich.

Irische Regierung stellt sich quer

Das Ryanair-Angebot stösst allerdings bei der irischen Regierung auf Widerstand. Preminierminister Bertie Ahern sagte vor dem Unterhaus in Dublin, seine Regierung wolle den Staatsanteil von rund 28 Prozent an Aer Lingus nicht verkaufen. Die Ryanair-Offerte nannte er hinsichtlich der Wettbewerbsfragen problematisch.

Laut O'Leary strebt Ryanair eine hundertprozentige Übernahme des früheren Staatsunternehmens an. Eine knappe Mehrheit - «also alles über 50,1 Prozent» - würde seiner Airline aber auch schon reichen. In jedem Fall sollten die beiden Gesellschaften auch künftig voneinander getrennt betrieben werden.

Aer Lingus wollte sich zu der Offerte zunächst nicht näher äussern. Das Unternehmen überprüfe derzeit das Angebot, sagte ein Sprecher lediglich.

Die Aer-Lingus-Aktie machte nach Bekanntgabe des Angebots an der Dubliner Börse einen Satz um zwölf Prozent nach oben und lag bis zum frühen Nachmittag bei etwa 2,80 Euro. Das Ryanair-Papier sackte um 2,6 Prozent auf 8,47 Euro ab.

(sda)

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