03.07.2014 21:44

Singapur

«Billige Haushälterin zu verkaufen»

Ein Einkaufszentrum in Singapur preist Haushälterinnen wie irgendeine beliebige Ware an. Die Frauen müssen Arbeit simulieren und werden mit rassistischen Klischees beworben.

von
pwe
Indonesierinnen seien «weniger intelligent» und Burmesinnen «fürsorglich und nachgiebig». Mit diesen Slogans werden in einem Warenhaus in Singapur Haushälterinnen angepriesen.

Indonesierinnen seien «weniger intelligent» und Burmesinnen «fürsorglich und nachgiebig». Mit diesen Slogans werden in einem Warenhaus in Singapur Haushälterinnen angepriesen.

Im Bukit Timah Shopping Centre in Singapur gibt es fünf Etagen, die nur dem «Verkauf» von Frauen aus Indonesien, den Philippinen oder Burma dienen. Diese sollen - meist bei singapurischen Mittelständlern - als Hausangestellte arbeiten.

Wie Al-Jazeera berichtet, werden die Frauen regelrecht ausgestellt. Zum Teil würden sie in nachgestellten Wohnungen das immergleiche T-Shirt bügeln, eine Puppe wickeln oder sich gegenseitig im Rollstuhl durch die Gänge schieben, um potenziellen Arbeitgebern zu zeigen, wofür sie alles gut sind. Dabei preisen die Schilder die Frauen als «Discount Maid» an oder mit: «Tiefer Preis».

Unverhohlener Rassismus und sexueller Missbrauch

Bei der Anpreisung bedienen sich die Geschäfte zutiefst rassistischer Stereotypen, nach denen indonesische Frauen «weniger intelligent» oder Burmesinnen «gutmütig und nachgiebig» sein sollen. Der Umgang der Vermittlungsagenturen, die ihre Klientinnen dermassen anpreisen, ist dann auch häufig unmenschlich. Eine NGO, die sich für Hausangestellte einsetzt, berichtet von einer Agentur, die im Schnitt 18 Franken ausgibt, um 40 Angestellte zu ernähren. Eine Hausangestellte berichtet, dass man ihr in der Agentur während drei Tagen nur ungenügend gekochte Fertignudeln zu essen gegeben habe.

Die geschätzten 215'000 ausländischen Hausangestellten in Singapur haben sehr wenige Rechte. Manche müssen einen sogenannten «Live-in»-Passus unterschreiben, der es ihnen de facto verunmöglicht, das Haus ohne Erlaubnis ihres Arbeitgebers zu verlassen. Das Missbrauchspotenzial auf der Ebene der Arbeitsbedingungen oder der sexuellen Integrität ist enorm. Eine Burmesin berichtete, dass sie von ihrem Arbeitgeber genötigt wurde, mit dessen Vater im gleichen Raum zu übernachten, der sich prompt an ihr verging. Als sie sich beim Arbeitgeber und der Agentur beschwerte, geschah nichts.

Es gibt aber auch Agenturen, die die Frauen nicht derart ausbeuten. «Wir sollten fair sein und diese Arbeiterinnen als Menschen behandeln», sagt etwa ein Vertreter einer Agentur, die den Frauen Training, Gratisessen und Beratung anbietet. «Wir sollten sie nicht in eine niedere Kategorie von Menschen setzen», fügt er gegenüber Al-Jazeera an.

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