Billiger fahren dank ständiger Überwachung

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Billiger fahren dank ständiger Überwachung

Junglenker, die nicht rasen wollen, können neu 15 Prozent bei der Versicherungsprämie sparen. Dazu müssen sie sich allerdings eine Blackbox einbauen lassen, die bei einem Unfall Auskunft über die Geschwindigkeit auf den letzten Metern gibt.

Die Axa Winterthur präsentierte den Crash Recorder am Freitag als Weltpremiere aus der eigenen Unfallforschung. Die kleine, unter dem Rücksitz versteckte Box funktioniert autonom und zeichnet bei einem Unfall Daten auf, die eine rasche und objektive Unfallrekonstruktion ermöglichen, wie Anton Brunner, Leiter Unfallforschung des Versicherungskonzerns, in Winterthur sagte. Ein Pilotversuch im vergangenen Jahr im Kanton Zürich habe gezeigt, dass junge Lenker mit dem Crash Recorder vorsichtiger führen und weniger Unfälle verursachten.

Die Axa Winterthur setzt den Crash Recorder auch als Marketinginstrument ein. 18- bis 25-Jährige erhalten die Box bei einem Versicherungsabschluss gratis, zusammen mit einem Rabatt von 15 Prozent auf der Haftpflicht- und Kaskoprämie. Der Einbau des Geräts wird von Partner-Garagen vorgenommen und dauert laut dem Versicherungskonzern bloss 30 Minuten. Das Unternehmen rechnet bis Ende Jahr mit rund 5.000 Junglenkern, die den Crash Recorder einbauen lassen.

Neben der Prävention soll der Crash Recorder auch Vorteile für die Unfallanalyse bringen. «Der Crash Recorder ermöglicht eine rasche und objektive Klärung der Schuldfrage», wird Brunner in der Mitteilung zitiert. Komplexe Unfälle wie Auffahrkollisionen mit mehreren Fahrzeugen hätten bisher unter Umständen monatelange Abklärungen nötig gemacht. Die durch die vereinfachte Unfallanalyse gesparten Ermittlungs- und Gutachterkosten kämen letztlich den Versicherten durch tiefere Versicherungsprämien zugute.

Befürchtungen, wonach künftig «Big Brother» mitfährt, zerstreute die Axa Winterthur mit dem Hinweis, dass der Crash Recorder nicht permanent Daten speichere. Er werde nur dann aktiv, wenn sich ein Unfall ereigne. Registriert würden verschiedene Messwerte wie zum Beispiel Beschleunigung in Fahrt- und Querrichtung, kollisionsbedingte Geschwindigkeitsveränderung sowie Datum und Uhrzeit des Unfalls. Damit liessen sich Rückschlüsse auf die Schwere des Unfalls ziehen. Der Pilotversuch habe gezeigt, dass die Akzeptanz des Crash Recorders bei den Jugendlichen sehr hoch sei. (dapd)

ASTRA begrüsst Angebot

Das Bundesamts für Strassen (ASTRA) begrüsst das Angebot. «Wir begrüssen jeden freiwilligen Beitrag zur Verkehrssicherheit», sagte Sprecher Thomas Rohrbach gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Die ASTRA habe im Rahmen des Verkehrssicherheitsprojekts Via Secura ebenfalls die Wirkung von Datenschreibern abgeklärt. Eine deutsche Studie habe allerdings gezeigt, dass nur eine sehr geringe präventive Wirkung bestehe, wenn die Datenschreiber flächendeckend eingesetzt würden.

Eine Wirkung, die in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen würde. «Der nachträgliche Einbau eines Datenschreibers kostet etwa 700 Franken, multipliziert mit 4,5 Millionen angemeldeten Fahrzeugen verursacht dies Gesamtkosten von etwa 3 Milliarden Franken», rechnet Rohrbach vor. Im Hinblick auf die Verkehrssicherheit gebe es effizientere Massnahmen, z.B. im Strassenbau.

Das ASTRA will darum die Fahrtenschreiber nicht flächendeckend einführen, sondern nur gezielt bei Wiederholungstätern. Diesen soll nur dann der Führerschein zurückgegeben werden, wenn sich diese verpflichten, eine Blackbox einzubauen. Bei dieser Personengruppe erhofft sich Rohrbach eine ausgeprägtere Wirkung auf das Fahrverhalten. Das Projekt soll nächstens dem Bundesrat vorgelegt werden - im Rahmen des Projekts Via Secura oder als Einzelmassnahme. (sda)

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