Verteidigungspolitik: Billionen-Pflaster für die amerikanische Rüstung
Aktualisiert

VerteidigungspolitikBillionen-Pflaster für die amerikanische Rüstung

Der US-Verteidigungsminister will den Rüstungsvorsprung seines Landes sichern. Worum geht es in dem Projekt? Fünf Fragen, fünf Antworten.

von
M.Suter
New York

Chuck Hagel trägt dieser Tage auf seiner linken Backe ein massives Heftpflaster. «Ich habe die Ecke eines Küchenschranks angegriffen und verloren», erklärte der Pentagon-Chef letzte Woche bei einer Kongressanhörung.

Hagels Departement braucht mehr als nur Heftpflaster. Wie der Verteidigungsminister am Samstag in einem Vortrag in Kalifornien ankündigte, startet er eine breit angelegte «Initiative für Verteidigungsinnovation». Sie soll in den nächsten Jahren die Grundlage dafür schaffen, dass die amerikanische Überlegenheit bei der Waffentechnologie gegenüber den laufend aufrüstenden Ländern China und Russland erhalten bleibt.

Zu Hagels Vorstoss fünf Fragen und Antworten:

1. Welche Ideen hat der US-Verteidigungsminister?

Um rüstungstechnisch auf neue Ideen zu kommen, will Hagel das Pentagon mit frischem Denken durchlüften. Konkret: Er will «die hellsten Köpfe inner- und ausserhalb der Regierung einladen, um auf einem leeren Blatt Papier künftige Technologien und Systeme für das Verteidigungsministerium zu entwickeln». Laut Hagel gehören dazu Robotik (siehe Video unten), Miniaturisierung, «Big-Data»-Analysen und fortgeschrittene Herstellungstechniken mit 3-D-Druckern.

2. Gibt es historische Vorläufer?

Hagel verglich sein Projekt mit dem Programm «New Look» aus den 1950er-Jahren. Damit sollte dank neuer Nuklearwaffen die konventionelle Überlegenheit der Sowjetunion in Europa ausgeglichen werden. Ab den 70er-Jahren brachten langfristige Forschungsanstrengungen des Pentagons Tarnkappenflugzeuge, Anti-Raketen-Systeme und präzis gelenkte Bomben hervor.

3. Warum die Dringlichkeit?

US-Experten machen sich vor allem Sorgen über Chinas fortschrittliche U-Boote, Tarnkappen-Kampfflugzeuge und die rasch wachsende Hochseeflotte. Hagel: «Während wir über ein Jahrzehnt mit aufreibenden Stabilisierungsoperationen verbrachten, haben Länder wie Russland und China stark in militärische Modernisierungsprogramme investiert, um unseren technologischen Vorsprung wettzumachen.» Das Pentagon komme seinen Aufgaben nicht mehr nach – trotz eines vorgeschlagenen Budgets von fast einer halben Billion Dollar im nächsten Jahr.

4. Werden die USA auch nuklear aufrüsten?

Nach seinem Amtsantritt drängte Präsident Barack Obama auf eine beiderseitige Abrüstung der atomaren Bewaffnung der USA und Russlands. Weitere Reduktionen liegen aus Sicht der USA nach den eigenmächtigen, aggressiven Aktionen des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Krim und in der Ukraine kaum drin. Deshalb will das Pentagon die Zuverlässigkeit des bestehenden Arsenals mit teuren Modernisierungsschritten sichern. Zum Beispiel ist der Sprengkopf W-76 auf U-Boot-Lenkwaffen fast 40 Jahre alt. Laut «New York Times» dürfte die nukleare Erneuerung in den nächsten 30 Jahren bis zu 1,1 Billionen Dollar kosten.

5. Ist genug Geld vorhanden?

Das ist unklar: In Folge der 2011 beschlossenen automatischen Budgetkürzungen schrumpfte auch der Posten fürs Pentagon. Laut «Washington Post» sanken die US-Verteidigungsausgaben seit 2010 real um 21 Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass der Kongress eigentlich überflüssige Ausgaben oft beibehalten will, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen. Ob all die Erneuerungs- und Innovationsprogramme angesichts der zunehmend enger werdenden Finanzsituation realisiert werden können, ist daher zu bezweifeln.

Immer wieder vergnüglich: Das Video eines lastentragenden Roboterhunds für die Marines.

(Quelle: YouTube/AiirSource)

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