Djokovics Mentor: «Bin ein göttliches Wesen aus Licht und Liebe»
Aktualisiert

Djokovics Mentor«Bin ein göttliches Wesen aus Licht und Liebe»

Novak Djokovics neuer Einflüsterer weckt Erinnerungen an Patty Schnyders Saftguru und führt in die Welt der Wunderheiler mit Episoden zu Federer und Shaqiri.

von
Sebastian Rieder
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«Liebe und Frieden»: Mentaltrainer Felipe Imaz steht Novak Djokovic seit über einem Jahr als Mentor zur Seite.

«Liebe und Frieden»: Mentaltrainer Felipe Imaz steht Novak Djokovic seit über einem Jahr als Mentor zur Seite.

AP/Michel Euler
Literweise Orangensaft als Erfolgsrezept: Patty Schnyder vertraute zu Beginn ihrer Karriere auf die Weisheiten von Trainer und Lebenspartner Rainer Harnecker.

Literweise Orangensaft als Erfolgsrezept: Patty Schnyder vertraute zu Beginn ihrer Karriere auf die Weisheiten von Trainer und Lebenspartner Rainer Harnecker.

Holger Hollemann
Heilende Hände: Roger Federer fuhr 2006 nach einem Bänderriss nach Salzburg verliess die Praxis von Mohamed Khalifa ohne Krüken.

Heilende Hände: Roger Federer fuhr 2006 nach einem Bänderriss nach Salzburg verliess die Praxis von Mohamed Khalifa ohne Krüken.

AP/ng han Guan

Felipe Imaz heisst der Mann, der Novak Djokovic schon seit über einem Jahr bei mentalen Fragen zur Seite steht. So richtig bekannt wurde das Engagement des spanischen Gurus aber erst im vergangenen Sommer, als Mitte August auf Youtube ein Video veröffentlicht wurde. Der Film zeigt Imaz während einer Meditation und einem Monolog in einem exklusiven Kreis mit Djokovic.

Sichtlich berauscht verkündete der Serbe im Anschluss an die Rede seines Einflüsterers: «Wir alle suchen nach Liebe, Glück und Harmonie. Wir sollten in uns hineinsehen und diese Verbindung mit einem göttlichen Licht herstellen.» Es sind Worte, die viele deutsche Medien dazu verleiten, über die Trennung mit Boris Becker zu spekulieren, und dass das Ende des Erfolgsduos mit dem Einfluss des Meditationsspezialisten einhergeht.

Die Beziehung zwischen Djokovic und Imaz soll sich nach dem diesjährigen Triumph am French Open und der darauffolgenden Sinnkrise von Djokovic über den Sommer hinweg bis zu den ATP-Finals in London intensiviert haben. Ganz zum Missfallen von Becker, der seine Autorität torpediert sah und die verstärkte Präsenz des Motivationskünstlers in der Djokovic-Box mit apathischen Gesichtszügen quittierte.

Der esoterisch angehauchte Imaz, der als ehemaliger Tennisprofi (ATP 146) in Marbella eine Akademie namens «Liebe und Frieden» betreibt, predigt in seinen Seminaren von der Energie der Umarmung und beschreibt sich als «göttliches Wesen aus Licht und Liebe». Verständlich, dass solche Aussagen und Praktiken beim Pragmatiker und Taktiker Becker auf wenig Gegenliebe stossen. Direkte Kritik am neuen Mentor übt Becker nicht, sagt aber: «Novak hat diese Saison zu wenig Zeit auf dem Platz verbracht.»

Beckers Bemerkung hat Djokovic bisher nicht kommentiert, Sticheleien gegen Imaz lässt er aber nicht gelten. «Er ist kein Guru, sondern lediglich Teil meines Trainerteams», sagt Djokovic, dessen Bruder Marko nach einer schweren Lebenskrise in der Schule von Imaz als Helfer des Heilers Unterschlupf gefunden hat.

Patty Schnyder und der Orangensaft

Djokovics Verbindung mit Imaz und dessen unorthodoxen Methoden ruft unweigerlich die groteske Geschichte von Patty Schnyder und ihrem deutschen Trainer und Lebenspartner Rainer Harnecker in Erinnerung. Die Schweizer Tennisspielerin bekam von ihrem Freund zu Beginn ihrer Laufbahn nebst Bachblütentherapie und Streicheleinheiten eine tägliche Dosis von vier Litern Orangensaft verordnet.

Trotz etlichen Krisen, begleitet von skurrilen Schlagzeilen, führte Schnyders Weg bis in die Top 10 der Weltrangliste, die Beziehung zu ihrem Coach endete aber im Chaos und trieb sie in die Arme eines neue Rainers namens Hofmann.

Nach dem Gebimmel der Hochzeitsglocken klingelte aber auch schon bald das Betreibungsamt. Schulden von mehreren 100'000 Franken führten nach dem Rücktritt 2010 nicht nur zur Trennung von ihrem Gatten, sondern auch zur Versteigerung fast sämtlicher Besitztümer.

Nach der Trennung von Hofmann startete Schnyder an der Seite eines neuen Freundes im vergangenen Jahr ein Comeback auf der WTA-Tour und wird mittlerweile auf Rang 299 geführt.

Federers Heilung in Salzburg

Die Suche nach Sportler, die der Anziehung fragwürdiger Figuren und dem Reiz alternativer Erfolgsrezepte verfallen sind, führt zwangsläufig auch zu Roger Federer. 2005 berichtete der «Blick», wie sich Federer nach einem Bänderriss nach Salzburg zu einem Arzt namens Mohamed Khalifa schleppte und dessen Praxis ohne Krücken wieder verliess.

So wie Federer vertrauten schon Steffi Graf und Boris Becker auf die heilende Hände des Ägypters. Abseits vom Tennis hatte sich Khalifa in den Neunzigerjahren im Fussball einen Namen gemacht und dabei Stars wie Fredi Bobic und Ciriaco Sforza behandelt.

Shaqiri und der alte Mann

Von einem Wunderheiler weiss auch Xherdan Shaqiri aus seiner Zeit bei Inter Mailand zu berichten. «Das eine Mal, als ich verletzt war und unbedingt fit werden sollte für das nächste Spiel, sagten sie mir, dass es in den Bergen einen Wunderheiler gebe», erzählte Shaqiri Anfang Jahr im «SonntagsBlick» und führt aus. «Ich bin dem Ratschlag tatsächlich gefolgt und mit dem Auto eine halbe Stunde zu einem alten Mann gefahren, der mir nicht im Geringsten helfen konnte.»

Vielleicht hätte Shaqiri bis nach Serbien fahren und um die Dienste von Marijana Kovacevic fragen sollen. Wie die Zeitung «El Mundo» vor zwei Jahren berichtete, greift die Sportmedizinerin zur Behandlung von Muskelverletzungen zu Pferde-Plazenta und entnimmt dabei dem Mutterkuchen eine zellreiche Flüssigkeit. Namhafte Stars wie Robin van Persie, Diego Costa und Ivica Olic vertrauten der Frau ihren Körper für eine rasche Regeneration an.

Wie Djokovic die Ernährung umstellte

Ob sich Djokovic auch schon von der serbischen Wunderheilerin behandeln liess, ist nicht bekannt. Entscheidend für seinen Durchbruch war ein Landsmann, der 2006 sah, wie Djokovic an einem kleinen ATP-Turnier in Kroatien im Final gegen Stan Wawrinka wegen Atemnot kollabierte.

Der serbische Ernährungswissenschaftler verfolgte den Zwischenfall am TV und stellte eine Ferndiagnose. Die Befürchtung der übermässigen Unbekömmlichkeit von Gluten führte in der Folge direkt zu Djokovic. Darauf stellte dieser im Alter von 19 Jahren seine Ernährung um und gewann zwei Jahre später am Australien Open den ersten von zwölf Grand-Slam-Titeln.

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