Aktualisiert 31.05.2020 09:41

Nach Floyds Tod fragt Tennis-Talent«Bin ich die Nächste?»

Mehrere US-Sportler reagieren auf die dramatischen Vorkommnisse in Minneapolis. Sie sprechen von ihren Ängsten, wie zum Beispiel Tennisyoungster Coco Gauff.

von
Etienne Sticher
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«Bin ich die Nächste?» – Coco Gauff.

«Bin ich die Nächste?» – Coco Gauff.

KEYSTONE
«Ich habe keine Worte» – Serena Williams.

«Ich habe keine Worte» – Serena Williams.

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«Ich habe keine Tränen mehr. Ich habe genug geweint» – Stephen Jackson (r.).

«Ich habe keine Tränen mehr. Ich habe genug geweint» – Stephen Jackson (r.).

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Darum gehts

  • Tennisspielerin Coco Gauff fürchtet sich vor der Polizeigewalt gegen Schwarze.
  • Basketballer LeBron James zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten.
  • Ex-Footballspieler Colin Kaepernick will die Anwaltskosten für festgenommene Demonstranten übernehmen.

«Bin ich die Nächste?» – Diese Frage stellte die aufstrebende Tennisspielerin Cori «Coco» Gauff in einem Video auf TikTok, nachdem sie die Bilder von George Floyd und weiteren dunkelhäutigen Opfern von Polizeigewalt in den USA gezeigt hatte. «Ich nutze meine Stimme», schreibt die 16-jährige Afroamerikanerin und fragt: «Wirst du deine nutzen?» Damit gesellt sie sich zu einer Reihe weiterer Sportler, die auf den Tod von George Floyd reagieren.

Der dunkelhäutige Amerikaner George Floyd starb am Montag in Minneapolis, nachdem der Polizist Derek Chauvin minutenlang auf seinem Hals kniete. Dieser wich auch dann nicht von ihm ab, als Floyd sagte, er könne nicht atmen, oder als er das Bewusstsein verlor. Daraufhin kam es in mehreren US-Städten zu Demonstrationen und Ausschreitungen.

Auch Tennisstar Serena Williams äusserte sich auf Instagram zum Vorfall. «Viele von uns sind benommen, haben keine Worte», schreibt die Neunte der Weltrangliste. Es sei eine schwierige Zeit. «Das Schlimmste ist, dass es nichts Neues ist, es ist nur gefilmt», schreibt sie. «Ich habe keine Worte.»

Der ehemalige NBA-Spieler Stephen Jackson sprach an einer Kundgebung in Minneapolis. Der 42-Jährige wuchs zusammen mit Floyd in Houston auf und bezeichnete ihn als seinen «Zwilling». «Ihr könnt mir nicht sagen, dass Chauvin nicht wusste, dass er damit davonkommen wird», kritisierte er das langsame Vorgehen der Polizei gegen Floyds Mörder. «Wenn die Polizei etwas Falsches tut, versucht sie zuerst, es zu verschleiern.» Chauvin wurde mittlerweile festgenommen und des Mordes angeklagt.

«Ihr habt uns so lange Unrecht angetan», sagte Jackson. «Ihr glaubt, dass sich Karma nun rächen wird. Deshalb habt ihr Angst.» Er habe keine Tränen mehr, denn «ich habe genug geweint» sagte Jackson.

Basketball-Superstar LeBron James teilte ein Foto von sich, in dem er ein Shirt mit der Aufschrift «I can’t breathe», dem letzten Satz von Floyd, trägt. «Es ist nicht okay, wie wir behandelt werden», schrieb er auf Twitter.

Auch der ehemalige NFL-Spieler Colin Kaepernick äusserte sich zum Vorfall und verteidigte die Proteste in Minneapolis. «Wenn Höflichkeit zum Tod führt, wird Revolte zur logischen Reaktion. Wir haben das Recht, zurückzukämpfen.» Kaepernick setzt sich schon seit langem für Minderheiten ein. Er sorgte mit seinem Kniefall während des Abspielens der us-amerikanischen Nationalhymne vor den Spielen für Aufsehen und bekommt seither keinen Vertrag mehr. Um die «Freiheitskämpfer» zu schützen, offerierte Kaepernick zudem, die Anwaltskosten der Demonstranten zu übernehmen, denn «im Kampf für die Freiheit kommt es immer zu Vergeltung».

DeMarcus Lawrence, Spieler der Dallas Cowboys, fand deutliche Worte: «Wie können wir uns sicher fühlen, wenn die, die uns beschützen sollten, uns umbringen?», fragte er auf Twitter. In einem anderen Tweet wies er darauf hin, dass er sich auch mit einem guten Einkommen nicht sicher fühlen kann. «Eure Denkweise ist das Problem», sagte er. «Aber es ist nicht euer Fehler, es ist alles, was ihr kennt.»

Auch der erste Pick des diesjährigen NFL-Drafts Joe Burrow äusserte sich via Twitter zu den Protesten. «Die schwarze Community braucht unsere Hilfe», schrieb er. «Es geht nicht um Politik. Es geht um Menschenrechte.»

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