Kevin Schläpfer: «Bin ich hässig, drehe ich durch»
Aktualisiert

Kevin Schläpfer«Bin ich hässig, drehe ich durch»

Kein Einbruch nach dem Playoff-Wunder. Biel überrascht erneut. Trainer Kevin Schläpfer (42) wird immer unheimlicher. Im Interview spricht er über seine

von
Marcel Allemann

20 Minuten: Kevin Schläpfer, fast alle prophezeiten Biel – analog zu den SCL Tigers vor einem Jahr nach deren erstmaligen Playoff-Qualifikation – eine schwierige Saison. Und nun mischen Sie erneut über dem Strich mit, schlugen zuletzt Davos und Kloten. Wie schaffen Sie das?

Kevin Schläpfer: Gut, mit diesen negativen Prognosen haben wir uns intern nie befasst. Aber ich muss zugeben, unsere beiden letzten Spiele haben sogar mich ein wenig überrascht.

Und das obwohl Sie mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet sind, also alles andere als optimal ...

Diese fingen wir gegen Servette und Fribourg ein. Und wenn man jetzt die Tabelle betrachtet, sieht man ja deren Klasse. Aber wir haben uns durch diesen Fehlstart nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Ihre grosse Schwachstelle der letzten Saison scheint behoben, der EHC Biel schiesst plötzlich mehr Tore. Ist Ihr Team besser geworden?

Unser Ziel war es, die Stärke der Mannschaft zu halten, aber wenn ich ihr jetzt zusehe, dann habe ich das Gefühl, dass wir uns sogar verstärken konnten. Ein Kellenberger hat einen Miéville zum Beispiel mehr als nur ersetzt, die Jungen wie Trutmann oder Untersander bereiten Freude, die neuen Ausländer Pouliot und Micflikier machen uns besser und unser Lockout-Spieler Tyler Seguin passt optimal in unser Team rein, das ist einfach ein toller Typ.

Trotzdem haben Sie ihrem hochgelobten NHL-Jungstar Seguin im ersten Spiel, gut für alle TV-Zuschauer ersichtlich, an der Taktiktafel eine Sonderlektion gegeben und danach leicht genervt den Kopf geschüttelt.

Ach, da ging es um etwas, das er im Powerplay noch nicht so umgesetzt hat, wie ich das gerne möchte. Aber Tyler hat das problemlos hingenommen. Als er zu uns stiess, habe ich ihm am ersten Tag gesagt: «Hör zu – wenn ich hässig bin, drehe ich durch und dann ist es mir egal wie du heisst.» Darauf entgegnete er mir lediglich: «Thats no problem.»

Mit dem Kreuzbandriss von Ihrem Leitwolf Ahren Spylo hatten Sie am Wochenende einen schweren Schlag zu verdauen. Trotzdem schlägt Ihr Team im Spiel danach völlig unbeeindruckt auswärts Kloten. War Spylos Ausfall kein Schock für Sie?

Das hört sich jetzt vielleicht hart an, aber mit Verletzten befasse ich mich nicht, denn ich kann das ja nicht ändern. Sicher tut es mir extrem leid für Ahren, sein Ausfall ist für uns ein riesiger Verlust und es wird Spiele geben, in denen wir ihn enorm vermissen werden. Aber wir müssen dies beiseite schieben und es vielmehr als Chance für Eric Beaudoin sehen, der zuvor überzählig war. Ich kann doch nach einem verloren Spiel nicht jedes Mal in den Interviews sagen, dass uns Spylo so sehr fehlt – das hört sich für mich nach einer Ausrede an. Jetzt stehen eben andere zusätzlich in der Verantwortung.

Nochmals zurück zur Ausgangslage vor der Saison: Wurde es Ihnen manchmal nicht Angst und Bange, wenn Sie im Sommer daran dachten, wie schwierig es werden könnte, die vergangene Erfolgsaison zu wiederholen.

Ich habe manchmal schon gedacht: «Oh Kevin, wird dir dieser Erfolg jetzt zum Verhängnis?» Aber in solchen Momenten muss man einfach realistisch bleiben. Klar wollen wir wieder in die Playoffs und dieses Wunder noch einmal wiederholen, das ist unser grosses Ziel. Aber das Hauptziel lautet noch immer Ligaerhalt. Sicher haben wir uns letzte Saison die Playoff-Qualifikation verdient, aber es war eine enge Geschichte und wir brauchten am Ende auch die Schützenhilfe anderer Klubs, das darf man nicht ganz vergessen. Ich bin alles andere als ein negativ eingestellter Mensch, aber es ist trotzdem wichtig, dass man stets realistisch bleibt. Jeder muss bei uns auf seinem Topniveau spielen, sonst reicht es nicht für die Playoffs.

Welche Auswirkungen haben Ihre Erfolge auf ihre Position als Trainer?

Sie haben mir den Rücken gestärkt. Als ich mit meiner Arbeit begann, hat sich doch manch einer gefragt, wieso dieser Clown jetzt auch noch Trainer wird. Das ist jetzt, so glaube ich, nicht mehr der Fall.

Wobei der Spassfaktor bei Ihnen weiterhin nicht zu kurz kommt, oder?

Natürlich kommt es vor, dass wir im Training zwischendurch mal lachen. So soll es auch sein, das tut allen gut. Aber danach hobeln wir wieder für zehn Minuten wie die Irren. Da dulde ich nichts, da ist absolute Konzentration und totaler Einsatz gefragt. Aber nach der getanen Arbeit, nach dem Training, da haben wir in der Kabine so richtig Gaudi.

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