Bin Laden bei Moslems immer unbeliebter
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Bin Laden bei Moslems immer unbeliebter

Das Misstrauen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen sitzt tief. Muslime halten insbesondere die Menschen aus den USA und Europa für selbstsüchtig, unmoralisch und habgierig. Auf der anderen Seite ist aber auch Osama bin Laden immer unbeliebter.

Die Bürger der USA und Europas ihrerseits betrachten Muslime häufig als gewalttätig, intolerant oder fanatisch, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des US-Forschungszentrums Pew hervorgeht. In Deutschland ist das Misstrauen der Erhebung zufolge besonders gross.

«In den westlichen Ländern werden die Muslime verantwortlich gemacht, in den muslimischen Ländern und unter den Muslimen in Europa wird den Bürgern des Westens die Schuld gegeben», resümiert Pew-Direktor Andrew Kohut. Dies gilt etwa für den Karikaturenstreit vom vergangenen Frühjahr. Hier machen 62 Prozent der Deutschen muslimische Intoleranz für die Eskalation verantwortlich. 71 Prozent der Muslime in Deutschland sehen die Schuld im mangelnden Respekt des Westen für den Islam.

In Deutschland und Spanien ist eine deutliche Mehrheit (70 beziehungsweise 58 Prozent) zudem der Ansicht, es gebe einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Leben eines gläubigen Muslims und dem einer modernen westlichen Gesellschaft. So meinten 73 Prozent der 902 befragten Deutschen, darunter 413 Muslime, dass es den muslimischen Ländern wirtschaftlich besser gehen würde, wenn sie moderner eingestellt wären.

Die muslimischen Minderheiten in westlichen Ländern sehen indessen keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen den beiden Lebensweisen. Nur 36 Prozent der Muslime in Deutschland und nur 25 Prozent derjenigen in Spanien teilten die Ansicht der Mehrheitsbevölkerung. Die Fehlerquote wurde in Deutschland mit sechs Prozent angegeben.

Während die meisten Muslime in Europa eine grundsätzliche positive Einstellung zu westlichen Christen haben, gilt dies umgekehrt nur eingeschränkt. 91 Prozent der Muslime in Frankreich, 82 Prozent der spanischen, 71 Prozent der britischen und 69 Prozent der deutschen Muslime nannten ihre Einstellung zu Christen positiv. 80 Prozent der Muslime in Deutschland und 76 Prozent ihrer Glaubensbrüder in Frankreich halten auch die Perspektiven für eine Demokratie in der islamischen Welt für gut. Unter den befragten Deutschen waren nur 42 Prozent dieser Ansicht.

Eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber Muslimen haben 36 Prozent der Deutschen und sogar nur 29 Prozent der Spanier. In Frankreich sind es hingegen 65 Prozent, in Grossbritannien 61 Prozent, in den USA 54 Prozent. 93 Prozent der Deutschen zeigten sich zudem grundsätzlich besorgt über einen wachsenden Extremismus in der islamischen Welt.

Die Studie ergab ferner, dass eine deutliche Mehrheit in Indonesien (65 Prozent), der Türkei und Ägypten (jeweils 59 Prozent) sowie in Jordanien (53 Prozent) nicht davon ausgeht, dass die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA von Arabern begangen wurden. Dieser Ansicht sind auch 66 Prozent der britischen Muslime sowie 44 Prozent der Muslime in Deutschland.

Deutlich gefallen ist in vielen muslimischen Länder das Vertrauen in Al-Kaida-Führer Osama bin Laden. In Jordanien stehen nur noch 24 Prozent hinter ihm - nach 60 Prozent vor einem Jahr. In Pakistan sind es aber noch 38 Prozent und im muslimischen Teil Nigerias sogar 61 Prozent. (dapd)

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