Vor Drohnen versteckt: Bin Laden tarnte sich mit Cowboy-Hut
Aktualisiert

Vor Drohnen verstecktBin Laden tarnte sich mit Cowboy-Hut

Ein Geheimbericht enthüllt neue Details über die Tötung Bin Ladens. Demnach ist der Al-Kaida-Chef einmal fast aufgeflogen – weil er zu schnell fuhr. Das US-Kommando hielt er zunächst für ein Gewitter.

von
kri

Anfang Jahr hat Pakistan seinen offiziellen Untersuchungsbericht über die Umstände des gewaltsamen Todes von Osama Bin Laden in seiner Villa in Abbottabad fertiggestellt. Er wurde unter Verschluss gehalten, doch Al Jazeera hat nun eine Kopie des 337 Seiten umfassenden Dokuments veröffentlicht. Hier die interessantesten Details, die unter anderem aus über 200 Zeugenaussagen hervorgehen, darunter von Familienangehörigen des Al-Kaida-Chefs.

Ein Verwandter Bin Ladens gab zu Protokoll, dass sich Bin Laden oft einen Cowboyhut aufsetzte, wenn er sich draussen auf seinem Anwesen bewegte. Damit wollte er verhindern, dass ihn amerikanische Drohnen von oben entdecken. Sein Instinkt war richtig: Trotz monatelanger Überwachung verfügten die USA bis zum Schluss über keinen Bildbeweis, dass sich der Gesuchte tatsächlich in dem verdächtigen Anwesen aufhielt.

Wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten

Dass Bin Laden all die Jahre unerkannt in Abbottabad leben konnte, mutet noch immer unglaublich an. Die pakistanische Armee betreibt in der Stadt eine Eliteakademie. Einmal ist es eng geworden: 2002 oder 2003 war der Al-Kaida-Chef mit seinem Bodyguard Ibrahim al-Kuwaiti und dessen Frau Mariam im Auto unterwegs zu einem Markt. Wer fuhr, ist unklar. Aber offenbar wurde das Fahrzeug wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten. In den Worten Mariams hatte Bin Laden die Angelegenheit «rasch erledigt». Das heisst vermutlich, dass sich ein einfacher Verkehrspolizist vom damals meistgesuchten Mann der Welt bestechen liess.

Seine letzte Nacht verbrachte Bin Laden laut Bericht mit seiner jüngsten Frau Amal. Nach dem Abendessen und -gebet hätten sich die beiden kurz nach Mitternacht zurückgezogen. Den Lärm, der sie wenig später weckte, hielten sie für ein Gewitter. Minuten später war der «Scheich», wie er auf dem Anwesen genannt wurde, tot. Amal überlebte, wurde aber von einer Kugel ins Bein getroffen.

Pakistanische Luftabwehr hatte keine Chance

Im Bericht gibt sich die pakistanische Armee selbstkritisch: Von der US-Kommandoaktion erfuhr sie aus dem Fernsehen. Die Luftwaffe liess noch Abfangjäger aufsteigen, doch zu jenem Zeitpunkt befanden sich die Helikopter längst wieder in afghanischem Luftraum. Eine Chance, die Eindringlinge zu entdecken, habe ohnehin nie bestanden: Zu hoch entwickelt sei die Stealth-Technologie der USA. Zudem seien sämtliche Radaranlagen des Landes Richtung Osten, also gegen den Erzfeind Indien, gerichtet gewesen.

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