Aktualisiert 04.03.2011 12:51

Zwillinge vermisst

«Bin sicher, dass er ihnen nichts angetan hat»

Die Polizei sucht fieberhaft nach den vermissten sechsjährigen Zwillingsmädchen. Der Vater ist vermutlich mit ihnen nach Korsika gereist. Er wurde in Neapel zum letzten Mal gesehen - alleine.

von
meg/daw

Die Mutter von Alessia und Livia hofft zuhause in Saint-Sulpice VD sehnlichst auf ein Lebenszeichen ihrer Zwillinge. Die Kinder waren sein Leben. Sie sagt: «Ich bin mir sicher, dass er ihnen nichts angetan hat.» Seit über einer Woche werden die Zwillinge bereits vermisst. Jetzt gibt es eine neue Spur im Fall der beiden verschwundenen Waadtländer Zwillingsmädchen. Gemäss Angaben der Waadtländer Polizei ist der Vater, der sich am Donnerstag in Süditalien vor einen Zug geworfen hatte, mit seinen Töchtern am vergangenen Montag auf die französische Insel Korsika gereist.

Der Vater war mit den beiden 6-jährigen Mädchen in Marseille in einem Reisebüro gesehen worden, wo er drei Fahrkarten nach Korsika reservierte. Aller Wahrscheinlichkeit nach seien Vater und Töchter an Bord eines Schiffs gewesen, das Marseille am Montag um 18.35 Uhr verlassen habe und am nächsten Morgen um 6.30 Uhr in Propriano auf der französischen Insel angekommen sei. Laut Polizei gab es dafür bis am Sonntagabend aber keine Zeugen.

100 Euro in der Hosentasche

Zuvor hatte der 43-Jährige in Marseille gemäss französischen Medienberichten an verschiedenen Automaten 7500 Euro bezogen. Am Montag schrieb er aus Marseille eine Postkarte an seine Frau, die sich von ihm scheiden lassen wollte. Darin brachte er zum Ausdruck, dass er ohne sie nicht leben könne.

Am Donnerstagabend kurz vor 23 Uhr wirft er sich im süditalienischen Cerignola vor den Zug. Das Auto steht abgeschlossen am Bahnhof. In seiner Hosentasche finden die Beamte 100 Euro. Doch einen Hinweis auf den Verbleib der Mädchen und den Rest des Geldes finden die Ermittler nicht.

Allein in Neapel

Die italienische Polizei bestätigte inzwischen, dass der 43-jährige Vater am Donnerstag um die Mittagszeit in Neapel gesehen wurde – nur wenige Stunden, bevor er sich das Leben nahm. Die Kinder hatte er da offenbar nicht mehr dabei, der Mann war alleine in Neapel gesichtet worden. Zwischen Korsika und Neapel gibt es mehrere Fährverbindungen. Die Ermittlungen werden nun auf dem französischen Festland und insbesondere auf Korsika fortgesetzt.

Das ganze Wochenende über suchten Ermittler in Italien, Frankreich und in der Schweiz nach den Mädchen. Dutzende Trupps von Feuerwehr und Polizei waren in Apulien mit Helikoptern und Suchhunden im Einsatz. Sie durchforsteten selbst Wälder und suchten in Brunnenschächten.

Urlaub ohne Probleme

Die Eltern der vermissten Zwillinge waren laut Polizei in einer schwierigen Trennungssituation. Die sechsjährigen Mädchen lebten bei der Mutter in St-Sulpice VD. Der Vater wohnte im gleichen Dorf und nahm sein Besuchsrecht jeweils am Wochenende wahr. Ende letzten Jahres habe er mit seinen Töchtern einen längeren Urlaub im Ausland verbracht - ohne Probleme.

Am vergangenen Sonntag brachte er die Kinder jedoch nicht mehr zurück und fuhr sie am Montag auch nicht zur Schule. Stattdessen verschwand er mit ihnen per Auto.

Testament aufgetaucht

Mit zusätzlichen Ermittlungen im Umfeld der Familie versuche die Polizei zu verstehen, was geschehen sein könnte, sagte Sprecher Jean-Christophe Sauterel zur SDA. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Sonntag meldete, haben Ermittler das Testament des 43-jährigen Vaters in St-Sulpice gefunden. Darin soll er festgehalten haben, wer sein Vermögen erbt: seine von ihm getrennte Frau, mehrere Verwandte und vor allem seine beiden Töchter.

Inzwischen sind die beiden Beamten, die nach Marseille geschickt worden waren, wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Die beiden nach Italien gesandten Polizisten sind hingegen noch immer vor Ort. Auch in Frankreich sei die Aufmerksamkeit, die der Fall namentlich in den wichtigsten Medien errege, gross, sagte Sauterel.

(meg/daw/sda)

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