Eier-Skandal: Bio-Betrug - Schweizer Händler könnten Opfer sein
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Eier-SkandalBio-Betrug - Schweizer Händler könnten Opfer sein

Deutsche Betriebe sollen bei Bio-Eiern im grossen Stil betrogen haben. Auch in Schweizer Produkten könnten die falschen Bio-Eier enthalten sein. Die Migros untersucht den Fall auf Hochtouren.

von
Valeska Blank

Die deutschen Harddiscounter Lidl und Aldi betonen, keine deutschen Bio-Eier zu verkaufen. (Video: Reuters)

Deutschland wird von einem neuen Lebensmittel-Skandal erschüttert. Angeblich sollen Millionen Bio-Eier verkauft worden sein, die den Bio-Stempel gar nicht verdient haben. Laut einem Bericht von Spiegel online ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt gegen Hunderte Betriebe, weil sie deutlich mehr Legehennen als erlaubt in ihren Ställen zusammenpferchten.

Der Schweizer Detailhandel scheint im Bereich der Frisch-Eier vorderhand nicht betroffen zu sein. Detailhändler wie Migros, Coop, Spar, Denner oder Lidl und Aldi verneinen, Bio-Eier aus Deutschland zu verkaufen.

Deutsche Eier in Frischprodukten

Etwas anders präsentiert sich die Lage bei Bio-Eiern in verarbeiteten Produkten. Die Migros räumt ein, dass verschiedene Bio-Frischprodukte Bio-Eier aus Deutschland enthalten. Es handelt sich dabei beispielsweise um Frischteigwaren, Backwaren oder Wähen. Zusätzlich führt die Migros Gebäck und Tiefkühlwaren im Sortiment, die Bio-Eier aus der EU enthalten.

Untersuchungen laufen

Seit dem «Spiegel»-Bericht laufen bei Migros die Untersuchungen auf Hochtouren, ob auch sie Opfer des deutschen Bio-Eier-Betrugs geworden ist. «Wir eruieren alle betroffenen Produkte und nehmen mit unseren Lieferanten Rücksprache, wo die Eier herkommen», sagt Sprecherin Monika Weibel auf Anfrage.

Auch verarbeitete Bio-Produkte von Coop könnten vom Skandal betroffen sein. Sie würden teilweise Bio-Verarbeitungseier aus dem Ausland enthalten, sagt Sprecherin Denise Stadler - grösstenteils aus Österreich und zu einem kleinen Teil aus Süddeutschland. «Ich lege jedoch Wert auf die Feststellung, dass auch bei ausländischen Produkten die strengen Richtlinien von Bio Suisse gelten», so Stadler.

Die bei Migros und Coop verkauften frischen Bio-Eier werden durch Bio Suisse kontrolliert (siehe Interview). Der Verband ist Eigentümer des Bio-Labels Knospe. Dessen Legehennen machen 95 Prozent der Schweizer Bio-Hühner aus.

«Kontrolle völlig versagt»

Die Schweizer Konsumentenschützerin Sara Stalder ist entsetzt über den systematischen Betrug in Deutschland: «Die Kontrollmechanismen haben ganz offensichtlich völlig versagt.» Dass ein Skandal dieses Ausmasses in der Schweiz möglich wäre, glaube sie nicht. Die Konsumentenschützerin räumt allerdings ein: «Es kommt aber auch in der Schweiz vor, dass auf einem Bio-Betrieb nicht ganz konform gearbeitet wird. » So werde etwa beim Auslauf für die Tiere gerade im Winter geschummelt.

Herr Jaun, können Schweizer Konsumenten sicher sein, dass Bio-Eier keine Mogelpackung sind wie in Deutschland?

Stephan Jaun*: Ja, darauf können sie vertrauen. Ein systematischer Betrug wie in Deutschland ist bei uns praktisch ausgeschlossen.

Warum?

Schweizer Bio-Betriebe unterliegen sehr strengen Kontrollen und auch die Auflagen sind für sie härter.

Was sind die wichtigsten Bio-Vorschriften?

In einem Stall unseres Knospe-Labels dürfen maximal 2000 Legehennen untergebracht sein. Die Tiere müssen regelmässigen Zugang zum Aussenbereich und zur Weide haben. Ausserdem müssen den Hennen Schattenplätze und ein Sandbad zur Gefiederpflege zur Verfügung stehen. Auch das Futter muss biologisch sein.

Wer kontrolliert, dass das alles eingehalten wird?

Bio Suisse arbeitet mit zwei unabhängigen Organisationen zusammen, die die Betriebe einmal jährlich auf die Einhaltung der Bio-Suisse-Richtlinien kontrollieren.

*Stephan Jaun ist Geschäftleitungsmitglied von Bio Suisse

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