10.10.2020 20:03

10 Prozent PreissenkungBio-Fleisch soll günstiger werden, damit die Verkäufe steigen

Die Nachfrage von Bio- und Labelprodukten stagniert. Der Tierschutz schlägt vor, dem mit einer Preissenkung entgegenzuwirken. Denn sinkt der Preis von Bioprodukten, greifen Schweizer stärker zu – vor allem beim Schweinefleisch.

von
Barbara Scherer
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Bio- und Labelfleisch unterstützt die artgerechte Haltung von Tieren.

Bio- und Labelfleisch unterstützt die artgerechte Haltung von Tieren.

KEYSTONE
Doch Bio-Fleisch kostet bis zu 50 Prozent mehr als konventionelles Fleisch.

Doch Bio-Fleisch kostet bis zu 50 Prozent mehr als konventionelles Fleisch.

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Darum stagniert der Absatz nach Bio- und Labelprodukten, wie Agroscope schreibt.

Darum stagniert der Absatz nach Bio- und Labelprodukten, wie Agroscope schreibt.

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Darum gehts

  • Der Verkauf von Bio- und Labelfleisch soll angekurbelt werden.
  • Laut einer Studie von Agroscope im Auftrag des Schweizer Tierschutzes braucht es dafür eine Preissenkung.
  • Besonders Schweinefleisch aus artgerechter Haltung könnte dadurch mehr verkauft werden.

Wer Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung essen will, muss oft tiefer ins Portemonnaie greifen. So kosten Bio-Produkte in der Schweiz gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft bis zu 50 Prozent mehr als konventionelles Fleisch. Die höheren Preise schrecken laut einer Studie von Agroscope im Auftrag des Schweizer Tierschutzes (STS) ab: Der Absatz nach Bio- und Labelprodukten stagniert.

Das liesse sich mit einer Preissenkung rasch ändern, wie Agroscope schreibt. Agroscope ist das Zentrum für landwirtschaftliche Forschung und gehört zum Departement von Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Sinkt etwa der Preis von Bio-Schweinefleisch um nur 10 Prozent, würde fast ein Drittel mehr verkauft. 280’000 zusätzliche Schweine könnten dadurch in artgerechter Tierhaltung leben, rechnen die Autoren vor.

Huhn und Rind sind trotz Preissenkung zu teuer

Ob und wie viel mehr Fleisch aus artgerechter Haltung bei günstigeren Preisen gekauft würde, hängt von der Tierart ab: Sinkt der Preis von Bio-Rindfleisch um 10 Prozent, steigt der Absatz bis zu 27 Prozent, wie es in der Agroscope-Studie heisst.

Damit könnten rund 8000 weitere Tiere in einer artgerechten Haltung leben. Beim Bio-Geflügelfleisch stiege die Nachfrage hingegen nur ein paar wenige Prozent, wenn der Preis um 10 Prozent gesenkt würde.

Das liegt laut Agroscope wohl daran, dass die Preisunterschiede zwischen konventioneller Ware und Labelfleisch bei Rind und Huhn ausgeprägter sind als beim Schweinefleisch. Rind- und Hühnerfleisch aus artgerechter Haltung bleiben laut Agroscope trotz Preissenkung für viele Schweizer zu teuer.

Keine Dumpingpreise erlauben

Um die Preise von Bio-Fleisch zu senken, müsste laut Schweizer Tierschutz STS die Margen im Handel gesenkt werden. «Gleichzeitig muss Schluss sein mit Dumpingpreisen bei den konventionellen Produkten», sagt Stefan Flückiger, Geschäftsführer Agrarpolitik vom STS.

Die Preise für Fleisch aus konventioneller Haltung müssen laut Tierschutz steigen. «Besonders bei den Discountern», so Flückiger. Aldi Suisse wehrt sich gegen diesen Vorwurf: «Wir haben keine Dumpingpreise», sagt ein Pressesprecher.

Zwar wolle Aldi den Kunden die besten Preise anbieten, gleichzeitig lege man aber grossen Wert auf den Tierschutz – auch bei konventionellen Produkten. Der Preis des Fleisches richte sich stets nach dem Markt.

Bio-Sortiment soll ausgebaut werden

Dass Bio- und Labelfleisch teurer ist, liegt laut Migros an der Produktion. Es treffe nicht zu, das Migros mit Labelfleisch eine höhere Marge erziele als mit konventionellen Produkten, sagt ein Sprecher.

Das Sortiment werde zudem insbesondere im Label-Bereich stetig vergrössert. «Die Migros will Bio-Produkte einem grösseren Personenkreis zugänglich machen», erklärt ein Sprecher.

Coop weist bereits den höchsten Labelanteil im Schweizer Detailhandel auf. Zudem setze man sich bei allen Produkten für faire und marktgerechte Preise ein – «sowohl gegenüber den Produzenten wie auch gegenüber unseren Kunden». Dass Coop mehr an Label- und Biofleisch verdiene als an konventionellem Fleisch, weist der Detailhändler zudem zurück.

Hofschlachtungs-Label

Seit dem 1. Juli erlaubt der Bundesrat Bauern, dass sie ihre Tiere direkt auf dem Hof oder der Weide betäuben und ausbluten lassen dürfen. Die Tiere müssten für die Tötung demnach nicht mehr zwingend zu einem Schlachthof gefahren werden. Der Tierhalter braucht dafür jedoch eine Bewilligung des Kantons. Laut Bund soll den Tieren damit unnötiger Stress durch den Transport und die ungewohnte Umgebung im Schlachtbetrieb erspart werden. Ein Label gibt es dafür aber noch nicht. In der Bio-Bewegung arbeiten aber bereits einige Akteure auf die Gründung des Labels «Hofschlachtung Schweiz» hin. Auch Bio Suisse würde ein Hofschlatungs-Label unterstützten.

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121 Kommentare
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11.10.2020, 21:32

Fleisch kaufen wir etwas günstiger in Deutschland beim Metzger.

Chrigi Pp.

11.10.2020, 20:42

Viele schreiben Fleisch sollte teurer werden. Macht es Sinn dass alle Vegetarier werden und etwas Fleisch nur noch für reiche bestimmt wird. Heutzutage können die Hälfte sich fast kein Fleisch mehr leisten. Genau ihr seid Schuld das die Hälfte verarmt ist. Und Übrigens Fleisch ist genauso wichtig für die Ernährung. Sag du mal einem Kind es gibt kein Fleisch weil wir kein Geld haben, sobdern nur Salat und Brot. Danke auch

Einkäufer

11.10.2020, 18:52

Coop und Migros freuen sich ab den Margen. Bio Fleisch hat die grösste Marge! Haha!