Poulet-Skandal: Bio Suisse spritzt Küken Gentech-Impfstoff
Aktualisiert

Poulet-SkandalBio Suisse spritzt Küken Gentech-Impfstoff

Der Bio-Dachverband lässt Gentech-Impfungen für Küken zu – entgegen den eigenen Richtlinien und ohne jegliche interne Kommunikation.

von
Noah Zygmont
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Schweizer Bio-Küken bekommen einen gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt. Er soll vor Geflügelseuche und anderen hochansteckenden Viren schützen. Mit der Zulassung für diese Impfung verstösst der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe Bio Suisse gegen seine eigenen Vorschriften.

Schweizer Bio-Küken bekommen einen gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt. Er soll vor Geflügelseuche und anderen hochansteckenden Viren schützen. Mit der Zulassung für diese Impfung verstösst der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe Bio Suisse gegen seine eigenen Vorschriften.

SRF
Für sie gehöre der Verzicht auf Impfstoffe zu den «Grundsätzen des Biolandbaus». Gemäss diesen Richtlinien müssten Medikamente und Impfstoffe gentechfrei gehalten werden.

Für sie gehöre der Verzicht auf Impfstoffe zu den «Grundsätzen des Biolandbaus». Gemäss diesen Richtlinien müssten Medikamente und Impfstoffe gentechfrei gehalten werden.

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Der Vorstand von Bio Suisse und Präsident Urs Brändli werden jetzt von eigenen Mitarbeitern heftig kritisiert. «Wir befanden uns in einem extremen Dilemma. Wir haben gesehen, dass tausende Tiere gestorben sind. Deshalb haben wir uns dann fürs Tierwohl und für die Impfung entschieden», sagt Brändli.

Der Vorstand von Bio Suisse und Präsident Urs Brändli werden jetzt von eigenen Mitarbeitern heftig kritisiert. «Wir befanden uns in einem extremen Dilemma. Wir haben gesehen, dass tausende Tiere gestorben sind. Deshalb haben wir uns dann fürs Tierwohl und für die Impfung entschieden», sagt Brändli.

Wolfgang Runge

Schweizer Bio-Küken kriegen einen gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt. Er soll vor Geflügelseuche, einem hochansteckenden Virus schützen. Mit der Zulassung für diese Impfung verstösst der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe Bio Suisse gegen seine eigenen Vorschriften, wie Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau» nun zeigen. Für sie gehöre der Verzicht auf Impfstoffe zu den «Grundsätzen des Biolandbaus». Gemäss diesen Richtlinien müssten Medikamente und Impfstoffe gentechfrei gehalten werden.

Der Vorstand von Bio Suisse und Präsident Urs Brändli werden jetzt von eigenen Mitarbeitern heftig kritisiert. «Wir befanden uns in einem extremen Dilemma. Wir haben gesehen, dass tausende Tiere gestorben sind. Deshalb haben wir uns dann fürs Tierwohl und für die Impfung entschieden», sagt Brändli. Leider gebe es in den Richtlinien keine Angaben zu Notfällen, aber: «Das war ein Notfall, wir mussten sofort handeln», wehrt sich Brändli zum kritischen Bericht der eigenen Kontrolleure. Die Geflügelseuche Gumboro habe sich immer schneller verbreitet, der ordentliche Kommunikationsweg habe nicht mehr eingehalten werden können.

«Bio Suisse stellt die Glaubwürdigkeit des Labels in Frage»

Laut dem Bericht hat der Vorstand den Entscheid «bewusst» nicht breit kommuniziert, weil es ein «heikles Thema» sei. Diese Informationspolitik hinterfragen auch die Bio-Suisse-Geschäftsprüfer. Die interne Geschäftsprüfungskommission (GPK) findet, dass der Vorstand damit seine Kompetenzen überschritten habe. Er habe kein Recht gehabt, diesen Entscheid zu treffen.

«Bio Suisse stellt die Glaubwürdigkeit des Labels ein Stück weit infrage. Man wollte das unter dem Deckel halten», sagt Martina Munz, Präsidentin der Schweizer Allianz Gentechfrei. Präsident Brändli wehrt sich gegen Vorwürfe, die Konsumenten nicht informiert zu haben: «Knospenprodukte sind und bleiben gentechfrei.» Das gelte auch für die geimpften Hühner.

Der gentechnisch veränderte Impfstoff vermehre sich in den Ansätzen der Hühnerfedern, sagt die Tierärztin und Geflügelexpertin Karin Kreyenbühl. Bis zur Schlachtung lasse sich der Stoff nur in sehr geringen Mengen nachweisen. Nachdem sie gerupft worden seien, würden allfällige Spuren von gentechnisch verändertem Material beim Knochen zerfallen. Im fertigen Fleisch, das zum Verkauf steht, sollten sich daher keine Rückstände befinden.

Schweizer Detailhändler verkaufen «Impf-Poulet»

Auch Bio-Poulets von Coop und Migros werden mit diesem Impfstoff behandelt. Die Migros verzichtete gegenüber der «Rundschau» auf eine Stellungnahme. Coop schreibt: «Unsere Produzenten halten sich an die Vorgaben der Bio Suisse und erfüllen damit weiterhin die strengsten Bio-Richtlinien der Schweiz.»

Der Vorstand muss jetzt das umstrittene Geschäft an der Delegiertenversammlung von Bio Suisse am 14. November 2018 in Olten vorlegen, weil die befristete Zulassung von der GPK als unzulässig beurteilt wurde. Die Recherche der «Rundschau» wird heute Abend auf SRF 1 ausgestrahlt.

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