Statt im Schlachthof: Biobauern wollen Rinder auf der Weide erschiessen
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Statt im SchlachthofBiobauern wollen Rinder auf der Weide erschiessen

Statt Rinder auf dem Weg zum Schlachthof Stress auszusetzen, fordern Biobauern, dass Vieh künftig auf dem Hof getötet wird. Bund und Tierschutz sind dagegen.

von
nj
Gewehr- statt Bolzenschuss: Bauern fordern für Kühe die Tötung auf der Weide statt im Schlachthof.

Gewehr- statt Bolzenschuss: Bauern fordern für Kühe die Tötung auf der Weide statt im Schlachthof.

Es gehe bei der Weideschlachtung um Tierschutz und Fleischqualität, sagt Eric Meili vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl). Stress und Todesangst beim Transport und im Schlachthof seien nicht nur nicht tierfreundlich, sondern würden auch die Qualität von Entrecôte, Filet & Co. beeinträchtigen.

Der Agronom hält selber Rinder. Bei der Tierhaltung geht Meili ungern Kompromisse ein. «Kein Kraftfutter, kein Mais in der Mast und gezielte Genetik», fasst er in der «Süddeutschen Zeitung» sein Erfolgsprogramm zusammen. Aber auch wenn es ums Sterben geht, haben es Meilis Rindviecher verhältnismässig gut: Er übt vorher mit den Tieren den Transport und begleitet sie auf ihrem letzten Weg. Damit sie die Schreie der anderen Rinder nicht hören müssen, kommen seine Tiere immer erst am Ende des Tages zum Schlachter.

Todesschuss mit Schalldämpfer

Trotzdem: Für Meili ist das keine befriedigende Lösung. Gemeinsam mit einem Biobauern setzt er sich deshalb für die Weideschlachtung ein. Die Rinder sollen noch auf der Wiese den Todesschuss erhalten. Aus dem Gewehr eines ausgebildeten Jägers. «Es ist nicht gemeint, dass die Bauern ihre Flinten aus dem Schrank nehmen sollen.» Eine weitere Voraussetzung für die Weideschlachtung sei die Verwendung eines Schalldämpfers. «Der Jäger geht aus nächster Nähe vorbei, zielt auf den Kopf, drückt ab, zack, puff», wird Meili im Artikel zitiert. Liege das Vieh am Boden, sacke es noch nicht einmal zusammen.

Der Bauernverband unterstützt Meilis Ansinnen nicht. «Man hat nicht umsonst Schlachthof-Infrastruktur mit all den Hygienevorschriften aufgebaut», sagt Thomas Jäggi, Stv. Leiter Geschäftsbereich Viehwirtschaft. In Einzelfällen wäre es zwar umsetzbar, für die grosse Masse aber untauglich. «Es kann ja nicht auf jeder Weide mit Schusswaffen hantiert werden. Das wäre heute zu gefährlich für Passanten.» Wichtig sei vielmehr, dass der Tierschutz bei der herkömmlichen Schlachtung und beim Transport eingehalten werde.

Tierschutz ist nicht begeistert

Dieser Meinung ist auch Hansueli Huber vom Schweizerischen Tierschutz STS: «Es wäre viel sinnvoller, für kurze Transportwege zu sorgen und in Randregionen in die Anpassung oder den Neubau von kleineren Schlachtanlagen zu investieren», meint er.

Das Veterinäramt Zürich hat das Begehren von Meili und seinen Unterstützern, zu denen unter anderem die Tierschutzorganisation Vier Pfoten gehört, abgelehnt. «Die heute bestehenden Regeln zum Transport und dem Tierschutz in der Schlachtung sind sehr umfassend; die Einhaltung wird auch immer wieder geprüft. Einen weiteren Handlungsbedarf sehe ich hier nicht. Zudem kann der einzelne Tierhalter den Schlachtort beeinflussen, so dass dieser möglichst nahe liegt», sagt Kantonstierärztin Regula Vogel.

Die Initianten wollen aber noch nicht aufgeben und prüfen derzeit, ob sie diesen Entscheid anfechten wollen.

Eric Meili ist Agronom. Er arbeitet am Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau und hält selbst Rinder.

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