Gute Wespe entdeckt: Biologische Sensation lässt Forscher jubeln
Aktualisiert

Gute Wespe entdecktBiologische Sensation lässt Forscher jubeln

Im Kanton Bern ist per Zufall eine neue Wespenarten gefunden worden. Sie könnte bald Schädlingen den Garaus machen.

von
Nadine Ellis
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Die neuentdeckte Erzwespe Pteromalus briani gehört zu den parasitischen Wespen und legt ihre Eier in Raupen oder Puppen anderer Insekten. Der Winzling - die Wespe ist 3 Millimeter gross - gehört jedoch zu den Nützlingen.

Die neuentdeckte Erzwespe Pteromalus briani gehört zu den parasitischen Wespen und legt ihre Eier in Raupen oder Puppen anderer Insekten. Der Winzling - die Wespe ist 3 Millimeter gross - gehört jedoch zu den Nützlingen.

Lisa Schäublin/NMBE
Der Berner Insektenforscher Hannes Baur hat die neue Wespenart genauer unter die Lupe genommen und erfasst. Erzwespen werden bereits erfolgreich in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Der Berner Insektenforscher Hannes Baur hat die neue Wespenart genauer unter die Lupe genommen und erfasst. Erzwespen werden bereits erfolgreich in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Lisa Schäublin/NMBE
Die neue Erzwespenart hatte ein besonders lauschiges Plätzchen für ihre Nachkommen ausgesucht - eine Mitarbeiterin des Naturhistorischen Museums in Bern fand die Wespen in einer Autobahn-Unterführung bei Niederwangen unterhalb der A12.

Die neue Erzwespenart hatte ein besonders lauschiges Plätzchen für ihre Nachkommen ausgesucht - eine Mitarbeiterin des Naturhistorischen Museums in Bern fand die Wespen in einer Autobahn-Unterführung bei Niederwangen unterhalb der A12.

Lisa Schäublin/NMBE

Wissenschaftler wie Insektenforscher Hannes Baur sind derzeit aus dem Häuschen: Grund ist eine neu entdeckte Erzwespen-Art, die nun den Namen den «Pteromalus briani» trägt. «Die Schweiz ist ein Land mit gründlich erforschter Fauna. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Wissenschaftler eine neue Spezies entdecken», frohlockt das Naturhistorische Museum Bern in einer Mitteilung.

Und die neue Wespe könnte erst noch zum Segen der Menschen sein: «Die neue Wespenart gehört zu den parasitischen Erzwespen und ist somit ein Nützling», erklärt Hannes Baur. In der biologischen Schädlingsbekämpfung würden Erzwespen sogar bereits erfolgreich eingesetzt.

3-Millimeter-Winzling ohne Stachel

Zu Gesicht wird man die neue Superwespe allerdings kaum bekommen: «Die Wespe Pteromalus briani ist winzig klein und ohne Mikroskop kaum zu erkennen. Man würde eher meinen, dass es sich beim 3-Millimeter-Winzling um eine kleine Fliege handelt», sagt Baur, der im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern als Insektenforscher arbeitet.

Entdeckt wurde die Pteromalus briani zufällig: in Niederwangen bei Bern in einer Autobahn-Unterführung. Eine Museumsmitarbeiterin fand eine Puppe eines Schmetterlings. Doch statt eines Schmetterlings schlüpften später zwischen 50 und 60 Wespen. Ein weiteres Mal wurde die Erzwespe von einer Maturandin in Kien bei Thun entdeckt, als sie für ihre Maturarbeit Raupen des Kleinen Fuchses sammelte. Und auch dieser entschlüpften – zur grossen Überraschung der Maturandin – nur kleine Wespen derselben Art. Im Wallis wurde ebenfalls eine neue Erzwespe gefunden, sie heisst «Pteromalus janstai».

«Ein bisschen wie im Film Alien»

Zur grossen Freude des Insektenforschers landeten beide Funde anschliessend auf seinem Tisch. Der Wespenexperte stellte so fest, dass eine neue Erzwespen-Art vor ihm lag. «Es handelt sich nicht um einen Mutation oder eine eingewanderte Art, sondern um eine heimische Erzwespe, die bisher unter dem Radar durchgerutscht war», so Baur.

«Normale Wespen leben bis zu einigen Monaten lang, bauen ihre Nester aus Papier und versorgen ihre Brut», so Baur. Die neuentdeckten Erzwespen, wie auch die anderen parasitischen Wespen, stechen jedoch in die Puppe eines Schmetterlings und legen darin mehrere Eier ab, aus denen 50 bis 60 Larven schlüpfen, wie der Insektenforscher erklärt. Die Larven fressen anschliessend das Insekt auf – «ein bisschen wie im Film Alien».

Dieses schaurige Vorgehen macht man sich in der biologischen Schädlingsbekämpfung zunutze: «Weltweit werden bereits parasitische Wespen im Labor gezüchtet und dann im Treibhaus oder auf dem Feld eingesetzt», so Baur. Ein Einsatz lohne sich besonders bei der Bekämpfung von Parasiten, die keine natürlichen Feinde hätten. Dabei sei es wichtig, die richtige Wespenart auf eine bestimmte Schädlingsart anzusetzen. Und dies scheint gemäss dem Insektenforscher zu funktionieren: «Dank der Wespen konnte man schon grosse Erfolge verbuchen – und dies ganz ohne Chemie.»

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