«Biontech-Leaks»: Biontech-Forscher sollen Rezept für Corona-Impfstoff leaken
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«Biontech-Leaks»Biontech-Forscher sollen Rezept für Corona-Impfstoff leaken

Damit auch in Ländern des globalen Südens bald geimpft werden kann: Das Aktivistenkollektiv «Peng!» fordert Biontech-Mitarbeitende dazu auf, ihr Impfstoffwissen mit der Welt zu teilen.

von
Daniel Krähenbühl
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Mit einer Plakataktion in Mainz und Marburg, den Produktionsstandorten von Biontech, werden die Mitarbeitenden zum Teilen des Impfstoff-Rezepts aufgefordert. 

Mit einer Plakataktion in Mainz und Marburg, den Produktionsstandorten von Biontech, werden die Mitarbeitenden zum Teilen des Impfstoff-Rezepts aufgefordert.

«Peng!»
Verantwortlich für die Aktion ist das deutsche Polit-Kollektiv «Peng!»

Verantwortlich für die Aktion ist das deutsche Polit-Kollektiv «Peng!»

«Peng!»
«Wir wollen damit eine Debatte anstossen», sagt der Projektsprecher von «Peng!», Robin Barnabas. «Was wiegt schwerer: Der Verrat von Firmengeheimnissen oder willentlich das Leben von tausenden Menschen aufs Spiel zu setzen?»

«Wir wollen damit eine Debatte anstossen», sagt der Projektsprecher von «Peng!», Robin Barnabas. «Was wiegt schwerer: Der Verrat von Firmengeheimnissen oder willentlich das Leben von tausenden Menschen aufs Spiel zu setzen?»

«Peng!»

Darum gehts

  • Die Pharma-Firma Biontech hat einen Corona-Impfstoff entwickelt, der bereits in zahlreichen Ländern zum Einsatz kommt.

  • Bisher haben sich die westlichen Länder den Grossteil der Impfstoffe gesichert.

  • Länder aus dem globalen Süden haben das Nachsehen und müssen teilweise noch Jahre auf den Impfstoff warten.

  • Das Polit-Kollektiv Peng hat darum die Kampagne «Biontech-Leaks» gestartet.

Eine Forscherin in weissem Kittel und mit verschränkten Armen, die streng von einem Plakat blickt. Neben ihr prangt in pinker Neonschrift folgender Spruch: «Deine Arbeit kann Leben retten – oder Profite maximieren.» Darunter die explizite Aufforderung: «Leake den Biontech-Impfstoff» mit dem Hinweis auf die Website biontech-leaks.org, die zur Enthüllungsplattform ddosecrets weiterleitet.

Verantwortlich für die Aktion ist das deutsche Polit-Kollektiv «Peng!», das sich – angesichts der weltweit ungleichen Verteilung der Impfstoffe – mit Plakaten direkt an die Biontech-Mitarbeitenden in Mainz und Marburg, den Produktionsstandorten von Biontech, gewendet hat. Die Mitarbeitenden werden dazu aufgefordert, das Wissen über die Impfstoffherstellung zu teilen. Zudem soll Biontech den Patentschutz aussetzen, damit dieses Wissen auch angewendet werden darf.

Abhängigkeit von der Produktionskapazität einzelner Firmen

«Wir wollen damit eine Debatte anstossen», sagt der Projektsprecher von «Peng!», Robin Barnabas. «Was wiegt schwerer: Der Verrat von Firmengeheimnissen oder willentlich das Leben von tausenden Menschen aufs Spiel zu setzen?» In dieser globalen Corona-Krise mit Millionen von Infizierten und hunderttausenden von Toten, hänge die Gesundheit und das Überleben vieler Menschen von der Produktionskapazität einzelner Unternehmen ab, sagt Barnabas. «Und obwohl der Staat die Impfstoffproduktion mit bis zu 375 Millionen Euro unterstützt hat, geht es den Firmen nur um die Profitmaximierung.»

«Fatal» sei die Situation vor allem für den globalen Süden. «Während die Bevölkerung der reicheren Länder bereits Ende 2021 vollständig geimpft ist, müssen die Bewohner afrikanischer, asiatischer und südamerikanischer Länder bis 2023 auf die Impfung warten.» Das wiederum begünstige die Entstehung von Mutationen und könne eine weltweite Beendigung der Pandemie unnötig verschleppen.

In der Sackgasse des «Impf-Nationalismus»

Grund dafür sei unter anderem der Widerstand seitens USA, der EU und auch der Schweiz gegen eine Aufweichung des Patentschutzes. Südafrika, Indien und weitere 100 Staaten forderten bei der Welthandelsorganisation WTO die Aussetzung von Patenten auf Corona-Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika – jedoch ohne Erfolg. Sie argumentieren, dass andere Staaten nicht in der Lage seien, den komplexen Impfstoff zu produzieren, und dass ihnen dazu die Infrastruktur und das Know-how fehlten. Zudem sei der Patentschutz als Innovationsmotor für die Schweizer Wirtschaft extrem wichtig: So hat die Schweiz die meisten europäischen Patentanmeldungen pro Kopf.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die Impfstoffverteilung in der Vergangenheit bereits mehrmals scharf kritisiert. Laut Ghebreyesus steckt die Welt in einer Sackgasse des «Impf-Nationalismus». Auch Organisationen wie Amnesty International Schweiz und Public Eye sowie die Juso fordern den Bundesrat dazu auf, die von über 100 Ländern vorgeschlagene Suspendierung des Urheberrechtsschutzes zu unterstützen.

Profit mit Impfstoffen

Wie der Pharmakonzern Pfizer kürzlich mitgeteilt hat, rechnet er in diesem Jahr – allein mit dem Verkauf von Covid-19-Impfstoffen – mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar. Der US-Pharmariese hat den Corona-Impfstoff gemeinsam mit der deutschen Firma Biontech entwickelt. Wie Albert Bourla, der Geschäftsführer von Pfizer, sagte, sei es ein «zunehmend wahrscheinliches Szenario», dass es wegen den auftretenden Mutationen Auffrischungsimpfungen brauche. Dies würde zu einer «dauerhaften» Einnahmequelle führen. Biontech selbst hat noch nicht bekannt gegeben, wann das Unternehmen Zahlen für das Jahr 2020 vorlegt.

Wie die Organisation ddoSecrets auf Anfrage von 20 Minuten bekannt gibt, habe man bisher noch keine geheimen Informationen von Biontech-Mitarbeitenden erhalten.

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