Identische Messwerte : Bioresonanz-Geräte unterscheiden nicht zwischen Leiche und Fleischkäse
Publiziert

Identische Messwerte Bioresonanz-Geräte unterscheiden nicht zwischen Leiche und Fleischkäse

Die Bioresonanztherapie ist eine alternative Behandlungsmethode diverser Krankheiten. Wissenschaftlich belegt ist sie nicht. Ein Kinderarzt hat einen Test entwickelt, der den Schwindel um die Methode entlarven soll.

von
Katja Fässler
1 / 3
Alternativmedizin und Schulmedizin kommen nicht immer auf einen grünen Zweig: Blick in ein Untersuchungszimmer im Ärztezentrum Oberhasli in Meiringen. (Symbolbild) 

Alternativmedizin und Schulmedizin kommen nicht immer auf einen grünen Zweig: Blick in ein Untersuchungszimmer im Ärztezentrum Oberhasli in Meiringen. (Symbolbild)

KEYSTONE
Laut einer Studie eines Ärzteteams kann die Biodiagnostik nicht einmal zwischen Lebenden und Leichen unterscheiden …

Laut einer Studie eines Ärzteteams kann die Biodiagnostik nicht einmal zwischen Lebenden und Leichen unterscheiden …

KEYSTONE
… auch schnitt der Leberkäse, vergleichbar mit dem Fleischkäse, in den Messungen im sogenannten Gedächtnis-Index besser ab als ein Studienautor. 

… auch schnitt der Leberkäse, vergleichbar mit dem Fleischkäse, in den Messungen im sogenannten Gedächtnis-Index besser ab als ein Studienautor.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Die Bioresonanz-Methode ist in der Zusatzversicherung bei den meisten Krankenkassen anerkannt.
  • Wissenschaftliche Belege für ihre Wirkung gibt es nicht.
  • Eine Studiengruppe hat einen skurrilen Test entwickelt, um die falschen Versprechen der Methode aufzudecken.

Die einen schwören darauf, die anderen halten sie für Betrug: Bei der Bioresonanztherapie, einer Schwingungstherapie, die unter anderem Abwehr- und Selbstheilungskräfte stärken soll, scheiden sich die Geister. Der pensionierte deutsche Arzt Walter Dorsch versucht seit Jahrzehnten, Bevölkerung, Politik und Krankenkassen darüber aufzuklären, dass sich die Methode weder für die Diagnose noch die Behandlung von Krankheiten eignet. Er und eine Reihe weiterer Ärzte proklamieren, dass regelmässig Falschdiagnosen aufgrund der Biodiagnostik erstellt wurden, wie etwa angebliche Nahrungsmittelintoleranzen oder Allergien, wie es in einem Bericht der Redaktion Tamedia (Artikel kostenpflichtig) heisst.

Um diese Aussagen unter Beweis zu stellen, haben Dorsch und seine Kollegen zwei Bioresonanz-Geräte an neun freiwilligen Probanden, bestehend aus vier Frauen und fünf Männern, getestet. Einer von ihnen hat Blutkrebs, Diabetes und einen chronischen Leberschaden, ein weiterer musste die Prostata aufgrund einer Krebsdiagnose entfernen lassen. Ausserdem mit dabei bei dem Test: eine Leiche, ein Leberkäse und ein feuchtes Tuch. Die Resultate wurden im «Allergo-Journal» veröffentlicht.

Leiche war lebendig und gesund

Die Geräte erkannten demzufolge nicht, welcher der Teilnehmer schwer krank war, auch keine leichten Allergien bei gesunden Testpersonen. Sogar die Leiche war gemäss den Testergebnissen lebendig und gesund. Lediglich Mangelerscheinungen und Belastungen, etwa elektromagnetische Strahlung, erkannte das Gerät.

Zusammenfassend heisst es im Bericht: Sobald Alter, Geschlecht, Körpergrösse und Gewicht gleich waren, resultierten praktisch identische Messwerte, egal ob gesund, krank, Leberkäse, nasses Tuch oder tot. Bei einer Messung mit Leberkäse war der sogenannte Gedächtnis-Index des Fleischbräts sogar besser als derjenige von Studienautor Dorsch, der ebenfalls als Proband teilgenommen hatte.

Die Studienautoren betonen in ihrer Veröffentlichung, dass sie nicht alle Anwender als Betrüger blossstellen wollen. «Sie sind möglicherweise selbst Betrogene. Mit unseren Testverfahren könnten sie sich schützen», heisst es.

Deine Meinung