Gewagter Versuch: Biotherm wirbt auf Thurgauerisch
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Gewagter VersuchBiotherm wirbt auf Thurgauerisch

Die Edel-Kosmetik-Marke Biotherm setzt im neuen Werbespot auf den Thurgauer Dialekt. Obwohl der nachweislich der unbeliebteste ist.

von
Michèle Vaterlaus/Sascha Schmid

Eine neue TV-Werbung irritiert die Ohren der Zuschauer: Eine zierliche Frau wirbt für eine Gesichts-Creme von Biotherm, die Stimme aus dem Off ist aber alles andere als zierlich, sondern bodenständig thurgauerisch. Das ist gewöhnungsbedürftig: «Im Fernsehen hört man meist den neutraleren Dialekt aus dem Mittelland – auch Bahnhofbuffet-Olten-Dialekt genannt», sagt Sprachwissenschafter Iwar Werlen von der Uni Bern. In einer Studie hatte er ermittelt, dass der Thurgauer Dialekt der unbeliebteste der Schweiz ist. Das wissen auch die Werber. «In einer nationalen Kampagne ist das sehr gewagt», so Regula Fecker, Werberin des Jahres 2010. Ihr Kollege Frank Baumann meint: «Ich wäre nie auf die Idee gekommen, den Thurgauer Dialekt zu nehmen.»

Am Biotherm-Hauptsitz in Genf ist man sich durchaus bewusst, dass die Sprachwahl speziell ist. «Vielleicht stutzen die Zuschauer, aber das ist durchaus beabsichtigt», sagt Produktmanager Eric Stucky. Die Werbung wirke spontaner und natürlich. Seines Wissens sei Biotherm die erste Luxus-Kosmetikmarke, die hauptsächlich Werbung auf Schweizerdeutsch macht.

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