Beispielloser «Schweizer Banker»: Birkenfeld hofft dem Gefängnis zu entrinnen
Aktualisiert

Beispielloser «Schweizer Banker»Birkenfeld hofft dem Gefängnis zu entrinnen

Der Vergleich zwischen der Schweiz und den USA im Steuerstreit lässt auch den ehemaligen UBS-Kundenberater Bradley Birkenfeld hoffen. Sein Anwalt verlangt, Birkenfeld solle wegen seiner Auskünfte, die den Stein ins Rollen brachten, vor einer Gefängnisstrafe bewahrt bleiben. Er habe den US-Behörden weit mehr geholfen als geschadet.

Die Rolle von Birkenfeld als «erster Schweizer Banker, der den Vorhang eines internationalen Finanzskandal im Zusammenhang mit dem Schweizer Bankgeheimnis lüftet» sei beispiellos, schreibt der Anwalt in einer Eingabe beim Gericht in Fort Lauderdale, Florida. Von 2005 bis 2007 habe Birkenfeld aus eigenem Ansporn die Behörden wiederholt auf die illegalen Praktiken der UBS aufmerksam gemacht.

«Licht ins Dunkel bringen»

Seine Bemühungen und Kontakte mit den US-Beamten reflektierten eine Person, die ganz klar Licht in eine dunkle Angelegenheit habe bringen wollen und seine Verantwortung nicht scheue, heisst es im Gerichtsdokument, das der Nachrichtenagentur SDA vorliegt.

Das lange Schreiben will darlegen, wie durch Birkenfelds Informationen am Ende die Vergleiche zwischen der Schweiz, den USA und der UBS zustande kamen. Aufgezählt wird auch genau, was Birkenfeld den Justizbehörden bezüglich der UBS mitgeteilt hat.

Fünf Jahre auf Bewährung

Birkenfelds Anwälte Robert Stickney und David Meier legen dem Gericht weitere Argumente vor, warum Birkenfeld vor einer Gefängnisstrafe verschont werden sollte und stattdessen fünf Jahre auf Bewährung mit einer Periode Hausarrest erhalten sollte.

Birkenfeld sei sich seiner Schuld bewusst. Das Schweizer Bankgeheimnis sei aber derart kompliziert und tiefgreifend, dass er die Illegalität seiner Handlungen lange nicht erkannt habe. Bald nach der Erkenntnis habe er seine Vorgesetzten darauf aufmerksam gemacht, dann gekündigt und sich schliesslich an die Behörden gewandt.

Der eheamlige Banker habe bereits 15 Monate unter strengster Aufsicht und mit einer Fussfessel hinter sich. Er habe keine kriminelle Vergangenheit, die Bevölkerung müsse nicht vor ihm geschützt werden, schreiben die Anwälte weiter.

Keine berufliche Zukunft

Eine Zukunft gebe es für ihn im finanziellen Sektor keine. Noch 2008 hätten nur Familie und Freunde den 44jährigen Mann gekannt. Heute habe er wegen der Anklage und dem Geständnis in weiten Kreisen eine traurige Berühmtheit erreicht.

Die Kosten, die den USA aus Birkenfelds Fehlverhalten entstanden seien, seien durch das Geständnis des Milliardärs Igor Olenicoff, der auf Grund Birkenfelds Informationen überführt werden konnte, gedeckt. Olenicoff musste 52 Millionen Dollar an Steuerschulden und Bussen zahlen.

Schliesslich argumentieren die Anwälte, eine Gefängnisstrafe für Birkenfeld würde andere reuige Banker davon abhalten, sich den Behörden zu stellen und unsaubere Bankpraktiken aufzuzeigen.

Birkenfelds Strafmass soll am Freitagmorgen von Richter William Zloch in Florida verkündet werden. Die Anklage fordert eine Haftstrafe von 30 Monaten. (sda)

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