Eigene Geschäfte: Bis 2004 gab es bei der SNB gar kein Reglement

Aktualisiert

Eigene GeschäfteBis 2004 gab es bei der SNB gar kein Reglement

Erst seit acht Jahren sind Devisendeals der Notenbanker geregelt. Davor bestand bloss eine «grundlegende Ethik» - die den SNB-Chefs sicher keine Devisenkäufe erlaubt hätte.

von
Elisabeth Rizzi
Eine Überprüfung von Pricewaterhouse Coopers hat keine Reglementsverletzung bei den Devisengeschäften von Philipp Hildebrand und seiner Gattin Kashya festgestellt.

Eine Überprüfung von Pricewaterhouse Coopers hat keine Reglementsverletzung bei den Devisengeschäften von Philipp Hildebrand und seiner Gattin Kashya festgestellt.

Philipp Hildebrand ist Opfer seines eigenen Eifers geworden. Er war es nämlich, der gleich nach seinem Amtsantritt 2010 das Eigenhandelsregelement überarbeiten liess. Sein Vorgänger Jean-Pierre Roth hatte erstmals 2004 veranlasst, dass Ver- und Gebote für Eigengeschäfte im erweiterten Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schriftlich festgehalten wurden (die SNB weigert sich trotz der Causa Hildebrand, diese erste Version zu veröffentlichen).

Davor galt bloss eine «grundlegende Ethik», wie es ein ehemaliger Mitarbeiter der SNB (Name der Redaktion bekannt) formuliert. Im Grundsatz sei klar gewesen, dass die Mitglieder des erweiterten Direktoriums nie eigene geldpolitische Massnahmen oder auch sonstige Kenntnisse über Banken und den Kapitalmarkt hätten für den eigenen Vorteil ausnützen dürfen. Explizit festgeschrieben war jedoch nichts; genauso wie es auch noch heute für etwa den Bundesrat keine Anlagerichtlinien gibt. Allerdings sei es in Zeiten ohne Reglement auch verpönt gewesen, mit Devisen zu handeln ausser für einen Ferienaufenthalt im Ausland, weiss ein anderer Insider. Auch er kennt die SNB von innen.

Jetzt wird verschärft

Mitursache dafür, dass der Fall Hildebrand gegenwärtig so hoch gekocht wird, ist nach Ansicht der Experten allerdings die Tatsache, dass Notenbanken seit der Finanzkrise 2008 stark an Bedeutung gewonnen haben und deshalb verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Der Grund: Notenbanken gehen nicht mehr bloss ihrem Auftrag der Geldwertstabilität nach, sondern sie sind zu einer entscheidenden Kraft bei der Lösung von Finanzmarktproblemen geworden.

Das hat die SNB jetzt auch eingesehen. Nach dem Vorfall Hildebrand erklärte Bankratspräsident, Hansueli Raggenbass, an der gestrigen Pressekonferenz: Das heute geltende und von der Europäischen Zentralbank abgeleitete Reglement sei nicht für die gegenwärtigen Extremsituation in der Währungspolitik ausgelegt. So sei etwa eine Euro-Franken-Untergrenze zum Zeitpunkt der Regel-Festlegung noch völlig undenkbar gewesen.

Passive Verwaltung im Fokus

Im Fokus der jetzt durch den Bankrat geplanten Verschärfung steht die so genannte passive Verwaltung. Das heisst: Vermögenswerte müssen mindestens sechs Monate gehalten werden. Hier will der Bankrat eine Lösung finden. Denn tatsächlich hatte Hildebrand nur die Wahl entweder ein Vermögensverwaltungsmandat an einen Kundenberater zu geben, oder eben passiv seine Konten zu verwalten. «Ein Mandat ist aber auch problematisch. Wenn ein Kundenberater im geldpolitisch dümmsten Moment dümmste Vermögensentscheide fällt, ist es hinterher schwierig, zu erklären, dass es wirklich keine Absprachen zwischen Kontoinhaber und Kundenberater gab», betonte Hildebrand gestern.

Besonders im angelsächsischen Bereich sind deshalb Blind Trusts unter Notenbankern weit verbreitet. Hierbei wird das Vermögen durch Kundenberater verwaltet, ohne dass der Kontoinhaber weiss, welche Werte sich in seinem Depot und auf seinen Konten befinden und ohne je die Transaktionen zu erfahren. Ein solches Modell ist in der Schweiz nicht zugelassen und dürfte laut Ragenbass auch künftig nicht erlaubt werden.

Der angegriffene Hildebrand selbst propagiert darum stattdessen eine verstärkte Offenlegung. «Das ist der Preis, den man bezahlen muss, wenn man öffentliche Positionen hält. Eine eigentliche Privatsphäre gibt es dann ohnehin nicht mehr», sagte er gestern. «Doch Reglemente sind immer nur die zweitbeste Lösung», findet der ex-SNB-Insider. Die Frage sei immer, ob ein Reglement tatsächlich vor unethischem Verhalten schütze.

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