«Frage ist nicht ob, sondern wann»: Bis 2050 kein Fleisch mehr auf Schweizer Tellern – fordert Migros-Institut 

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«Frage ist nicht ob, sondern wann»Bis 2050 kein Fleisch mehr auf Schweizer Tellern – fordert Migros-Institut 

In einem neuen Arbeitspapier fordert das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) den Ausstieg aus der konventionellen Fleischproduktion, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. 

von
Dominik Fischer
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Verschwindet das Fleisch bis zum Jahr 2050 aus den Ladentheken? 

Verschwindet das Fleisch bis zum Jahr 2050 aus den Ladentheken? 

Tamedia AG
Das fordert das Gottlieb Duttweiler Institut in einem neuen Arbeitspapier. 

Das fordert das Gottlieb Duttweiler Institut in einem neuen Arbeitspapier. 

20min/Simon Glauser
«Die Frage ist nicht ob, sondern wann wir aus der konventionellen Fleischproduktion aussteigen werden», heisst es in dem Papier. 

«Die Frage ist nicht ob, sondern wann wir aus der konventionellen Fleischproduktion aussteigen werden», heisst es in dem Papier. 

Urs Jaudas

Darum gehts

  • Das Gottlieb Duttweiler Institut fordert den Ausstieg aus der konventionellen Fleischproduktion. 

  • In einem Arbeitspapier zum Klimawandel bezeichnet das Institut eine «fleischfreie Schweiz 2050» als wahrscheinliches Zukunftsszenario. 

  • Das GDI betont dabei: «Ein Fleischausstieg muss als Chance betrachtet werden.»

«Unseren heutigen Fleischkonsum können wir uns nicht mehr leisten, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen.» Dies schreibt das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) im Rahmen eines Arbeitspapiers, das am Freitag von der Stiftung Mercator und der Schweizerischen Gemeinnützigen Stiftung veröffentlicht wurde.

In dem Papier formulieren zehn Schweizer Thinktanks 20 zentrale Ideen dazu, wie die Schweiz den Klimawandel bekämpfen kann. Gemeinsam konstatieren sie: «Die menschgemachte Klimaerwärmung ist real» und «die zentrale Herausforderung unserer Zeit». 

Das GDI fordert: «Deshalb müssen jetzt konkrete Szenarien für einen Ausstieg aus der konventionellen Fleischproduktion entwickelt werden», und betont: «Die Frage ist nicht ob, sondern wann wir aus der konventionellen Fleischproduktion aussteigen werden.» Laut GDI gibt es genügend Ideen, wie dieser Ausstieg gelingen kann. 

Kommt unser Fleisch bald aus dem Labor? 

Neben pflanzenbasierter Ernährung und Fleischersatzprodukten zählt das Forschungsinstitut auch «zelluläre Landwirtschaft» und «Precision Fermentation» auf. Dabei handelt es sich um Verfahren, mit denen Fleisch und andere tierische Produkte künstlich im Labor hergestellt werden können.

Solche Forschung müsse gezielt gefördert werden, ebenso wie die Herstellung alternativer Proteine. Das GDI kritisiert: «Mit den bestehenden Subventionen der Fleischwirtschaft werden Fehlanreize gesetzt.» Daher fordert das Forschungsinstitut einen «Subventionsstopp für die konventionelle Fleischproduktion».

«Plant-based Produkte sind auf dem Vormarsch»

Wie reagiert dabei die Migros auf die Forderungen, die selbst Geldgeberin des GDI ist? Schliesslich steht in deren wöchentlichen Aktionen günstiges Fleisch stets an erster Stelle, wie der «Tages-Anzeiger» bemerkt. 

Der Grossverteiler verfolge den Trend aufmerksam, betont Mediensprecher Patrick Stöpper auf Anfrage der Tageszeitung. «Plant-based Produkte sind auf dem Vormarsch. Die Nachfrage nach unseren veganen Produkten nimmt stetig zu, weshalb wir das Sortiment fortlaufend ausbauen», sagt er. Tatsächlich hat sich der Schweizer Fleischkonsum bereits verringert: Betrug er 2010 noch 52,4 Kilogramm pro Kopf, waren es im Jahr 2020 noch 47,3 Kilogramm pro Person.

Fleisch wird bald ein «aus der Zeit gefallenes Relikt» sein

Für das GDI ist klar: «Fleisch aus konventioneller Produktion wird für unsere Enkelkinder dereinst das sein, was für uns heute die Audio-Kassette ist: ein aus der Zeit gefallenes Relikt.» Für das Forschungsinstitut ist es unabwendbar und beschlossene Sache, dass die Schweiz der konventionellen Fleischproduktion den Rücken kehren muss.

Das GDI betont dabei jedoch: «Ein Fleischausstieg muss als Chance betrachtet werden.» So könne die Schweiz zu einer Technologieführerin bei der Ernährung der Zukunft werden. «Die Schweiz muss mutig vorangehen und effizientere Verfahren für die Prüfung und Zulassung neuer Lebensmittel einführen», schliessen die Forscherinnen und Forscher.  

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