Versehentlicher Pferdeabschuss - «Bis ich ein Pferd mit einem Reh verwechsle, muss ich stockhagelvoll sein»
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Versehentlich auf Pferd geschossen«Bis ich ein Pferd mit einem Reh verwechsle, muss ich stockhagelvoll sein»

Am Mittwochmorgen visierte ein Jäger auf der Pirsch in Chapella GR ein Reh an – traf stattdessen aber ein Pferd. Facebook-Nutzer reagieren entrüstet und verständnislos, das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden relativiert.

von
Pascal Eicher
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In diesem Waldstück wurde das Pferd tödlich verwundet.

In diesem Waldstück wurde das Pferd tödlich verwundet.

Kantonspolizei Graubünden
Auf Facebook fordern viele Nutzerinnen und Nutzer, dem Jäger solle das Patent entzogen werden (Symbolbild).

Auf Facebook fordern viele Nutzerinnen und Nutzer, dem Jäger solle das Patent entzogen werden (Symbolbild).

imago images/Arnulf Hettrich
Einige Nutzer kritisieren das Licht, welches der Fehlschuss des Jägers auf die Jagd allgemein wirft.

Einige Nutzer kritisieren das Licht, welches der Fehlschuss des Jägers auf die Jagd allgemein wirft.

Facebook-Screenshot

Darum gehts

  • Am Mittwochmorgen wurde in Chapella GR ein Pferd versehentlich tödlich verwundet.

  • Social Media-Nutzer kritisieren den Jäger und fordern einen Patententzug.

  • Der Jäger hat laut den Behörden nach aktuellem Wissensstand keine Gefährdungsregeln verletzt.

  • Ob es zum Patententzug kommt, werden die laufenden Polizeiermittlungen zeigen.

Einem Jäger in Chapella GR passierte am Mittwochmorgen ein folgenschweres Missgeschick. Unterhalb des Waldweges, auf dem er sich befand, hatte er ein Tier gesichtet, welches er im Anschluss abzuschiessen versuchte. Doch leider segelte sein Schuss am Ziel vorbei und traf ein Isländer Pferd. Dieses hatte sich auf einer Weide unterhalb des Waldwegs aufgehalten, wie Anita Senti, Leiterin Kommunikation der Kantonspolizei Graubünden, auf Anfrage bestätigt. Der Jäger meldete den Vorfall umgehend der Wildhut. Das Isländer Pferd musste aber trotzdem aufgrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden.

Harsche Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Medien stösst der Vorfall auf Unverständnis. Auf dem entsprechenden Facebook-Beitrag der Kantonspolizei Graubünden wird der Jäger von zahlreichen Nutzern harsch kritisiert. Viele fordern, dass ihm das Patent zum Jagen entzogen wird.

Auch ein anderer Jäger reagiert genervt: «Genau wegen solcher ‹Jäger› wirken wir anständigen Jäger immer wie Idioten vor der Bevölkerung», schreibt der Nutzer. Selbst die Jagdprüfung wird in Frage gestellt. «Ich dachte, für die Jagdprüfung braucht es ein bisschen mehr als nur ein Gewehr», schreibt jemand. Ein Nutzer vermutet sogar, dass Alkohol im Spiel gewesen sein könnte: «Ich bin ja kein Jäger, aber bis ich ein Pferd mit einem Reh verwechsle, muss ich stockhagelvoll sein», schreibt er.

Jäger kann Patent vorerst behalten

Hannes Jenny, stellvertretender Leiter des Amts für Jagd und Fischerei (AJF) Graubünden, äussert sich zu den Vorwürfen aus den sozialen Medien. «Um ein Jagdpatent zu erhalten, muss man seine Schiessfertigkeiten jedes Jahr bei einer Prüfung unter Beweis stellen, bevor das Patent ausgehändigt wird», sagt er.

Bei der Jagd gebe es zudem einige Grundregeln, die es zu beachten gelte: «Der Durchschlag eines Abschusses muss immer berücksichtigt werden, sodass ein Kugelfang, zum Beispiel in Form eines Hangs, gegeben ist. Man darf also kein Wildtier abschiessen, wenn nicht klar ist, wo die Kugel nach dem Treffer landen wird. Ausserdem dürfen sich keine Ziele im Gefährdungsbereich von 30 Grad links und rechts des Schützen befinden», sagt Jenny.

Doch rechtfertigt die Tat des Jägers einen Patententzug? Laut Jenny hätte dies bereits im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen geschehen können. «Dieser vorläufige Entzug des Jagdpatents kann erfolgen, wenn davon auszugehen ist, dass die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bei Fortsetzung der Jagd durch den betreffenden Jäger fortbestehen würde», sagt er. Aber: «Aufgrund der Informationen, die uns zu diesem Zeitpunkt vorlagen, hatten wir keinen Grund zur Annahme, dass dies der Fall war». Und weiter: «Über den allfällig dauernden, beziehungsweise längerfristigen Entzug des Jagdpatents entscheidet der Richter im Strafverfahren auf Grundlage der Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen».

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