Bis zu 16 Tote bei Notwasserung vor Küste Siziliens
Aktualisiert

Bis zu 16 Tote bei Notwasserung vor Küste Siziliens

Die Notwasserung eines tunesischen Passagierflugzeugs vor der sizilianischen Küste hat bis zu 16 Menschen das Leben gekostet.

Wie Behörden mitteilten, wurden bis zum Sonntagnachmittag 13 Leichen geborgen. Drei Menschen wurden noch vermisst und sind vermutlich ebenfalls ums Leben gekommen. Die nur zur Hälfte besetzte Maschine einer Tochtergesellschaft der Tunisair befand sich auf dem Weg von Bari nach Dscherba.

23 Menschen überlebten das Unglück, neun von ihnen erlitten nach Polizeiangaben schwere Verletzungen, die jedoch nicht lebensbedrohlich waren. Insgesamt waren an Bord der Maschine 34 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder, wie die Staatsanwaltschaft in Palermo mitteilte. Bei den Reisenden handelt es sich nach tunesischen Angaben um Italiener.

Die italienische Luftsicherheitsbehörde ENAV erklärte, das Flugzeug vom Typ ATR-72 habe wegen Triebwerksproblemen am Samstag notlanden müssen. Die Piloten hätten den Tower am Flughafen in Rom kontaktiert und erklärt, sie müssten in Palermo landen, sagte ENAV-Sprecherin Nicoletta Tommessile. Eine gute Viertelstunde später habe die Besatzung jedoch mitgeteilt, dass sie im Wasser niedergehe. Die Absturzstelle im Mittelmeer liegt rund 15 Kilometer vor der sizilianischen Küste.

Die Überlebenden wurden mit Booten zum Hafen von Palermo gebracht. Der Fernsehsender SKY TG24 TV berichtete, mehrere Menschen hätten auf der Tragfläche des verunglückten Flugzeugs gestanden und die Helfer herangewunken. «Wir wurden wie durch ein Wunder gerettet», sagte die 36-jährige Rosanna di Cesare im Krankenhaus. Sie habe sich eine halbe Stunde lang an einen Koffer geklammert, bevor die Retter eingetroffen seien. Auch ihr Lebensgefährte habe überlebt, über seine ebenfalls mitgereiste Mutter wisse sie jedoch nichts.

Auch der Pilot überlebte mit schweren Verletzungen. Die Fluglinie erklärte, er verfüge über 25 Jahre Erfahrung. Die Notlandung sei notwendig gewesen, weil die Triebwerke ausgesetzt hätten, bevor die Maschine den Flughafen habe erreichen können. In der Nacht wurde der Rumpf des Flugzeugs geborgen, eine Tragfläche war noch intakt. Über den Verbleib des Datenschreibers wurde nichts bekannt. Einen Terroranschlag als Ursache für die Bruchlandung schloss Staatsanwalt Piero Grasso aus.

Der Leiter der Behörde für die Zivilluftfahrt, Silvano Manera, erklärte, das Unglück sei sehr ungewöhnlich. Die Maschine sei erst 13 Jahre alt gewesen und im März überprüft worden, wobei es keine Probleme gegeben habe. Auch gehöre Tunesien zu den Ländern, die die internationalen Flugsicherheitsstandards achteten, sagte Manera Sky TG24. «Der Ausfall beider Triebwerke ist ein sehr ungewöhnliches Ereignis.» Bis auf Sabotage sei alles möglich als Unglücksursache.

Unter den Todesopfern waren nach Angaben der Gerichtsmedizin in Palermo neun Frauen und ein kleines Mädchen. Angehörige der Opfer wurden mit einer Sondermaschine nach Bari geflogen, wo sie die Toten identifizieren sollten.

Papst Benedikt XVI. sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er verwies darauf, dass die meisten Opfer aus der Gegend um Bari stammten, wohin er im Mai seine erste Pilgerreise als Papst unternommen hatte. «Ich teile die Trauer der Familien und der Stadt», sagte Benedikt in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo.

(dapd)

Deine Meinung