Aktualisiert 09.03.2012 16:31

Wegen ErwärmungBis zu 60 Prozent weniger Schnee als vor 30 Jahren

Dachten wir es doch: Dank der Erwärmung hat es hierzulande in den letzten Jahren häufiger geregnet und weniger geschneit. Mittlerweile sind gar einige Schneesportorte in Gefahr.

von
ann
Usser Isch am Jakobshorn bei Davos: Zur Saisoneröffnung am 27. November 2011 gabs nur Schnee aus Kanonen.

Usser Isch am Jakobshorn bei Davos: Zur Saisoneröffnung am 27. November 2011 gabs nur Schnee aus Kanonen.

«Früher konnte man im Flachland Langlaufloipen legen, auf Hügeln Skifahren und mit dem Schlitten zur Schule gehen», erzählen ältere Semester von ihrer Kindheit. Was bisher als verklärte Erinnerung in Frage gestellt wurde, bekommt nun wissenschaftliche Unterstützung. Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und des Instituts für Schnee und Lawinenforschung (SLF) haben untersucht, ob heute weniger Schnee fällt als früher. «Wir haben den Anteil Schneefall am Gesamtniederschlag im Winter gemessen und über die letzten rund 50 Jahre verglichen», sagt Christoph Marty, der an der Untersuchung mitarbeitete.

Die Daten zeigen auf, dass in den letzten Jahren deutlich weniger Schnee gefallen ist als noch Ende der 70er-Jahre: In Bern und Genf liegt heute im Winter durchschnittlich nur noch halb so viel Schnee wie vor 30 Jahren. In Biel und Sion sind es gar 60 Prozent weniger. Immer noch sehr stark, aber weniger extrem ist der Rückgang in anderen Schweizer Städten wie Basel (-40%), in Luzern (-35%) oder Zürich (-30%). Bergdörfer spüren der Rückgang nicht so deutlich, aber auch hier gibt es Orte wie Ebnat-Kappel (-35%) oder Engelberg (-30%) die einen starken Einschnitt in der Schneemenge verzeichnen.

Regen statt Schnee

Die Studie bezieht ihre Daten aus rund 70 Messstationen der Schweiz, die zum Grossteil schon seit 50 Jahren die Schneehöhe messen. Die Ergebnisse zeigen, dass ab den 70er-Jahren eine deutliche Veränderung stattfindet. Grund für den rapiden Rückgang der weissen Pracht sind laut den Forschern die steigenden Temperaturen. In den letzten 30 Jahren ist es in der Schweiz durchschnittlich 1,71 Grad wärmer geworden. Das hat dazu geführt, dass ein grosser Teil des Schnees der 70er-Jahre sich in Regen verwandelt hat. Denn: In den letzten Jahren gab es nicht weniger Niederschläge, auch wenn es grosse Schwankungen gab. Die Erwärmung hat den Schnee einfach schmelzen lassen. Sobald die Durchschnittstemperatur im Winter über -2,7 Grad liegt, fällt kein Schnee mehr, sondern Regen.

Die Studie hat gemäss den Forschern Auswirkungen auf die Wintersportorte. Wenn sich die Temperatur in der Schweiz weiterhin pro Jahrzehnt um 0,57 Grad erhöht, müssen gewisse Wintersportorte fürchten, bald kaum mehr Schnee zu haben.

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