Bis zu einer Million Flüchtlinge im Irak
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Bis zu einer Million Flüchtlinge im Irak

Die anhaltende Gewalt im Irak könnte nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in diesem Jahr bis zu einer Million Menschen in die Flucht treiben.

Die Zahl der Flüchtlinge nehme täglich zu, sagte IOM-Sprecherin Jemini Pandya am Freitag in Genf. Ein Mangel an Lebensmitteln und der Exodus von Ärzten und Krankenschwestern aus dem Irak führe ausserdem zu immer mehr Krankheiten und Fehlernährung bei Kindern. Die Aussichten für die Flüchtlinge seien düster, sagte Pandya.

Die IOM gehe bei ihrer Einschätzung davon aus, dass sich an der Sicherheitslage im Irak nichts ändere, erklärte Pandya weiter. Sollten Nachbarländer ihre Grenzen zum Irak schliessen, müssten immer mehr Flüchtlinge im eigenen Land ausharren. Viele seien in abbruchreifen Häusern untergekommen oder hätten sich notdürftige Behausungen gebaut - meist ohne Strom, Isolierung und sanitäre Anlagen. Sogar Kinder im Alter von zehn Jahren hätten sich Aufständischen angeschlossen, berichtete die IOM-Sprecherin: Entweder wegen des Geldes oder aus Rache für Angriffe gegen Familienmitglieder.

Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) wurden allein in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 640.000 Iraker aus ihren Häusern vertrieben. Den Vereinten Nationen zufolge wurden in den vergangenen 30 Jahren rund 3,8 Millionen Iraker zu Flüchtlingen, darunter 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge.

Irakische Sicherheitskräfte gaben am Freitag die Festnahme von 34 bewaffneten Mitgliedern der so genannten Gruppe Soldaten des Himmels bekannt. Kämpfer der Gruppe hatten sich im Januar heftige Gefechte mit irakischen Soldaten geliefert und sollen Anschläge gegen schiitische Geistliche und Pilger in der Stadt Nadschaf geplant haben.

Die US-Streitkräfte wiesen unterdessen Berichte zurück, wonach der Anführer von Al Kaida im Irak bei einem Gefecht nördlich von Bagdad verletzt wurde. Al Kaida im Irak widersprach in einer im Internet verbreiteten Erklärung ebenfalls den Berichten. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki verbreite solche Lügen, um vor der Welt ihren Bankrott und ihre Machtlosigkeit zu verbergen, hiess es in der Erklärung.

Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums hatte zuvor erklärt, Abu Hamsa al Muhadschir, auch als Abu Ajjub al Masri bekannt, sei verwundet worden. Einer seiner Berater sei bei einem Kampf in der Nähe von Balad getötet worden. Al Masri hatte die Führung von Al Kaida im Irak übernommen, nachdem der vorherige Führer Abu Mussab al Sarkawi im Juni bei einem US-Luftangriff in der Provinz Dijala getötet worden war.

Aus Kreisen der irakischen Streitkräfte verlautete, ein Vertrauter Al Masris sei vor einer Woche festgenommen worden und sitze seitdem in der Nähe von Mahmudija im Gefängnis. (dapd)

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