Jagd auf den Terror-Boss: Bis zuletzt blieb Bin Laden ein Phantom

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Jagd auf den Terror-BossBis zuletzt blieb Bin Laden ein Phantom

Acht Monate intensive Vorbereitung lagen zwischen der Entdeckung von Osama bin Ladens Residenz und dem US-Angriff. Ob sich der Terrorchef dort befand, war bis zuletzt unklar.

von
pbl

Während Jahren suchten die USA vergeblich nach dem Gründer des Terrornetzwerks Al Kaida. Der grosse Durchbruch gelang mit der Enttarnung eines Kuriers, der unter dem Decknamen Abu Ahmad al Kuwaiti bekannt war. Im letzten Sommer konnte er in Pakistan aufgespürt werden. Im August führte er die CIA zu einem Anwesen in der Stadt Abbottabad, in dem er angeblich zusammen mit seinem Bruder und ihren Familien lebte.

Die USA waren sofort misstrauisch, denn die Anlage war «die bei weitem grösste und am besten gesicherte der Gegend», so CNN. «Wir waren schockiert über das, was wir sahen – ein aussergewöhnliches, einmaliges Anwesen», sagte ein hoher US-Regierungsvertreter dem Fernsehsender. Es war von einer bis zu sechs Meter hohen, mit Stacheldraht versehenen Mauer umgeben und nur durch zwei Sicherheitstore zugänglich.

Auch im Innern war die Residenz, mit deren Bau erst vor rund sieben Jahren begonnen wurde, durch verschiedene Mauern unterteilt. Es gab kaum Fenster nach aussen, selbst eine Terrasse im dritten Stock des Hauptgebäudes war durch eine zwei Meter hohe Mauer vor unerwünschten Einblicken geschützt. Das Haus verfügte weder über eine Telefonleitung noch einen Internet-Anschluss, selbst der Abfall wurde im Garten verbrannt.

Nachbau in Afghanistan

Geheimdienst-Analysten waren überzeugt: Das war nicht das Haus des Kuriers und seines Bruders, es war «zugeschnitten auf eine Person von ausserordentlicher Bedeutung», so der Regierungsvertreter zu CNN: «Alles war genau so, wie sich Experten das Anwesen von Osama Bin Laden vorstellten.» Sofort wurde es von Spionagesatelliten überwacht und fotografiert. Dadurch gelang es, einen originalgetreuen Nachbau auf der US-Luftwaffenbasis Bagram in Afghanistan zu errichten. An ihm übten die Navy Seals ihren Einsatz.

Denn Mitte Februar 2011 war man in der CIA-Zentrale in Langley zum Schluss gekommen, dass genug Beweise vorlagen, um zu handeln. Eine Zusammenarbeit mit Pakistan wurde ausgeschlossen, weil dies «die Mission gefährdet hätte», wie CIA-Direktor Leon Panetta dem US-Magazin «Time» erklärte. Eine Bombardierung der Anlage wurde erwogen, schliesslich aber zugunsten einer Kommandoaktion der Eliteeinheit verworfen.

Kein Foto von Bin Laden

Ein Problem aber bestand bis zuletzt: Es gab keinen Beweis, dass sich Osama Bin Laden tatsächlich im Anwesen in Abbottabad aufhielt. Obwohl die US-Spionagesatelliten selbst kleinste Details in hoher Auflösung fotografieren können, gelang es nie, eine Aufnahme des Al-Kaida-Chefs zu machen. Er habe die zuständige Geheimdienst-Abteilung wochenlang dazu gedrängt, sagte Panetta. Doch es gab nur Fotos der Kuriere und ihrer Familien.

Seine Mitarbeiter seien noch bei der letzten gemeinsamen Sitzung am Dienstag voriger Woche nur «zu 60 bis 80 Prozent» sicher gewesen, dass Bin Laden sich in der Residenz befand, sagte der CIA-Chef zu «Time». Dennoch entschied sich Panetta am Donnerstag, Präsident Barack Obama und dem Nationalen Sicherheitsrat einen Angriff zu empfehlen. Am Freitag gab Obama grünes Licht. Die für Samstag geplante Aktion musste wegen schlechten Wetters um zwei Tage verschoben werden. Am Montag, kurz vor 1 Uhr Ortszeit, kam die erlösende Meldung aus Pakistan: «Geronimo EKIA» – Enemy Killed In Action.

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