Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

Aktualisiert

Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

Eine Reihe katholischer Bischöfe sehen in den Corona-Beschränkungen den Auftakt zur Schaffung einer «Weltregierung», die unsere Freiheiten einschränken will. Andere sind fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet werde.

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Carlo Maria Vigano, der frühere Päpstliche Botschafter in den USA, steht mit andren Bischöfen hinter dem Schreiben, das vor einer «Weltregierung» warnt und die Ansteckungsgefahr des Coronavirus herunterspielt.

Carlo Maria Vigano, der frühere Päpstliche Botschafter in den USA, steht mit andren Bischöfen hinter dem Schreiben, das vor einer «Weltregierung» warnt und die Ansteckungsgefahr des Coronavirus herunterspielt.

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Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, distanzierte sich ausdrücklich von dem Schreiben.  Und auch …

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, distanzierte sich ausdrücklich von dem Schreiben. Und auch …

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… der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer,  ist nach eigenen Angaben «einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampfrhetorik, die beängstigend klingt».

… der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, ist nach eigenen Angaben «einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampfrhetorik, die beängstigend klingt».

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Darum gehts

  • Mehrere katholische Bischöfe kritisieren in einem Schreiben die Corona-Massnahmen.
  • Sie greifen dabei auf Verschwörungstheorien zurück und sehen den «Auftakt einer Weltregierung».
  • Die Unterzeichner äussern überdies «Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr» des Coronavirus.
  • Die Deutsche Bischofskonferenz übte jetzt scharfe Kritik.

Mehrere katholische Bischöfe sehen hinter den Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie eine «Weltverschwörung». Diese habe zum Ziel, persönliche Freiheiten dauerhaft einzuschränken. In einem in mehreren Sprachen veröffentlichten Schreiben mit dem Titel «Ein Aufruf für die Kirche und für die Welt – an Katholiken und alle Menschen guten Willens» warnen sie vor dem «Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht».

So heisst es in dem Schreiben: «Es sind Tatsachen, dass unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie in vielen Fällen unveräusserliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismässig und ungerechtfertigt eingeschränkt wurden, einschliesslich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäusserung und Freizügigkeit». Und weiter: Man habe Grund zu der Annahme, «dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen». Auf diese Weise wollten sie dauerhaft «Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen» durchsetzen. «Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht.» Zudem wird an der «tatsächlichen Ansteckungsgefahr» des Coronavirus gezweifelt.

«Mit Jesus Christus haben derart wirre Thesen nichts zu tun»

Der Aufruf ist eine Initiative des früheren Päpstlichen Botschafters in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano. Er gehört zu den schärfsten Kritikern von Papst Franziskus und hatte diesen im Umgang mit Missbrauchsfällen in den USA im vergangene Jahr der «offensichtlichen Lüge» bezichtigt.

Das Schreiben der katholischen Bischöfe stiess vielerorts auf scharfe Kritik, nicht zuletzt aus den eigenen Reihen. So distanzierte sich die Deutsche Bischofskonferenz ausdrücklich davon: «Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe ausserhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet», erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

Und auf Facebook schrieb der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, er sei «einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampfrhetorik, die beängstigend klingt».

Dem müsse widersprochen werden, so Pfeffer weiter. «Mit Jesus Christus, auf den sich die Unterzeichner berufen, haben derart wirre Thesen, die Ängste schüren, Schwarz-Weiss-Denken verfolgen, üble Feindbilder zeichnen und das Miteinander in unseren Gesellschaften vergiften, nichts zu tun».

(SDA)

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