Aktualisiert 16.02.2005 09:39

Bischof Fürer kritisiert Schweizer Asylpolitik

Der St. Galler Bischof Ivo Fürer kritisiert die verschärfte Asylpolitik und speziell den Sozialhilfestopp. Solche Massnahmen missachteten die Würde der Menschen, sagte er in einem Interview des «Tages-Anzeigers».

Aus Nächstenliebe sei dagegen auch ziviler Ungehorsam tolerierbar.

Die verschärften Massnahmen im Asylrecht hätten Auswirkungen, die nicht verantwortbar seien, sagte Fürer in dem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Wenn die Migranten spürten, dass sie eigentlich gar nicht existieren dürften, dann werde ihre Würde missachtet. «Hier müssten die Behörden einen Weg suchen, der den humanitären Ansprüchen der Schweiz besser nachkommt», sagte Fürer.

Besonders stört sich der Bischof an Berichten, wonach einige Gemeinden keine oder nur für kurze Zeit Nothilfe gewährten. Solche Situationen seien würdelos und könnten nicht akzeptiert werden. Fürer ist in solchen Fällen auch bereit, zivilen Ungehorsam zu akzeptieren. «Wenn es in der Notsituation keinen anderen Weg gibt, so kann es zutiefst christlich sein, zivilen Ungehorsam zu tolerieren», sagte der Bischof. Er äusserte diesbezüglich seine Bewunderung für einen Basler Priester, der Asylbewerber mit Nichteintretensentscheiden beherbergt.

Für inakzeptabel hält Fürer auch die geplanten weiteren Verschärfungen im Asylrecht, wie etwa die Verlängerung der Ausschaffungshaft oder die Einführung der Beugehaft. Die Schweiz dürfe von ihrer humanitären Verpflichtung her nicht in eine Extremposition geraten. (dapd)

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